Canon Ixus 860 IS im Test (2/2) – Zittern ist out, Weitwinkel in

Canons Ixus 870 IS ist eine typische Kompaktknipsbox. Die manuellen Einstellmöglichkeiten sind stark beschränkt, die Schärfentiefe ist durchwegs hoch. Aber ihr Weitwinkel-Tele und der hervorragende Bildstabilisator ermöglichen dennoch mehr kompositorische Freiheit als viele andere Kompakte.

Die Models warten ungeduldig
Canon Ixus 870 IS-Test: Die Modelle warten ungeduldig aufs Shooting. „Manueller Modus“, ISO 200, 1/4s (!), f5.6, 14.7mm (90mm KB).

Alle folgenden Bilder sind unveränderte Aufnahmen aus der Ixus 860 IS (US-Modell: Powershot 870 IS), verkleinert auf 800Pixel Kantenlänge. Alle Fotos: PS/fokussiert.com

„Am Ende hängt immer noch alles von zwei Dingen ab: Verschlusszeit und Blende“, hat mir ein Foto-Seminarleiter vor ein paar Jahren erklärt. Das ist vielleicht richtig – aber just diese beiden Grössen lassen sich schon lange nicht mehr an jeder Kamera einstellen – auch nicht an der Ixus 860 IS:

Sie hat zwar einen sogenannten „Manuellen Modus“, der erlaubt aber lediglich Einstellungen von Belichtungskorrektur, Weissabgleich, Farbkorrektur, Belichtungsmodus und Bildqualität. Einen Zeit- oder Blendenautomatikmodus sucht man vergebens – wie überhaupt eine Möglichkeit, diese Werte manuell zu wählen. Vor und nach einer Aufnahme werden beide zwar angezeigt – aber der Fotograf hat gemäss Handbuch keine Möglichkeit, sie zu beeinflussen.

Blüten Makro Ixus 860 ISixus 860 is, Blüten
Ixus 860 IS, zweimal mit Blende 2.8: Links im Makro-Modus, rechts normales Tele mit 105mm KB-äquivalent.

Immerhin lassen sich der automatische Blitz und die ISO-Zahl wählen. Schliesslich verfügt die Ixus 870 IS über einen Normal-, einen Makro- und einen „Unendlich“-Modus. Ausserdem lassen sich Belichtungseinstellung und Fokus separat speichern (AF-Lock/AE-Lock) – ohne dieses Feature würde eine Bildkomposition mit Spotmessung und Motiv ausserhalb des Zentrums verunmöglicht: Die Ixus bietet Spotmessung nur im Zentrum des Bildausschnitts.

ixus 860 is Innenaufnahme ohne Blitzixus 860 is Microsaoft Surface
Innenaufnahmen mit der Ixus 860 IS ohne Blitz, Belichtung gemessen auf dem (leuchtenden) Microsoft-Computertisch „Surface“: Beide Aufnahmen erfolgten aus der Hand bei ISO 400, links mit 1/20s, rechts mit 1/13s: Der Bildstabilisator machts möglich!

Über die Szenenprogramme der Ixus muss man an dieser Stelle nicht viele Worte verlieren: Hersteller wie Canon verstehen es inzwischen, die Elektronik auf typische Situationen zu trimmen. Wer vor allem Erinnerungsbilder schiesst, tut gut daran, den Wählschalter auf der Kameraoberseite auf „Szene“ zu stellen und vor jeder Aufnahme mit dem „function“-Knopf die richtige Bildart auszuwählen.

Canon ixus 860 IS, Stow lakeixus 860 IS Stow Lake Szenenprogramm Laub
Stow Lake aus Sicht der Canon Ixus 860 IS: Links manuell mit ISO 200, 28mm (KB), f/2.8 und 1/80s; rechts mit dem Szenenprogramm „Belaubung“, ISO 80 und unterdrücktem Blitz bei f/2.8 und 1/15s. Links hat der Himmel noch Zeichnung, rechts ist das Wasser richtig belichtet.

Mir schwebt zwar ein bisschen mehr vor, aber ich kann mir vorstellen, dass ich aus der Not (keine Blendenwahl) eine Tugend mache und inskünftig bei gewissen Aufnahmen durchaus auf die Szenenprogramme zurückgreifen were – beispielsweise „Porträt“, wenn ich gerne mit grosser Blende fotografieren würde. Wobei die Ixus bei manuellen Aufnahmen offenbar grundsätzlich den kleinstmöglichen Blendenwert vorgibt, da der Blitz konsequent ausgeschaltet blieb. Zugleich haben mich die ersten Testbilder davon überzeugt, den ISO-Wert nur im äussersten Notfall auf 400 oder mehr zu stellen.

Auch darüber muss man eigentlich nicht mehr viele Worte verlieren: die 1:2.5-Zoll-Sensoren sorgen für viel zu viel Rauschen, als dass höhere ISO-Werte brauchbare Fotos liefern könnten.

ixus 860 IS Weitwinkel Langzeitaufnahme ohne Blitzixus 860 IS Mit Blitz
Langzeitaufnahmen ab Stativ (1 Sekunde), links ohne Blitz, rechts mit Langzeit-Blitzsynchronisation: Moderate Blitzunterstützung. Die stürzenden Linien des Weitwinkels sind nicht zu übersehen.

Den Blitz habe ich hingegen das eine oder andere Mal ausprobiert, und die kleine Ixus 870 IS hat mich mit wohldosierten Resultaten überzeugt. Zumindest für das Fotoalbum lassen sich damit durchaus brauchbare Bilder schiessen.

Zumindest wenn sich das Motiv nicht bewegt, kann man aber getrost auf den Flash verzichten und bis zu langen Belichtungszeiten auch aus der Hand fotografieren – Weitwinkel und Bildstabilisator sei Dank.

Überhaupt, der Weitwinkel: Nachdem dank des Crop-Faktors der kleinen Sensoren Superzooms mit Fernrohr-Versprechungen zu Hauf auf den Markt geworfen werden, ist das 28mm-KB-Äquivalent der Ixus 870 eine wahre Wohltat.

Ixus 860 IS Gänse
Näher wollte mich der Gänserich nicht ranlassen: Stativaufnahme mit 28mm (KB), 1/10s, ISO 200, Blende 2.8.

Man könnte sich mit der Kleinen also die Regel vieler berühmter Fotografen zum Grundsatz machen, möglichst nah ans Motiv herangehen und mit dem Weitwinkel die Komposition bestimmen. Das habe ich unter anderem am Stowe Lake im Golden Gate Park mit den beiden Models versucht, (allerdings mit der Kamera auf einem Stativ, das ich über 20 Minuten hinweg alle paar Momente etwas näher an die beiden Kanada-Gänse herangeschoben und den Selbstauslöser betätigt habe – bis der Gänserich nicht mehr nur gelegentlich, sondern konstant zu knurren anfing).

Auf einen Sucher wollte ich bisher zwar schon aus Energiegründen nicht verzichten, denn der Monitor saugt doch heftig an der Batterie und könnte den Fotospass auf der Bergwanderung zu früh beenden. Die Canon Ixus 870 IS hat mich allerdings eines besseren belehrt:

1. Ist der LCD-Monitor inzwischen offenbar weit weniger gefrässig als etwa der Blitz,

2. ist die Blickwinkelabhängigkeit inzwischen dermassen gering, dass sich auch Fotos mit sehr unkonventioneller Kamerahaltung (am Boden, im Gebüsch – siehe Beispiel) möglich sind.

Letzterer Punkt animiert zu Spielereien, die mit der Spiegelreflex nicht oder nur schwer möglich sind – wie dieses Enten-Versteckspiel.

Ixus 860 IS Ente
Ixus 860 IS als Entenfalle: Hätte ich etwas Brot dabeigehabt, wärs ein nettes Porträt auf Augenhöhe geworden. Die entsprechenden Aufnahmen kamen zwar zustande, sind aber alle unscharf – es war schon ziemlich dunkel.

Von den Software-Spielereien, welche die meisten Kompakten heute mitbringen, sei der Farb-Austauschmodus erwähnt. Theoretisch eine simple Funktion (man wählt in einem kleinen Zielfenster eine Farbe vom Motiv und in einem zweiten die Austausch-Farbe – bei der Aufnahme wird die erste durch die Zweite Farbe ausgetauscht) und neben Gag-Fotos vielleicht gelegentlich nützlich, wenn man sich ein Bild von einem Auto in einer andern Farbe machen möchte – ist die Funktion in der Praxis zwar ein paar mal witzig, aber mehr nicht.

ixus 860 IS Farbtausch
Einmal Farbe wechseln, bitte: Die Ixus 860 IS macht Schlümpfe. Hautfarbe auswählen, durch Jeans-Farbe vertauschen lassen, fertig geschlumpft.

Eine (kleine) Scheibe abschneiden könnte sich so mancher SLR-Hersteller endlich von der Multimedia-Fähigkeit der Kompakten. Nicht vom Video-Modus, aber die Möglichkeit, Audio-Memos zu jedem Bild aufzuzeichnen, käme mir unterwegs mit der „Grossen“ doch immer mal wieder sehr zugute.

Alles in allem erscheint mir die Ixus 860 IS als eine runde Sache, die sämtliche Foto-Bedürfnisse von Familien abdeckt und dabei dank hervorragend platzierten Steuerelementen und Knöpfen verschiedenen Ansprüchen gerecht wird. Mit einer Ausnahme: Der Bildstabi hätte einen eigenen Schalter statt nur eines Menüpunkts verdient. Wohl werden ihn die wenigsten Käufer überhaupt je ausschalten – aber spätestens beim Einsatz eines Stativs sollte man das tun – oder aber das Dreibein bewirkt das Gegenteil dessen, was es soll.

Ixus 860 IS Regen über Alcatraz
Etwas gar dramatisch, der Regen über Alcatraz: Die Belichtung erfolgte auf den (nicht besonders hellen) Wolkenhimmel. In Tat und Wahrheit handelte es sich um einen sonnig- bewölkten Abend. Die Ixus 860 IS belichtet aber wohl auf der ganz sicheren Seite: lieber -unter als -über.

Mir wird sie unterwegs dank extrem kleinen Abmessungen und tiefem Gewicht die Möglichkeit bieten, Dinge zu dokumentieren und einmalige Gelegenheiten nicht ungenutzt verstreichen zu lassen – auch wenn die 8 Megapixel-Fotos kaum zu sehr viel mehr als A4-Vergrösserungen taugen.

Mit andern Worten: Zum immer Dabeihaben ist die Ixus ausreichend, und wenn ich dabei kreativ werden will, dürfte es sich in den meisten Fällen um Weitwinkel-Kompositionen handeln. Aber auf einen Ausflug, der mit Sicherheit längere Fotostopps enthalten wird, kommt auf jeden Fall die Spielreflex mit.

Erster Bericht Test Ixus 860 IS

(Originaldateien einiger Fotos zum Download folgen am Dienstag)

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  1. […] haben wir die Ixus 860 IS drüben auf fokussiert.com unter die Lupe genommen und uns über den Weitwinkel gefreut, da bringt Canon eine weitere neue […]

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