Kevin Connolly: Der Fotograf ohne Beine

Kevin Connolly aus dem US-Bundesstaat Montana wurde ohne Beine geboren. Viele Jahre nahm er die zahllosen Blicke hin, dann knipste er zurück. So entstand die „Rolling Exhibition“.

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Das Titelbild von Kevin Conollys Website mit seiner „Rolling Exhibition“

Connolly bereiste 15 Länder, 31 Städte und machte 32 000 Fotos. Sie zeigen den immer gleichen Blick auf den Mann ohne Beine. Viele der Bilder entstanden in Europa. Connolly rollte zum Beispiel durch Paris oder Wien – auf seinem Skateboard.

Kevin Connolly kam 1985 ohne Beine auf diese Welt. Ansonsten war er ein gesundes Baby, wie er schreibt und wuchs wie alle anderen Kinder Montanas auf: Er machte sich schmutzig, rannte durch die Wälder und wurde dabei noch schmutziger. Mit 20 fing er an, Skateboard zu fahren und Fotos zu machen. Das Reisen in fremde Länder entdeckte er 2006 mit einem Studienaufenthalt in Neuseeland. Gerade wieder zuhause angekommen, knipste er sein erstes Foto von dem, was zur „Rolling Exhibition“ werden sollte. Wer oder was die „rollende Ausstellung“ ist, das ist durchaus zweiseitig gemeint.

In Neuseeland habe ihn ein kleiner Junge gefragt, ob seine Beine von einem Hai gefressen worden wären. In Rumänien habe ihn eine ältere Dame angesprochen und gefragt, ob er seine Beine bei einem Autounfall verloren habe. In einer Bar in Montana schließlich fragte ihn der Patron, ob er noch immer seine Erkennungsmarke aus dem Irak-Krieg tragen würde.

„Jeder versucht, sich in seinem Kopf eine Geschichte vorzustellen, um mit verwirrenden Dingen klarzukommen“, sagt Kevin Connolly. Aus dem gleichen Grund wollten die Menschen wissen, wie ein Zaubetrick funktioniert oder wie eine Erzählung am Ende ausgeht. „Jeder macht das. Das ist ganz normal. Das ist einfach Neugierde“, meint Connolly: Es sei eher ein Reflex als bewusste Aktion. Genau deshalb starrten die Menschen ihn an und fragten sich nach den Gründen seiner Behinderung: Eine Krankheit? Ein Geburtsfehler? Eine Landmine?

Kevin Conolly: Mann und Hund in Paris
Man and Dog: Paris

Weil er die Reaktionen von Passanten (und Hunden) für ganz normal hält, blickt Kevin Connolly keineswegs böse auf die Menschen, die ihn anstarren. In jedem Gesicht entdecke er die Menschlichkeit, sagt er. Beim Rollen durch die Straßen fand Connolly, was den Menschen einzigartig und individuell macht. Seine Bilder spiegeln das wider.

Kevin lebt als Fotograf und professioneller Skifahrer in Bozeman, Montana. Wer mehr über seine Entdeckungen erfahren will, ist zu einem Besuch auf seinen Webseiten eingeladen.

The Rolling Exhibition

Kevin Michael Connolly

1 Antwort
  1. Ulla sagte:

    Grosses Kino von Kevin;-) Habe grade ein Bericht über ihn im Fernsehn gesehen und bin hin und weg von diesem Mann.Da ich selber einige Zeit von jetzt auf gleich im Rollstuhl saß, kann ich es gut nachvollziehen und es ist so.Menschen schauen merkwürdig auf Menschen die eine Behinderung haben und das bedarf schon einiges an Selbstbewusstsein um dies auszuhalten.Ich weiß noch wie heute als mein Sohn sagte:,, Mama es macht mir nichts aus dass ich dich im Rollstuhl durch die Gegend fahre aber die Blicke der Leute sind blöd!“Nein, nicht nur er hat es so gesehen auch mein Mann und Freunde haben es so empfunden.Ich würde mir für alle Menschen wünschen die eine Behinderung haben ob sofort sichtbar oder nicht mehr Respekt und normaler Umgang. Denn ob man so gebohren wurde oder passiert ist durch Krankheit oder Unfall es kann jeden treffen von jetzt auf gleich dass man auf einmal ein Handicap hat.Nochmals Hut ab vor diesem Kevin!!!

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