Herlinde Koelbl: Haare als Statement

Das Münchner Museum Villa Stuck präsentiert die jüngsten Arbeiten der Fotokünstlerin Herlinde Koelbl.

Herlinde Koelbl
Haar – in jeder Form – ist herlinde Koelbls aktuelles Thema.

Sechs Jahre lang bereiste Herlinde Koelbl die Welt, nicht wie bei ihren anderen Arbeiten üblich auf der Suche nach besonderen Gesichtern und Portraits, sondern um nur haarkleine Details abzulichten: Die Haare der Menschen.

Und nicht erst seit der kompletten Renovierung und Neugestaltung vor einigen Jahren bietet die Münchner Villa Stuck einen gelungenen Rahmen für außergewöhnliche Ausstellungen. Das gilt jetzt auch bis zum 15. Juni.

So finden sich auf 70 großformatigen Fotografien von Herlinde Koelbl Haare jeglicher Couleur und Herkunft, reduziert auf das Wesentliche und dargestellt mit einer eindrucksvollen Brillanz und Schärfe.

Es sind ehrliche und ungeschönte Fotografien, die uns anhand von kleinen Details die Menschen näher bringen wollen.

Haare finden wir als Symbol für Schönheit, Erotik und Kraft, aber auch als politisches Statement und als ein Zeichen der Zugehörigkeit bestimmter Gruppen, in allen Kulturen in den verschiedensten Ausprägungen. Die Gemeinsamkeit dieser Unterschiede fängt die Fotografin auf ihren Bildern ein, zeigt Rot, Schwarz und Blond in hellem Licht – und legt dabei besonderen Wert auf ihre Unverfälschtheit und damit den Verzicht jeglicher digitaler Bearbeitung. Das Spiel mit dem Licht ist allgegenwärtig, man kann die dargestellten Strukturen, Formen und Farben regelrecht spüren.

Herlinde Koelbl: Haar

Obwohl die abgebildeten Personen stets losgelöst von ihrem natürlichen Umfeld fotografiert wurden (alle Bilder entstanden im Studio), bilden die Arbeiten Koelbls eine Weltreise durch die verschiedensten Kulturen und Moden, die Schönheit und Hässlichkeit, lang und kurz, blond und schwarz. Die Unterschiede könnten größer nicht sein, finden aber in der Darstellung des Haars ihren gemeinsamen Nenner.

Herlinde Koelbl, seit Jahren eine der bedeutendsten deutschen Fotografinnen, bleibt ihrem Konzept der Langzeitprojekte auch mit „Haare“ treu. Während sie sich früher auf Politprominenz („Spuren der Macht“, 1999) oder Einzelschicksale („Jüdische Portraits“, 1989) konzentrierte, zeigt sie hier das Universelle des Menschen anhand Details, die zwar oft Beachtung bekommen, aber noch nie so deutlich dargestellt wurden.

Zur Ausstellung „Haare“ ist ein umfangreicher Bildband im Verlag Hatje Cantz erschienen.

Herlinde Koelbl „Haare“
bis zum 15. Juni 2008
Museum Villa Stuck

Prinzregentenstr. 60
81675 München

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  1. […] Herlinde Koelbl, die Fotografin aus München, begründete die einstimmige Wahl der Jury: […]

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