24 Stunden: Dokumentation und Ethik


Matamoros, Mexico; Nyon, Schweiz; Patzicia, Guatemala; Grindelwald, Schweiz. -> Bildgalerie (Bilder Keystone)

Was ist ein „gutes“ Bild in der Pressefotografie? Reicht „spektakulär aussergewöhnlich“? Wenn in der Kriegsberichterstattung schonungslos dokumentiert werden soll, gilt das auch für Horror-Unfälle? Ist die Publikation des Schnappsschusses eines Sportfotografen, der zeigt, wie ein verwirrter Auftofahrer mitten in eine Radrennfahrergruppe rast, angesichts eines Todesopfers und 14 Verletzter schändliche Bedienung des Voyeurismus‘ oder Information? Ich setze mich ins Glashaus und wünsche mir eine Diskussion in den Kommentaren (Geschmacklosigkeiten werden ohne Nachricht gelöscht).

In der Rubrik „24 Stunden“ veröffentlichen wir die besten drei bis fünf Pressebilder aus den vergangenen 24 Stunden, ausgewählt nach rein fotografischen Kriterien.

7 Kommentare
  1. Miriam sagte:

    Meiner Meinung nach sollte man als Journalist schon nach tollen bildern in form von „reisserisch, ekelhaft, usw… “ suchen, allerdings dabei die richtige Einstellung haben, also Respekt und eine gewisse moralische Verpflichtung versuchen einzuhalten.

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  2. Edwin Wipfli sagte:

    Der Zusammenhang machts, da gebe ich Euch Recht. Allerdings meine ich trotz alledem das Bilder nicht nur der Sensationsgier und Auflagensteigerung dienen dürfen. Sie sollen wenn sie solch grausammen Inhalt zeigen, mahnen, schockieren oder zur Umkehr eines Verhaltens veranlassen.

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  3. Wolf-Dieter Roth sagte:

    Es ist natürlich ein Manko, wenn ein solches Bild ohne Caption rumgeistert und so am Ende auf noch Seiten wie lustich.de verendet.

    Spiegel online vermeldet nun, der Autofahrer war besoffen und hat geschlafen:

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,557578,00.html

    Bin kein Freund von Sensationsbildern, aber in dem Kontext mag es durchaus sinnvoll sein, so etwas zu zeigen, wenn es wie hier ein Bild ist.

    Geschmacklos wird es, wenn es dann eine jener „beliebten“, „klickstarken“ Bildstrecken wird. Ich erinnere mich da an eine ähnlich grausame Szene, wo ein eingeschlafener LKW-Fahrer sich auch durch Hupen anderer LKWs nicht aufwecken ließ, auf der A96 in eine Baustelle raste und zwei Straßenarbeiter tötete. Von dem Unfall weiß ich, weil die Autobahn dann gesperrt war und der Organisator (Journalist) einer Veranstaltung, auf der ich war, nicht erscheinen konnte. Am nächsten Tag gab es dann auf tz-online.de einen Artikel über den Vorfall, den ich dem Kollegen weitermailte, und dort waren wohl (so tief war ich nicht eingestiegen) alle Bilder zum Durchklicken, was ihn dann ziemlich schockte. Aber online zählen halt nur Hits…

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  4. Matthias Glatthaar sagte:

    Ich stosse mich daran, dass Bilder einen erzieherischen oder mahnenden Wert haben oder gar Moral vermitteln müssen. Reportagefotografien müssen meiner Meinung nach in erster Linie die Wirklichkeit abbilden (wenn noch ein künstlerischer Anspruch hinzu kommt, umso besser). Zwar sollen Bilder nie isoliert zur Befriedigung der Sensationslust als Selbstzweck dienen. Wo aber ein schützenswertes Informationsbedürfnis besteht, dürfen und sollen Fotografien die Wirklichkeit ungeschönt darstellen.

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  5. Peter Sennhauser sagte:

    Edwin, ich muss dazu anmerken: Der Grund für den Unfall ist aus der Caption zum Bild nicht zu entnehmen, der „verwirrte“ Autofahrer ist meine (ungenaue) Formulierung. Für mich würde das allerdings an der erzieherischen Wirkung auch nichts ändern.

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  6. Edwin Wipfli sagte:

    Als jemand der Ethik studiert bin ich da sehr zwiespältig. Zum einen ist dies Kulturabhängig und daher schon nicht einfach zu beantworten. Zum Anderen hat jeder seine eigenen Moral und an der gemessen denke ich dass ich solche Bilder nicht brauche. Sie haben keinerlei erzieherischen oder mahnenden Wert. Sie zwingen nicht zur Umkehr eines Verhaltens (War der Fahrer doch verwirrt und nicht betrunken) und befriedigen somit meines Erachtens eher die Sensationlust des Betrachters und reflektieren nicht Moral.

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