Bettina Rheims: Glamour, Hochglanz und Klischee

Das Berliner C/O stellt seit 8. März Bettina Rheims aus: „Can You Find Happiness“ lautet der Ausstellungstitel – eine Frage ohne Fragezeichen.

Rheims_Gina-and-Elisabethw.jpg
Bettina Rheims: Gina and Elisabeth kissing, Mars 1995 . Los Angeles

Glatte Oberfläche, pure Attitüde, eingefrorene Posen, erstarrte Gesten – Bettina Rheims perfekt inszenierte Fotografien spielen mit dem Klischee der Verführung und der Illusion des Glamours, so das Berliner C/O. Die 95 Bilder aus insgesamt acht Serien sind erstmals in Berlin zu sehen – drei Serien davon sogar erstmals weltweit.

Die Französin Bettina Rheims, Jahrgang 1952, stellt Intimität zur Schau. Nackte Frauen als Lustobjekt mit erigierten Brustwarzen, rasiertem Schamhaar, in obszönen Stellungen. Die Aufnahmen sind gewagt, jedoch nicht lüstern oder vulgär. Bettina Rheims spielt mit gängigen Vorstellungen von Schönheit und Glamour und macht Wunden sichtbar. Die Frauen wirken unperfekt, verletzlich und gerade in ihrer Verletzlichkeit souverän und selbstbewusst.

Rheims_Karolina-Kurkovaw.jpg
Bettina Rheims: Karolina Kurkova – the most beautiful girl in town, De?cembre 2001

Bettina Rheims inszeniert die Frauen vor der Kamera nicht allein, sondern die Porträtierten sich vielmehr selbst. So entsteht zwischen den künstlichen Posen und Parodien von Posen ein freier Spielraum, der trotz der Hochglanzästhetik zu einer Authentizität führt. «Die nackte Haut ist wie eine leere Seite, auf der noch niemand etwas geschrieben hat. Wenn Modells zu mir kommen, legen sie alles ab: Kleidung, Herkunft, Geschichte, ihren guten oder ihren schlechten Geschmack“, sagt Bettina Rheims. In den makellosen Kompositionen mit klassischem Aufbau, perfekten Linien und einer totalen Beherrschung des Sujets, entstehen so neue Geschichten, die sich oft bekannte Bilder aus der Kunstgeschichte zitieren.

Bettina Rheims arbeitete in jungen Jahren als Mannequin. 1978 begann sie zu fotografieren – ihre ersten Modelle waren Pariser Stripperinnen. Das Thema des weiblichen Körpers in erotischen und voyeuristischen Situationen zieht sich seither durch ihr ganzes Werk. Sie arbeitete für Modemagazine, Plattenfirmen und Werbeagenturen und hat unter anderem Madonna, Claudia Schiffer und Milla Jovovitch porträtiert sowie Kate Moss entdeckt. Neben Auftragsarbeiten geht Bettina Rheims freien, künstlerischen Projekten nach. 1995 erhielt Bettina Rheims den Auftrag, das offizielle Porträt des neu gewählten Präsidenten von Frankreich, Jacques Chirac, anzufertigen.

Bettina Rheims: Can You Find Happiness
C/O Berlin im Postfuhramt, bis 11. Mai
Oranienburger Straße / Tucholskystraße, 10117 Berlin
Geöffnet Montag bis Sonntag 11 bis 20 Uhr

C/O Berlin

Bettina Rheims bei Wiki

Eine Bildergalerie bei Art-Forum.org

2 Kommentare

Trackbacks & Pingbacks

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.