FotoGrafia Roma: Normalität sehen, Alltag erzählen

Die Normalität sehen und vom Alltag erzählen – dieses Motto wählte sich die FotoGrafia Roma, die am 4. April beginnt.

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Leonie Purchas – aus: In the Shadow of Things

Das siebte internationale Fotofestival in Rom – die FotoGrafia – ist bis 25. Mai Anziehungspunkt der italienischen Fotowelt. „Die Normalität sehen. Die Fotografie erzählt den Alltag“ – ein bisschen scheint das Thema auch auf den aktuell wenig erfreulichen politischen Zustand des Landes hinzuweisen, das wieder einmal vor Neuwahlen steht. Der künstlerische Leiter der FotoGrafia, Marco Delogu, will jedenfalls damit sagen:

„Die Fotografie ist für uns das bessere Instrument für eine Beschreibung des Alltagslebens“ – auch im Kontrast zwischen der „Normalität“ und dem „Außergewöhnlichen“.

Das Herz der FotoGrafia,mit unübersichtlich vielen Ausstellungen und Veranstaltungen, ist der Palazzo delle Esposizioni mit der Ausstellung dreier junger Fotografen – alle in den siebziger Jahren auf die Welt gekommen: Leonie Purchas, Paolo Woods und Lucia Nimcova .

Leonie Purchas beschäftigt sich über viele Jahre mit dem Leben von Familien an vielen Orten dieser Welt – sei es in Paris, Kuba oder London. In Rom zeigt sie eine Untersuchung über ihre eigene Familie – über das Leben ihrer Mutter, die nach der Scheidung ein neues Leben begonnen hatte und damit wenig zurecht kam. Das oben gezeigte Bild aus „In the Shadow of Things“ wurde auch zum Plakatmotiv der FotoGrafia. Leonie Purchas zeigt uns auf ihrer Website einen Überblick über diese Familien-Arbeiten.

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Paolo Woods – aus: Il Far West Cinese

Paolo Woods, mit kanadischen und holländischen Wurzeln in Amsterdam geboren und in Italien aufgewachsen, arbeitet als Fotoreporter für alle bekannten Magazine der Welt. Er ist einer der jüngeren Fotojournalisten nach dem Vorbild von Capa oder Nachtwey und bereits Preisträger des World Press Photo-Wettbewerbs.

In Rom zeigt er seine Reportage über die wirtschaftlichen Aktivitäten der Chinesen in Afrika. Die Bilder legen eine kaum bemerkte Etappe der Globalisierung offen, die wohl an europäische Kolonialzeiten erinnert. Afrika ist der Wilde Westen Chinas – so lautet auch der Titel der Ausstellung: Il Far West Cinese.

Diese seltenen Bilder werden von Peking nicht gern gesehen, aber das wundert wohl niemanden. Einige seiner Reportagen insbesonders aus Afghanistan und dem Irak zeigt Paolo Woods auf seiner Website. Hier müssten sich die USA auf den Schlips getreten fühlen.

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Lucia Nimcova – aus: Unofficial

Lucia Nimcova stammt aus der Slowakei. Ihre Themen sind die Geschichte ihres Landes und ihrer Heimatstadt Humenne – die Wandlung und die Veränderungen vom real existierenden Sozialismus bis zum heutigen Stand der Gesellschaft. Sie arbeitet sowohl mit Bildern aus Archiven als auch mit ihren eigenen Ansichten und setzt diese mosaikartig zusammen. Sie dokumentiert damit auch ein verschwindendes Europa – mehr Bilder davon auf Lucia Nimcovas Website.

Weitere Ausstellungen im Palazzo delle Esposizioni: „Roma“: Aktuelle Bilder aus der ewigen Stadt von Gabriele Basilico. Dazu eine Bildersammlung mit Rom-Ansichten aus vielen Jahren mit den Fotografen Raffaela Mariniello, David Farrell, Guy Tillim, Paolo Ventura, Pieter Hugo, Tim Davis, Claudia Jaguaribe, Milton Gendel, Shi Gourui, Miguel Rio Branco. Weitere Ausstellungen an anderen Orten finden sich auf der Website der FotoGrafia.

FotoGrafia Roma, bis 25. Mai
Palazzo delle Esposizioni, Via Nazionale 194, 00184 Roma, info@palaexpo.it
Geöffnet 10 bis 20 Uhr, Freitag und Samstag bis 22.30 Uhr, Montag geschlossen

FotoGrafia Roma (mit englischer Version)
Palazzo delle Esposizioni (auch Englisch)
Leonie Purchas
Paolo Woods
Lucia Nimcova

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