„The Places We Live“:
Arme gucken in HD?

Magnum Photos präsentiert die Wanderausstellung „The Places We Live“. Canon sponsort dazu eine EOS-5D und PR. Gezeigt werden für viel Geld arme Leute.

Magnum Photos Jonas Bendiksen
Panoramafoto aus der Austellung „The Places we live“ von Jonas Bendiksen (Bild: Jonas Bendiksen/Magnum)

Ok, vielleicht verstehe ich hier irgendwas nicht richtig. Natürlich ist es interessant, mit der Kamera in fremde Länder zu sehen und auch ich habe in Papua Neu-Guinea auf ausdrückliche Einladung des Fotografierten einen Blick mit der Linse in eine ärmliche Hütte werfen dürfen. Von mir aus hätte ich sicher keinen solchen privaten Blick in die fremde Wohnung gewagt.

Doch wenn ich folgende PR-Meldung von Canon auf den frisch geputzten Blogwerk-Designer-Tisch bekomme, dann kommt mir „Big Brother“ irgendwie wie Kindergeburtstag vor:

Die Aufnahmen zu The Places We Live wurden mit der 12,8 Megapixel starken Canon EOS-5D gemacht. Bei der Präsentation der Bilder kommen achtzehn Projektoren des neuen Canon-Modells Xeed SX7 zum Einsatz.

The Places We Live ist ein virtueller Besuch von zwanzig Unterkünften in vier der ärmsten Elendsviertel der Welt: Schauplätze sind Kibera in Nairobi, Dharavi in Mumbai, die Barrios an den Berghängen Caracas’ und die Kampongs in Jakarta.

Die Projektoren projizieren auf die an allen vier Seiten des Ausstellungsraums angebrachten Leinwände Fotos der nur aus einem Raum bestehenden Wohnungen und bilden diesen Raum damit nach; parallel sind Audioclips zu hören.

Die Betrachter erhalten so einen eindringlichen Einblick in den Alltag der Familien und ihrer Freude, in ihre Ängste, Sorgen und Hoffnungen.

Und nächsten Monat kommen dann 3D-Bilder von Wirbelsturmopfern aus Burma? Präsentiert auf nagelneuen Sony-HD-TVs mit Dolby Dgital Surround Sound?

Oder hat der PR-Texter von Canon hier nur etwas das Feingefühl vermissen lassen und die Veranstaltung ist nicht so schofel, wie es sich anhört?

Im Zentrum dieser Ausstellung steht die Vorstellung und Entdeckung des Stadtlebens im 21. Jahrhundert. Die Premiere findet am 6. Juni im Nobel Peace Center in Oslo statt. Anschließend kann die Ausstellung dank vieler internationaler Niederlassungen der renommierten Fotoagentur Magnum Photos an verschiedenen Orten der Welt betrachtet werden.

klingt dann ja durchaus nach etwas mit Anspruch. Doch ob das wirklich so funktionieren wird:

Die bereits beachtliche Reputation Jonas Bendiksens wird sich mit dieser Ausstellung weiter vergrößern: «Ich arbeite mit Begeisterung an Geschichten, die im Rennen um die täglichen Schlagzeilen zu kurz kommen – journalistische Waisenkinder. Häufig lauern die lohnendsten und überzeugendsten Motive in den versteckten Geschichten, von denen kaum jemand Notiz nimmt.«

da bin ich mir nicht so sicher. Irgendwie klingt es mir zu sehr nach „Menschen, Tiere, Sensationen“ – oder gar “ Bild Magnum war dabei“.

3 Antworten
  1. Wolf-Dieter Roth says:

    Nun, es ist sicher ein Unterschied, ob man das dezent mit Anspruch präsentiert, wie es in Geo wohl war, oder so wie Canon als Materialschlacht aus Pixeln, Projektoren und Multimedia ankündigt.

    Die Arbeit des Fotografen stelle ich keinesfalls in Frage, auch nicht die Installation, sondern was daraus gemacht wird. Wobei die Installation sicher recht eindrucksvoll ist, aber wo die Ausstellung tatsächlich zu sehen ist, das wird bislang abgesehen von Oslo gar nicht verraten. Nur, daß die Kamera 12,7 Megapixel hat. Und wenn das in diesem Zusammenhang die entscheidende Botschaft ist, na dann stimmt einfach was nicht. Da wäre mehr Feingefühl angebracht.

    Und 12,7 Megapixel sind nicht HD?

    Ist halt mein Kommentar – ich finde diese Art, die Austellung zu verkaufen, sehr fragwürdig. Recherche über den Fotografen würde ich machen, wenn ich über die Ausstellung schreibe, wo sie ist, gar sie besuche und dann berichte, wie sie ist. Anderes Thema.

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  2. daniel says:

    vielleicht hätte der verehrte autor bei seiner recherche noch mal hier nachlesen sollen: http://www.geo.de/GEO/fotografie/fotoshows/56685.html

    übrigens mit hd hat das nun wirklich nichts zu tun und auch nichts mit seinen papua-schnappschüssen voller folklore.

    über die pr läßt sich freilich trefflich streiten.

    ein bißchen mehr mühe bei der recherche würde sicher nicht nur der pr-abteilung von canon mißliebigkeiten ersparen.

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