Einestages: Frag das Publikum

Mit „einestages.de“ versucht Spiegel Online seit einiger Zeit ein kollektives Gedächtnis und Fotoalbum aufbauen: Allmählich füllen sich die Archive.

Als Spiegel Online seine neue Webseite vor einigen Monaten lancierte, herrschte weitgehend noch gähnende Leere. Und das, obwohl das Konzept größtenteils überzeugend ist. Fernab von Kunst und Kreativität wird das Medium Fotografie hier (neben eher sporadisch vorhandenen Texten) zur reinen Dokumentation benutzt.

Jeder angemeldete User soll Fotografien bereitstellen und von anderen dokumentieren lassen.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Fotos, zu denen dem Urheber die Geschichten fehlen. „Wer ist diese Person?“, „Wo wurde dieses Foto aufgenommen?“ und „Was hat das zu bedeuten?“ sind demnach die häufigsten Fragen, die dem Besucher beim stöbern durch die vielen Beiträge begegnen.

So finden Bilder die passenden Geschichten und Geschichten die passenden Bilder. Im Gegensatz zu den unzähligen anderen Fotoseiten im Netz, die scheinbar kein Ziel verfolgen, findet hier also tatsächlich Interaktion mit Ergebnissen statt. Durch eine ständige, kompetente redaktionelle Überprüfung herrscht auch ein hohes Niveau. So finden auch professionelle Fotografen immer wieder den Weg in das „Zeitzeugen“-Portal (wie vor einigen Monaten schon einmal hier berichtet).

Dennoch gibt es Mängel an der (noch eindeutig als Beta-Version gekennzeichneten) Plattform. Denn obwohl die Rechte am eingestellten Bildmaterial eindeutig beim Urheber bleiben, gibt es keine Möglichkeit, einmal veröffentlichte Fotografien jemals wieder zu löschen. Sicher, so funktioniert ein Gedächtnis nunmal – nichts wird vergessen – aber wer möchte seine Zeitdokumente schon bis in alle Ewigkeit exklusiv einer Webseite zur Verfügung stellen?

Seit Oktober letzten Jahres ist die Webseite nun im Netz, und das Konzept scheint aufzugehen. Zumindest sieht es so aus, wenn man sich an den kleinen grünen Ausrufezeichen orientiert, die diejenigen Bilder markieren, deren „Fälle“ gelöst wurden.

Spannend ist ein Besuch des gemeinschaftlichen Gedächtnisses allemal, zeigt es doch wie wichtig die Fotografie als Medium der Dokumentation schon vor Jahrzehnten war und wie sich die Erinnerungen aus der Sicht eines Einzelnen wieder zu einem großen Ganzen zusammenfügen können. Vielleicht ja auch ein Verwendungszweck für die unzähligen und oft scheinbar unnötigen Digitalfotos, die jeden Tag erstehen: eventuell werden auch diese „eines Tages“ einmal zu einer gigantischen Datenbank für unsere Nachkommen.

Webseite: einestages

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