Hasselblad-Preis 2008 – Graciela Iturbide: Die Poetin aus Mexiko

Graciela Iturbide erhält den Hasselblad-Preis 2008, eine der weltweit bedeutendsten Auszeichnungen für Fotografie. Die Jury der schwedischen Stiftung hält die Mexikanerin für die wichtigste und einflussreichste lateinamerikanische Fotografin der letzten vier Jahrzehnte.

Graciela Iturbide hasselblad-Preis
Graciela Iturbide: Selbstporträt mit Fisch, Pachuca, 1996

Graciela Iturbides Fotografie sei von höchster visueller Kraft und Schönheit, so urteilte die internationale Jury der Hasselblad-Stiftung.

Der Preis wird der 65-Jährigen am 25. Oktober in Stockholm feierlich übergeben werden, wie am 6. März bekannt gegeben wurde.

Graciela Iturbide wurde 1942 in Mexiko-City geboren. 1969 begann sie mit einem Film-Studium und an der Universität traf sie den auch in Europa berühmten Fotografen Manuel Àlvarez Bravo. Sie wurde seine Assistentin, Mitarbeiterin und die Freundschaft der beiden dauerte bis zu Àlvarez Bravos Tod. Er starb 2002 im Alter von 100 Jahren.


iturbide_birds.jpg
Graciela Iturbide: Vögel über dem Highway, 1999

Graciela Iturbides erstes veröffentlichtes Fotoprojekt erschien 1981 – sie dokumentierte das Leben der Seri-Indianer in der Sonora-Wüste. So verlief auch ihre fotografische Entwicklung: Sie begann mit dokumentarischen Arbeit und entwickelte diese weiter bis hin zu surrealistischen Untertönen. Dann wandte sie sich geometrischen und abstrakten Landschaftsformen zu. Ihr jüngstes Werk kombiniert diese beiden Tendenzen auf eine sehr poetische Art und Weise: Iturbides Arbeiten seien ganz von dieser visuellen Poesie und Magie bestimmt, findet die Hasselblad-Jury. Mit ihren Selbstporträts, den Bildern von einheimischen Pflanzen und von Vögeln habe sie sich ihre ganz eigene und starke Bildsprache geschaffen.

iturbide_kahlo_3.jpg
Graciela Iturbide: Haus von Frida Kahlo, 2007

Eines ihrer wichtigsten jüngsten Projekte war die Dokumentation des bisher verschlossenen heiligen Inneren im Haus der Malerin Frida Kahlo. Für Graciela Iturbide wurden exklusiv zwei Räume geöffnet, die 50 Jahre lang auf Wunsch Kahlos und ihres Lebensgefährten, des Dichters Diego Rivera, verschlossen geblieben sind. Zur Zeit arbeitet Iturbide an einem Fabel-Buch für Kinder und Erwachsene, das dieses Jahr im Göttinger Steidl-Verlag erscheinen soll.

Mit der Preisverleihung am 25. Oktober in Göteborg wird im dortigen Hasselblad-Zentrum auch eine Ausstellung eröffnet. Auf der Seite der Hasselblad-Stiftung ist eine Reihe von Iturbides Bildern zu sehen. Bei Wiki gibt’s eine Reihe von weiteren Informationen zur mexikanischen Fotografin und auch Links zu Bildergalerien.

Hasselblad-Stiftung (englisch)

Graciela Iturbide bei Wiki

Manuel Àlvarez Bravo

Frida Kahlo

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Schließlich ist es Graciela Iturbide, die im Jahr 2006 als erste das Bad der Malerin Frida Kahlo betreten darf, das Diego Rivera, Kahlos Ehemann, 1954 nach ihrem Tod hatte schließen lassen. Sie tut dies im Bewusstsein um die Verehrung dieser Ikone der mexikanischen Kunst. Durch ihre Sicht auf den jahrelang geschlossenen und unveränderten Raumes und ihren Dialog mit den Objekten und dem Werk der Malerin Frida Kahlo erschließt sich Graciela Iturbide einen eigenen Zugang. Über die Verleihung des Hasselblad-Preises an Graciela Iturbide haben wir auf fokussiert.com seinerzeit berichtet: Die Poetin aus Mexiko. […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.