René Burri, Fotograf Portrait eines Fotoreporters

Das wohl bekannteste Foto des 1933 geborenen Schweizer Fotografen René Burri ist ein Porträt Che Guevaras von 1962: ein junger Revolutionär, der eine Cohiba stolz zwischen den Zähnen hält. Das Bild ging um die Welt, Burri wurde berühmt.

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René Burris Che-Bild auf einem Plakat
(Bild: René Burri/Magnum)

Nein, es ist nicht dieser Scherenschnitt, der auf allen „Che“-T-Shirts gedruckt ist. Nicht das Idolfoto. Das ist von Alberto Korda. Sondern das andere. Das heute gar nicht mehr zu den Traumvorstellungen von einem linken Revoluzzer paßt, der doch die imperialistische Zigarre im Mund stecken hat. Auch, wenn das auf Kuba natürlich etwas ganz Normales war.

René Burri hat die große Zeit der Illustrierten und Magazine miterlebt und mitgeprägt. Seine Bilder wurden von allen großen Zeitschriften publiziert. Seine Vorbilder fand er aber weder im Journalismus noch in der Fotografie, sondern in der Kunst. Er begeisterte sich für Picasso, Le Corbusier und Giacometti, die sich auch bereitwillig von ihm porträtieren ließen.

Schon mit 13 fotografierte Burri Churchill auf einem Besuch in der Schweiz, doch das Foto aus der Kindheit war lange verschwunden. Neben Dokumentarfilmen arbeitete er dann ab 1956 als Fotoreporter. Die Schweiz war ihm eigentlich immer zu klein, und beim geteilten Deutschland symphatisierte er zunächst mehr mit dem Osten, der ihm als „neutralen Schweizer“ ebenso offen stand wie der Westen, sodaß er bis zum Mauerfall vergleichend dokumentieren konnte

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Picasso-Portrait (Bild: René Burri/Magnum)

Reiner Holzemer hat René Burri in einer nun auf 3Sat ausgestrahlten Dokumentation zwischen Paris, Zürich, dem Tessin und Berlin beobachtet. Im Onsernone-Tal erholt sich Burri von den Strapazen des Bildreporterlebens. Im französischen Ronchamp besucht Burri noch einmal Le Corbusiers Wallfahrtskapelle – während sie gebaut wurde, hatte er seine Begeisterung für die Arbeit des berühmten Architekten entdeckt.

In seinem Pariser Atelier arbeitet Burri an der Bildauswahl für seine Monografie und an einer großen Retrospektive. Bei einer Ausstellungseröffnung trifft er seinen Freund und Mentor, den Gründer der legendären französischen Fotoagentur Magnum, Henri Cartier-Bresson, der Burris Werdegang entscheidend beeinflusst hat.

Weitere Freunde, Verwandte und Wegbegleiter, unter anderen die Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger und Dieter Bachmann, Guido Magnaguagno, der Leiter des Museums Tinguely in Basel, und sein Studienkollege Walter Binder beschreiben die Arbeit des Fotografen.

„René Burri, Fotograf“, Film von Reiner Holzemer, 60 Min., Sonntag, 13. Januar 2008, 3sat

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Collage von 1997 (Bild: René Burri/Magnum)

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