Alec Soth: Welt der Mode und der Hunde

Magnum-Fotograf Alec Soth ist derzeit mit zwei Ausstellungen in Berlin vertreten. Die eine: „Paris/Minnesota“, Bilder aus der Welt der Mode. Die andere: „Dog Days, Bogotá“, eine weniger schillernde Wirklichkeit.

Alec Soth: Natalia, 2007
Alec Soth: Natalia, 2007 Alle Bilder (© Alec Soth / Magnum Photos)

Der Zyklus „Paris/Minnesota“ ist das aktuelle Projekt des Amerikaners Alec Soth – er entstand letztes Jahr.

„Dog Days Bogotá“ entstand bereits 2002 in der kolumbianischen Hauptstadt.

Anlass für „Paris/Minnesota“ war ein Auftrag des französischen Fashion Magazine, Modeschauen in Paris zu fotografieren.

Mit den in Paris entstandenen Bildern und deren inhaltlicher Leere war Alec Soth so unzufrieden, dass er die die Serie in seiner Heimat Minnesota erweiterte. Dieser Kontrast ergibt einen ungewöhnlichen Blick auf die Modewelt – mit einer gewissen Distanz, nicht ohne Sympathie:

Alec Soth über diese Bilder:

«Wenn ich ein Porträt mache, betone ich oft, dass ich die andere Person nicht einnehme. Wenn die Fotografie etwas dokumentiert, dann ist es der Raum zwischen dem Subjekt und mir. Vergleichbar ist die Arbeit für das ,Fashion Magazine’. Ich kann nicht wirklich behaupten, dass ich irgendwas über Paris und die Modewelt weiss. Und ich behaupte, dass den meisten modischen Parisern nur wenig über Minnesota bekannt ist. Interessant ist genau der Raum zwischen uns. Mit dieser Serie versuche ich die Distanz zwischen den beiden Orten zu untersuchen.»

Alec Soth: Ronald
Alec Soth: Ronald, 2007

Alec Soth entzaubert den Mythos Mode, indem er die teuren Accessoires aus Paris an alltäglichen Orten in Minnesota und mit Laienmodellen fotografiert.

Denen stellt er die Bilder aus der internationalen Modewelt gegenüber – von Karl Lagerfeld auf dem Laufsteg im Grand Palais bis zu Sonia Rykiel, der Grande Dame der französischen Mode, im edlen Pelz.

So holt er die Modewelt in die rauhe Wirklichkeit, und in die Presseinfo beschreibt das mit schaurig schöner Poesie: „Chanel und Prada auf öden Parkplätzen. Armani in karger Landschaft. Dior in wilder Natur. Models mit unreiner Haut, Zahnspangen und Segelohren.“

In Bogotá fällt die Wirklichkeit noch etwas rauher aus. 2002 hielten sich Soth und seine Frau – länger als geplant – rund zwei Monate in der kolumbianischen Hauptstadt auf – wegen des Adoptionsverfahrens ihrer Tochter Carmen. Soth begann, die Stadt, ihre Bewohner und die vielen herrenlosen Hunde dort zu fotografieren.

Alec Soth: Dog Days Bogota
Alec Soth – aus: Dog Days Bogotá, 2002

Alec Soth: „Ich begann mit meinem eigenen Buch für Carmen. Die Fotos aus ihrer Geburtsstadt sollen etwas Schönes von diesem harten Ort mitteilen, so hoffe ich.“ 2007 erschien diese Bildserie unter dem gleichnen Titel bei Steidl in Göttingen als Buch.

Sowohl die Bilder für das Fashion Magazine als auch „Dog Days“ und weitere Projekte können auf Alec Soths Homepage besichtigt werden. Die beiden Berliner Ausstellungsorte C/O und Galerie Wohnmaschine befinden sich in der gleichen Straße und sind mithin nur einen Katzensprung auseinander.

Soth, Jahrgang 1969, gehört zur jüngeren Fotografen-Generation bei Magnum. Er lebt und arbeitet in Minneapolis, Minnesota.

Paris/Minnesota
C/O Berlin im ehemaligen Postfuhramt, bis 13. Juli
Oranienburger Straße / Tucholskystraße, 10117 Berlin
Geöffnet täglich 11 bis 20 Uhr

Dog Days, Bogotá
Galerie Wohnmaschine, Tucholskystr. 35, 10117 Berlin, bis 28. Juni
Telefon +49 30 3087 2015, E-Mail info@wohnmaschine.de
Geöffnet Dienstag bis Samstag 11 – 18 Uhr

Alec Soth
C/O Berlin
Galerie Wohnmaschine Berlin

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