Stefan Heyne: Die Erziehung zur Unschärfe

„The Noise – Die Belichtung des Ungewissen“ – unter diesem Ausstellungstitel zeigt der Kunstraum Potsdam bis 23. März die Arbeiten Stefan Heynes.

Stefan Heyne: Kantine
Stefan Heyne: Kantine

Kann der Fotograf seine Linse nicht scharf stellen? Sind diese schemenhaften Flächen Wände, Möbel oder Häuser? Die Anhaltspunkte in Stefan Heynes Fotografien sind spärlich, die Unschärfe dominiert. Nichts für den schnellen Blick: Erst im ruhigen, langen Betrachten erschließen sich die Bildkompositionen. Ein Rest Unklarheit bleibt bestehen.

„Erziehung zur Unschärfe“ lautet der Titel des lesenswerten Interviews, das die Kunsthistorikerin und Kuratorin der Brotfabrik Galerie Berlin, Petra Schröck, mit ihm geführt hat. Darin schildert Heyne, wie er dazu kam, wie er arbeitet und was diese Bilder für ihn bedeuten. Ein kurzer Auszug:

Was mir immer wieder auffällt ist die Zeitlosigkeit, der zeitlose Charakter Deiner Arbeiten ganz im Gegensatz zur fotografischen Intention des Dokumentarischen, den Moment einzufangen.

Technisch gesehen ist es ja auch etwas sehr Momenthaftes, was ich mache, eben eine sechzigstel Sekunde z.B. Ich überführe diesen Moment in etwas für mich endgültiges. Im Grunde genommen ist es eine Umkehrung vom Schnappschuss. Das gelingt nur dann, wenn das Was und das Wie untrennbar miteinander verbunden sind. Also ich fotografiere einen Tisch. Wie ich ihn fotografiere, muss am Ende untrennbar sein von diesem Tisch.

Also Du kannst ihn nur so fotografieren und nicht anders?

Ja. Das ist dann so nach den langen Auswahlprozessen. Quasi die Essenz des Tisches. Genau.

Und dieser Tisch ist damit abgeschlossen?

Erstmal schon, aber ich kann ja nicht vorausschauen. So weit bin ich bis heute damit gekommen.

Wie ist das eigentlich mit der Unschärfe, wie ist sie entstanden?

Es ist beim Machen, beim Fotografieren entstanden. Ich fand immer mehr, daß ich nur so das Wesentliche bekommen kann. Also durch die Oberfläche hindurch, mir war die Fotografie im wahrsten Sinne des Wortes zu oberflächlich. Schwer ist es dabei, das es eine Kraft bekommt, also das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich habe nur diese einfache Fläche und diese vier Ecken. Dazwischen muss sich alles abspielen. Mehr ist ja nicht da und es ist natürlich nur so viel, wie da stattfindet. Es zählt noch nie, was du vorhattest. Letzendlich muß ich das Bild entlassen und es muß alleine klarkommen.

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Stefan Heyne: Boote

Die Bilder von Stefan Heyne kann man als radikal fotografisch bezeichnen, so der Kunstraum Potsdam zur Ausstellung: Weil sie den spezifischen fotografischen Kern des Mediums freilegen – also die Reflexion des Lichts aufzeichnen. Die Trennung in Vorder- und Hintergrund sowie die Größenverhältnisse sind aufgehoben, ein Horizont oder Lichtquellen sind selten auszumachen. Die Bilder sind herausgefallen aus Raum und Zeit. Stefan Heyne stellt somit klar, dass die Fotografie – allem Anschein zum Trotz – ungeeignet ist, präzise Informationen von der Realität zu übermitteln.

Stefan Heyne, geboren 1965 in Brandenburg/Havel, studierte von 1987 bis 1992 an der Kunsthochschule Berlin. Seit 2002 konzentriert er sich auf seine fotografische Arbeit. Auf Heynes Webseite finden wir eine Auswahl seiner Bilder.

Stefan Heyne: The Noise – Die Belichtung des Ungewissen
Kunstraum Potsdam, bis 23. März.

Schiffbauergasse 6, 14467 Potsdam
Tel. 0331-271 56-30
Geöffnet Mittwoch bis Freitag von 12 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr

Kunstraum Potsdam

Stefan Heyne

Das zitierte Interview mit Heyne

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