Test Canon Powershot G9 (1/2): Ein mächtiger (RAW-) Klotz

Die Powershot G9 von Canon ist eine der wenigen Kompaktkameras, die mit RAW-Aufnahme und manuellen Einstellungen höheren Ansprüchen genügen sollen. Die Punkte, die sie damit macht, verliert sie bei mir leider schnell woanders.

Canon Powershot G9 12 Megapixel und RAW: Liegt einfach irgendwie nicht richtig in der Hand
Canons Powershot G9 kann viel – aber sie liegt irgendwie einfach nicht richtig in der Hand. (Bilder PS/fokussiert.com)

Eins gleich vorweg: Dies ist kein „fairer“ Test. Wir haben die Powershot G9, die uns Canon Schweiz zur Verfügung gestellt hat, weder im Labor erprobt noch neutral bewertet. Wir wollten vielmehr wissen, ob die Canon Powershot G9 als kompakte Ergänzung zur Spiegelreflex für den Sonntagsspaziergang oder die Bergwanderung in Frage kommt. Sie gehört nämlich in eine exklusive Sonderklasse der kompakten Digitalkameras: Sie liefert auf Wunsch nicht nur JPG-Bilder, sondern die sehr viel weiter verarbeitbaren RAW-Daten.

Für mich war das bisher das Killer-Kriterium: Meine nächste Kompakte muss die rohen Daten des Sensors ausgeben können.

Warum um alles in der Welt sollte man auf einem solchen technischen Detail herumreiten? – Weil nur mit den Rohdaten eine Nachbearbeitung am PC möglich ist, die diesen Namen verdient, und weil das angesichts der beschränkten Bildkontrolle, die eine Kompakte im Feld bietet, unbedingt nötig ist, wenn gelegentlich ein Foto für mehr als für flickr aufbereitet werden soll.

Powershot G9: Deutlich grösser als die Ixus 70
Canon Powershot G9 im Grössenvergleich mit der Ixus 70 (vorne): vor allem aber das Gewicht der G9 wird mehr als spürbar.

Mit JPGs ist das ein Ding der Unmöglichkeit, wie wir es in diesem Text über RAW bereits erklärt haben: Der Kameraprozessor muss, um Bilder in diesem komprimierten Format auszugeben, unzählige Kompromisse eingehen. Der gravierendste ist die Reduktion auf 256 Helligkeitswerte: Dabei werden namentlich in den Grenzbereichen von ganz Hell und ganz Dunkel Informationen unwiderbringlich aus dem Bild gelöscht, die in einer RAW-Datei vorhanden sind und mit der Bearbeitungssoftware leicht hervorgeholt werden können.

Es gibt weitere Kriterien, die für einen ernsthaften Fotografen beim Evaluieren einer Kompakten eine Rolle spielen könnten – und die Canon Powershot erfüllt viele:

Sie hat

  • weitgehende manuelle Einstellmöglichkeiten
  • einen optischen Sucher
  • einen Blitzschuh für externe Blitzgeräte
  • einen optischen Bildstabilisator
  • ein Live-Histogramm auf dem Sucher-Monitor
  • vernünftig emfindliches Objektiv von 35mm bis 200 (KB-äquivalent) mit 1:2.8 und 1:4.8
  • ISO 80 bis 1600

Die 12 Megapixel Auflösung auf einem 1/1,7-Zoll-Sensor sind zwar immer noch radikal übertrieben, wenn man auf die Experten hört, die für diese Sensorgrösse nicht mehr als ca 5Megapixel empfehlen, um eine akzeptable Lichtempfindlichkeit zu erreichen. Aber zumindest vorderhand muss Canon ja wohl den Megapixelwahn mitmachen. Mir wären allerdings ehrlich gesagt in der Powershot G9 6 Megapixel und dafür die doppelte Empfindlichkeit sehr viel lieber gewesen.

Auf die fotografischen Eigenschaften komme ich in einem zweiten Teil zurück. Ich will hier mehr auf das Handling der G9 Powershot eingehen.

Es ist, ehrlich gesagt, enttäuschend. Zum einen ist die Kamera, obwohl sie der Klasse der Kompakten zugehört, nicht wirklich ein kleines Leichtgewicht. Sie passt zwar in die Brusttasche meines T-Shirts – aber nur knapp, vor allem aber zieht sie es mit ihrem satten Gewicht von gegen 400 Gramm mit Akku sofort in die Länge. Dies ist definitiv keine Kamera für die Gesässtasche der Jeans. Und damit ist leider ein wichtiger Teil ihrer Aufgabe – ein kleiner, leichter Ersatz für meine grosse Spiegelreflex zu sein – bereits dahin.

Kommt hinzu, dass der optische Sucher praktisch unbrauchbar ist. Ich habe nur einige wenige Aufnahmen damit versucht zu machen – eine vernünftige Bildkomposition ist kaum möglich, an eine manuelle Scharfstellung ist nicht zu denken.

Die funktioniert dank simuliertem Schnittbild-Indikator auf dem mit seinen 3 Zoll grossen Display wunderbaren Monitor wesentlich besser. Persönlich kann ich aber auch damit kaum umgehen.

Der eingebaute Blitz ist verhältnismässig schwach und nicht mit dem in einer Spiegelreflex zu vergleichen; der aufgesetzte Nikon-Blitz funktionierte mit manuellen Einstellungen akzeptabel – ein Canon-Zubehör-Blitz wäre wohl angesagt.

Speicherkarte voll: Das kriegt man nach einem Bild bei 12MP und mit einer 32MB-Karte
Das Live-Historgramm der Canon Powershot G9 ist definitiv hilfreich. Die der Kamera beiliegende 32MB-SD-Karte ist mit einer einzigen Aufnahme – in unkomprimiertem RAW – voll. Eine vernünftige Kartengrösse oder wenigstens der Verzicht auf solche Müll-Produktion wäre erfreulich.

Angenehm ist die Idee, zwei Einschaltknöpfe in die Kamera einzubauen: Einen, mit dem sie im Abspiel-Modus gestartet wird und das Objektiv nicht ausfährt, den andern für den Aufnahmemodus. Ein Umschalten vom Aufnahme- in den Abspielmodus hat indes nicht das Einfahren des Objektivs zur Folge.

Insgesamt war die Haptik der Powershot G9 eine Enttäuschung: der rechteckige Klotz will einfach nicht richtig in der Hand liegen, und die Bedienelemente mit dem Auswahlrad rechts vom Monitor, über das die meisten Funktionen mit allerdings dedizierten Funktionsknöpfen (was ich sehr schätze) gesteuert werden, lässt ausser dem typischen weit-weggestreckten-Kamera-Live-View-Modus nicht viel anderes zu.

Aber solange die Bilder besser sind als die „normaler“ Komapktkameras, könnte man das ja durchaus in Kauf nehmen. Ich komme im zweiten Testbericht mit vielen Bildern darauf zurück.

7 Kommentare
  1. MaikD sagte:

    Richtig.

    Oder man macht es wie andere Hersteller und baut die 32MB als internen Speicher ein. Dann muss man Ihn wenigstens nicht wegwerfen, wenn man eine größere Karte steckt.

    Antworten
  2. bender sagte:

    Dieser Kamera mit einer 32MB Karte auszuliefern ist wirklich eine Frechheit. Bei mir haben sich mittlerweile einige dieser unbrauchbaren Karten angesammelt. Wann lernen die Hersteller eine „anständige“ Karte beizulegen – oder wahlweise gar keine.

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