Leserbilder in der Profi-Kritik:
Lichtschlange

Allein schon die Umsetzung der Bildidee bei Eiseskälte verdient ein Lob. Das Bild selber ist aber auch gut gelungen. Wermutstropfen sind die Büsche im Vordergrund.

Copyright Boris Macek
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Boris Macek). NIKON D80 – 236s – f/13 – ISO100 – 14mm (28mm) –

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand am 16.2.2008 um 18:54 bei -7 Grad in der Schöllenschlucht an der Gotthard-Passstrasse zwischen Göschenen und Andermatt.

Ich kam da ein paar Tage vorher vorbei und war beeindruckt über das abendliche Verkehrsaufkommen mitten in den Alpen und die gute Übersicht, die man da als Autofahrer nachts hat, weil man viel besser als am Tag entgegenkommende Autos früh sehen kann. Deshalb bin ich dahin zurückgefahren, habe im Abendlicht und eisiger Kälte einen guten Standort gesucht, gewartet bis es dunkel ist und dann eben gut 4 Minuten lang bei Blende 13 den Auslöseknopf meiner D80 gedrückt -bis mir fast der Finger abgefroren ist. Werde mir jetzt einen Kabelauslöser bestellen…

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Boris Macek:

Schöne Langzeitbelichtung, die mal eine andere, eine fast romantische Sicht auf den Straßenverkehr zeigt. Wie eine rot/weiße Schlange mäandern nämlich die Vorder als auch Rücklichter den Berg in einer aberwitzigen Form hinaus bzw. hinab.

Gerade die Langzeitbelichtung bringt dabei den geschwungenen Straßenverlauf besondern deutlich zur Geltung. Der Standpunkt ist dabei fast perfekt gewählt. Die Straße wird oben links in der Ecke in das Bild hineingeführt, nähert sich dominant bis an den Bildrand unten rechts, um dann wieder nach hinten hinauszulaufen und rechts zu verschwinden.

Die Bildflache ist also hervorragend ausgenutzt und zeigt ganz deutlich eine Tiefe. Im Abschluss rechts ist im Straßenverlauf allerdings der einzige Schwachpunkt, da die Straße hinter Bäumen verschwindet. Es wäre schön gewesen, einen höheren Standpunkt zu finden, der die Straße bis zum Schluss im Bild zeigt. So ersäuft es am Ende im Schwarz der Nacht.

Der Dramatik schadet dies allerdings nur wenig, und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, eine Carrera-Bahn vor mir zu sehen. (Das ist vielleicht ein Jungs-Ding…).

Ich frage mich noch, ob nicht ein wenig mehr Zeichnung in der Winterlandschaft gut gewesen wäre. Denn wenn ich auch noch die Berglandschaft erahnen kann, würde das der Dramatik sicherlich gut tun. Ich wundere mich sowieso, dass bei 4 Minuten Belichtungszeit nicht mehr zu sehen ist. Wie wäre es z.B. mit einem geichzeitigen Sonnenuntergang, der nur noch ein schwaches Rotlicht auf den Schnee wirft?

Hochachachtung auf jeden Fall für den Willen, dort auch auszusteigen. Meistens bleibt es nämlich beim Gedanken. Der fast abgefrorene Daumen hat sich gelohnt.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Boris Macek says:

    herzlichen dank für die ausführliche kritik. ich gehe mit jan zappner einig – ein etwas höherer standort wäre wünschenswert gewesen. das war leider bei dem vielen schnee grad nicht möglich. aber vielleicht stoppe ich da nochmals das nächste mal.

    Antworten

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