Sigma DP1 mit grossem Foveon-Sensor: Die Kompakte für Profis?

Sigma verbaut in der DP1-Kompaktkamera einen empfindlichen Foveon-Sensor. Und zwar in einer DSLR-gerechten Grösse.

Sigma DP1 Kamera Frontansicht
Sigma DP1: Kompakte Fixobjektiv-Kamera mit einem grossen Foveon-Sensor und Croprate 1:1.69 (Bild Sigma)

[Update: Dieser Artikel ist vollkommen neu verfasst worden.]

Das könnte die Kompaktkamera sein, nach der viele ambitionierte Fotografen lange und glücklos gesucht haben: Sigma hat in Las Vegas die DP1 vorgestellt und als „Kamera mit Prinzipien“ gepriesen. Das wichtigste davon: Eine Kompakte muss nicht zwingend auch einen winzigen Sensor (und somit die Empfindlichkeit eines Nashorns) haben.

Sigma DP1 Gehäuse schräg von oben
Sigma DP1: Schlichtes Äusseres, grosszügiges Inneres
Sigma DP1 Kompaktkamera mit Foveon-Gross Sensor zerlegt
DP1 Innenleben: Der grösste Chip ist der Sensor!
Sigma DP1 Rückansicht Monitor
Die Sigma DP1 von hinten: Zoom-Wippe – fürs Digital-Zoom…
Sigma DP1 Kompaktkamera mit Foveon-Sensor von oben
Die Sigma DP1 von oben
(Alle Bilder: Sigma)

Mancher Fotograf nimmt die Kompaktkamera auch dann als Reserve mit, wenn er schon die Große dabei hat. Das hat dann durchaus auch mal praktische Vorteile, so kann beispielsweise keine Spiegelreflexkamera Videos aufnehmen, und der Fotograf ist auch nicht ganz aufgeschmissen, wenn seine richtige Kamera aus irgendwelchen Gründen streikt.

Doch drucken lassen sich die Bilder aus der kompakten Knipse höchstens von Aufnahmen in strahlendem Sonnenschein – die Bilder aus weniger hellen Innenräumen sind bestenfalls für Webseiten geeignet und auch dann nur, wenn nicht gezoomt wird.

Der Grund für das ganze Schlamassel: Kompaktkameras haben einen kleineren Bildsensor. Der Vorteil: Dieser ist billiger und die Tiefenschärfe ist deutlich höher. Das kommt ungeübten Fotografen entgegen: die Bilder sind selten unscharf. Dafür sind sie allerdings verrauscht, weil der kleine Sensor nun einmal weniger Licht aufnimmt als ein großer, und es fehlt die Möglichkeit, den Fokus auf einen bestimmten Ausschnitt des Bildes zu legen.

Die Industrie fährt mit diesem Ansatz bislang ganz gut: Große Zoomfaktoren verkaufen sich wesentlich besser, auch wenn das Ergebnis dann trotz Bildstabilisatoren verwackelt ist. Schlauer ist es allerdings, nicht anzubieten, was schon alle anderen anbieten, sondern etwas Eigenes, Neues zu entwickeln.

Sigma DP1 transparent
Es ist auch ein kleiner Blitz eingebaut – rechts über dem Objektiv in dieser Transparentansicht, der normal unsichtbar bleibt. Links über dem Objektiv ist das Mikrofon. (Bild: Sigma)

Das hat der japanische Hersteller Sigma, bei uns hauptsächlich als Zweitlieferant für Systemobjektive bekannt, schon bei seiner Spiegelreflex SD 14 getan: Sie enthält den sogenannten Foveon-Sensor. Dieser arbeitet prinzipiell anders als die gängigen Bildsensoren in digitalen Kompakt- und Spiegelreflexkameras: Er benutzt nicht wie ein Farbfernseher einzelne Pixel für Rot, Grün und Blau, was die effektive Auflösung und Empfindlichkeit der Kamera nur weiter verringert, sondern wie beim Film verschiedene Schichten innerhalb des Sensors, um die drei Grundfarben zu extrahieren.

Damit ist ein Foveon-Sensor von der Auflösung her deutlich höher einzustufen als ein gängiger Sensor mit Bayes-Filter. Bei ihm ist die Pixelzahl vollständig verfügbar, während sie sich beim normalen Sensor nicht nur auf die einzelnen Farben aufteilt, sondern auch noch zusätzliche Unschärfen beim notwendigen Berechnungsvorgang auftreten.

Nicht verschweigen sollte man allerdings, das dieser neue Sensoransatz teilweise Qualitätsprobleme zu haben scheint. Doch auch einige Fuji-Kompaktkameras haben mit derartigen Ansätzen bereits das leidige Rauschproblem etwas reduziert.

Sigma Faveon Sensor X3 vs Bayer-Filter Fotosensoren
Der Foveon-X3-Bildsensor (oben) im Vergleich zu einem heute üblichen Sensor mit Bayes-Farbfilterung (unten) (Bild: Sigma)

Sigma hat nun kurzerhand den 14-Megapixel-Sensor Foveon X3 der SD 14 in ein Gehäuse einer Kompaktkamera gesteckt. Damit hat man gleich zweifach das Bildrauschen reduziert: durch die Größe des Sensors, der sogar etwas über dem einer Four-Thirds-Kamera liegt und etwas unterhalb von APS-C, andererseits durch das Foveon-Prinzip.

Allerdings hat dieser große Sensor eigentlich auch zur Folge, dass ein entsprechend großes Zoom-Objektiv an die Kamera müsste, etwa von dem Volumen des Kit-Objektivs der Olympus E-410. Dies würde natürlich sowohl angesichts der Größe als auch des Gewichts her ein Problem. Doch gab es da ja noch etwas, das alle klassischen Leica-Kameras kannten und auch die früheren Automatik-Urlaubs-Knipskameras mit Film: die Festbrennweite! Ist diese noch dazu im Weitwinkelbereich, so bleibt das Objektiv klein und flach.

Genauso hat Sigma nun die DP 1 konstruiert: Sie hat ein Objektiv, das einem 28 mm-Kleinbild-Weitwinkel entspricht. Damit bekommt man also all das aufs Bild, das man auch bei einem Zoom-Objektiv der besseren Bauart aufnehmen könnte. Lediglich entfernte Objekte heranzoomen, das kann man nicht. Stattdessen ist entweder ein Spaziergang näher ans Objekt angesagt – oder eine spätere Ausschnittsvergrößerung.

Für fokussiert-Kollege Peter Sennhauser trübt das die Freude über die Kamera erheblich. Er schrieb in der ersten Fassung dieses Postings:

„Dass Sigma das „Prinzip“ dieser Kamera nicht mit einem wackeligen Zoom verwässern wollte, ist nachvollziehbar – aber warum es dann ein Weitwinkel und nicht wenigstens einfach ein Normalobjektiv sein musste, das verstehe ich nicht.“

Ausserdem frage ich mich, wie es mit der Tiefenschärfe aussieht – respektive, die Frage erübrigt sich angesichts des Objektivs, das gar keinen kreativen Einsatz der Tiefenschärfe erlaubt. Angesichts der physikalischen Brennweite ist allerdings ohnehin davon auszugehen, dass auch mit einem Teleobjektiv keine starke Schärfenabstufung zu erzielen wäre – und das wiederum könnte erklären, weshalb Sigma gleich auf den Weitwinkel gesetzt hat, mit dem dieser Nachteil der Kompaktbauweise gar nicht mehr auffällt…

Ich allerdings finde: Wenn man wie hier mit den Bildern eine Qualität hat, die mindestens 20 Megapixeln einer normalen Kamera entspricht, hat man eine gewisse Reserve: ein Viertel des Bildes entspricht immer noch 5 Megapixeln und einem Normalobjektiv, davon nochmal ein Viertel entspricht einem 100 mm-Portrait-Tele und immer noch 1,3 Megapixeln.

Viel weiter kommt man dann zugegeben nicht, doch mehr als ein Zoomverhältnis von 1:4 haben auch heute die meisten Zoom-Objektive von Kompaktkameras nicht, eben weil es dann schwierig wird, nicht zu verwackeln und eine gute optische Qualität zu erhalten. Wenn es darum geht, in einer Situation schnell eine Aufnahme zu machen, ist es auch nicht unbedingt ein Nachteil, wenn man den Bildausschnitt erst später am Computer festlegt.

Sigma DP1 SucherÄusserlich kommt die kleine Sigma DP1 ähnlich spartanisch daher wie entsprechende „Profi“-Kompakte, etwa die Panasonic LX2 / Leica D-Lux 3, mit der man sie in einen Topf werfen könnte, weil sie zu den wenigen Kompakten mit RAW-Aufnahme gehört.

Wie jene lässt sie einen Sucher vermissen, dafür hat sie einen Blitzschuh – und in diesen lässt sich ein als Zubehör erhältlicher Behelfs-Sucher aufstecken.

Für den Schuh gibts ausserdem einen eigenwillig designten Zusatzblitz mit Leitzahl 14, der 2.3 mal heller sein soll als der eingebaute Blitz.

BildMit 1:4 ist das Objektiv der DP 1 zwar nicht besonders lichtstark, doch immer noch lichtstärker als manches einfache Zoom-Objektiv. Die Philosophie der Kamera spricht eindeutig Berufsfotografen und Künstler an, die viel selbst einstellen wollen und übertriebene Automatik ablehnen. Deshalb sind auch die üblichen Motivprogramme an der DP 1 nicht vertreten, nur P, A, S und M, ein Videomodus, ein Audiomodus – die Kamera kann also auch als einfaches Diktiergerät dienen – und eine Stellung zum Abspielen der Aufnahmen.

Ob die Kamera in der Praxis hält, was der Prospekt verspricht, wird man sehen müssen – doch möglicherweise führt sie bei manchen der anderen Kamerahersteller auch zum Umdenken. Gerade bei den Kompaktkameras mit ihren ohnehin nicht sonderlich starken Objektiven wäre es nämlich wichtig, von den immer kleiner werdenden Bildsensoren wegzukommen. Schließlich werden gerade diese Kameras gerne auch in Innenräumen eingesetzt, wo ein Zoom weniger wichtig ist als geringes Rauschen. Nur wer auf Available-Light-Fotografie mit extrem hohen ISO-Werten setzt, hat Pech: Mehr als ISO 800 sind nicht drin. So gut funktionieren die Foveon-Sensoren dann doch noch nicht.

Sigma SP1 Sensorvergleich
Schwa Sensorvergleich: Oben Faveon X3, unten ein Bildsensor einer heute üblichen Kompaktkamera (Bild: Sigma)

Der geplante Preis der DP 1 ist noch nicht bekannt, lieferbar soll sie ab März sein.

Sigma-Website mit Informationen zur DP1

Mini-Site für die Sigma DP1, sehr schön gemacht – wenn auch in Flash.

8 Kommentare
  1. Wolf-Dieter Roth sagte:

    @Martin: Grrr, immer diese Kunstnamen…zu 50% hatte ichs richtig geschrieben mit dem Foveon…

    Nun, der Sensor in der SD 14 ist ja derselbe wie der in der DP1, von daher ist es unlogisch, wenn dann ausgerechnet die kleine nur ISO 800 darf – oder kommt vielleicht der Ausschuß der SD-14-Produktion in die kleine?

    Ich denke, die Sensoren haben noch Probleme mit Leckströmen, sonst spräche ja nichts dagegen, sie empfindlicher zu betreiben. Ein normaler Sensor dieser Größe hat mit ISO 1600 ja keine Probleme.

    Was den „Wechsel“ betrifft, das dürfte eher eine Entscheidung der Kamerahersteller sein als des Sensorherstellers. Zuerst tauchten die Foveons m.E. bei Polaroid auf.

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  2. martin sagte:

    der sensor heisst nicht faveon (mit „a“) sondern foveon (mit „o“).

    und zumindest das mit iso 800 stimmt nicht durchgehend für die foveon-sensoren. so bietet die sigma sd14 zumindest iso 1600 an.

    für mich eine sehr spannende frage: wann wechselt foveon von sigma auf einen anderen, vielleicht renomierteren kamera-hersteller: die sensoren-technik ist nun einfach einmal genial und wesentlich besser! nur ist es offenbar schwieriger, damit gleich grosse sensoren zu bauen wie die herkömmlichen.

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  3. christopher sagte:

    Ein Rauschwunder wird die DP-1 aber auch nicht. Und da bei base iso eine auf die 4,7MP der DP1 runtergerechnete G9 Datei auch spitze ausschaut frag ich mich schon wer sich diese Kamera holen soll. Irgendwelche Foveonfreaks wahrscheinlich…

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  4. Stefan Bucher sagte:

    Enttäuschend ist für mich nicht die Brennweite von 28mm – ich finde sie sehr universell und sie liegt mir sehr -, sondern die grösste Blendenöffnung F4. Das ist nicht besonders lichtstark. Aber gut, dafür gibt der Sensor mehr her …

    Vergleichbar wäre die DP1 noch mit der Ricoh GR Digital (II), obwohl die klar mehr rauscht.

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  1. […] Inzwischen ist Qualität gefragt und offenbar auch Retro-Design, das schon Olympus (mit der PEN-Serie) und Leica zeigen. Dass nun ausgerechnet Sony auch diesen Weg einschlägt, übrigens mit einer Festbrennweite von Zeiss, mag allerdings nicht jeder erwartet haben – so etwas war bislang eher von Sigma bekannt. […]

  2. […] 1/1,63″ ist der CCD-Sensor zwar kein Riese, kann zwar nicht mit dem Foveon-Sensor der Sigma DP1, aber z.B. mit der mit ähnlichen Ansprüchen engetretenen Ricoh GX 200 oder der Canon Powershot G9 […]

  3. […] der Fototechnik ist dies bis heute abgesehen vom Foveon-Sensor die einzige übliche Bildtechnik, bei Videokameras war dagegen bei semiprofessionellen und […]

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