Ken Burns: Technik-Pionier, Doku-Filmer

Ken Burns ist hauptsächlich für den nach ihm benannten Effekt bekannt, Still-Fotos langsam über einen Videobildschirm wandern zu lassen und dabei gleichzeitig zu zoomen, um so einen Kameraschwenk einer Videokamera zu simulieren. Doch Burns ist primär Dokumentarfilmer. Eine 14-teilige Reihe über den II. Weltkrieg („The War“) kommt ab 5. März ins deutsche Fernsehen.

KenBurns
Ken Burns (Bild: dbking, CC)

Der sogenannte Ken-Burns-Effekt ist in vielen Videoschnittprogrammen wie Apples iMovie integriert und daher mittlerweile schon etwas abgelutscht: Eine Kamera scheint über eine Landschaft, über eine Szene zu schwenken und einzelne Details heranzuzoomen. Doch eigentlich wird eine Fotografie entsprechend in ein Videobild eingeblendet.

Da Fotos eine weit höhere Auflösung haben als heutige Fensehbilder – bei HDTV könnte es irgendwann anders aussehen – ist es technisch kein Problem, in eine Fotografie hineinzuzoomen, ohne daß dies auffällt, insbesondere bei direkter digitaler Bearbeitung.

Geboren wurde diese Technik von Burns aus der Not: wie sollte er bewegte Bilder von historischen Ereignissen schaffen, von denen es nur statische Fotografien gibt? Der Burns-Effekt ahmt dabei typische TV-Kameraschwenks und -zooms nach und wirkt interessanter als die reine statische Diawiedergabe.

The War 5: Ein Scheiß-Krieg
The War (5/14): Im November 1943 nehmen die US-amerikanischen Marines das winzige Pazifikatoll Tarawa ein, allerdings zu einem sehr hohen Preis. (Bild: Arte TV / U.S. National Archives and Records Administration)

Allerdings führt er bei Digital-TV auch unnötigerweise dazu, daß das Bild nie wirklich scharf dargestellt wird, wenn die Bewegung nicht irgendwann zur Ruhe kommt. Bei vielen Anwendern des Effekts ist dies leider so, sie scheinen Angst zu haben, daß ihnen der Zuschauer einschläft, wenn das Bild mal eine Sekunde stillsteht.

Burns hat seit 1981 („Brooklyn Bridge“ – oscarnominiert) bis heute knapp 20 große Dokumentationen erstellt, die völlig aus dem üblichen Rahmen für Spielfilme fallen und eher zu Serien wie „Heimat“ passen.

The War 6: Der tödliche Ruf
The War (6/14): Amerikanische und britische Truppen sitzen monatelang in Anzio fest, während das Gemetzel um die Bergfestung Monte Cassino andauert. (Bild: Arte TV / U.S. National Archives and Records Administration)

Die letzte, „The War“, wurde 2007 fertiggestellt und besteht aus insgesamt 14 Teilen von je 52 Minuten Länge.

Dabei zeigt Burns den II. Weltkrieg aus der Sicht von vier US-amerikanischen Städten: Sacramento/Kalifornien, Waterbury/Connecticut, Luverne/Minnesota, Mobile/Alabama, und zwar nicht aus der Sicht der „Großen“, sondern der einfachen Leute, die er dazu interviewt hat.

The War 9: Voll in der Scheiße
The War (9/14): Deutschland, Dezember 1944 (Bild: Arte TV / National Archives)

Burns gilt als vierter großer US-Dokumentarfilmer, neben Michael Moore, Frederick Wiseman und Errol Morris. Und natürlich wird auch in „The War“ der nach ihm benutzte Effekt zu sehen sein – aber keine Sorge, nicht die gesamten fast 14 Stunden lang.

Gesendet wird „The War“ auf Arte TV, beginnend am 5. März 2008 um 21 Uhr. Jeweils mittwochs werden dann bis zum 16. April zwei Folgen hintereinander ausgestrahlt.

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  2. […] Studio:Die “Extreme Photo Edition” von Pinnacle 11 bietet neben anderen den als Ken-Burns-Effekt bekannten Schwenk der virtuellen Video-Kamera über ein höher auflösendes Foto. Dabei kann die […]

  3. […] arme Ken Burns wurde wieder einmal bis zum Abwinken mißbraucht. Seine Technik, Fotos “abzufilmen”, […]

  4. […] Zweitens sind die Ergebnisse nicht nur kaum 3D sondern ziemlich enttäuschend und erinnern eher an einen ganz gewöhnlichen, nur extrem hektischen Ken-Burns-Effekt. […]

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