Die echten Paparazzi: Pigozzi und die anderen

Die Helmut Newton Stiftung in Berlin zeigt erstmals in Deutschland eine umfangreiche Schau der Paparazzo-Fotografie. Titel: Pigozzi and the Paparazzi.

Carla Bruni u8nd Jean Pigozzi
Jean Pigozzi: Carla Bruni und Jean Pigozzi, Venedig 1991 -> Bildgalerie

Titelgeber Jean Pigozzi fotografiert seit den siebziger Jahren die Schönen, die Reichen und andere Prominente. Zu denen hat er – im Gegensatz zu „echten“ Paparazzi – wegen seines eigenen gehobenen gesellschaftlichen Standes weitgehend freien Zutritt.

Eine Besonderheit sind seine Doppelporträts:

«Pigozzi & Co.« Der Franzose fotografiert sich selbst zusammen mit seinen Opfern Kopf an Kopf, die Kamera am ausgestrecktem Arm.

Der „wirkliche“ Paparazzo aber – der „bad Boy“ – lauert auf der Straße Prominenten mit der Kamera als Waffe auf und raubt für seinen Lebensunterhalt.

„Mein Name ist Paparazzo“ – mit Fug und Recht kann das der Italiener Tazio Secchiaroli von sich behaupten. Er war das Vorbild für den Fotografen in Federico Fellinis Film «La Dolce Vita«. Fellini gab ihm den Namen „Paparazzo“, und seitdem ist das die gängige Bezeichnung für diese Art von Fotografen. Tazio Secchiaroli avancierte später auch der später zu Fellinis Set-Fotografen.

Daniel Angeli: Giovanni Agnelli springt von seinem Boot, St. Tropez 1977, Courtesy Agence AngeliEdward Quinn: Einfallsreiche Fotografen versuchen, die beste Position für Fotos von der Hochzeit von Fürst Rainier und Grace Kelly zu bekommen, Monaco 1956. Erich Salomon: Aristide Briand entdeckt den versteckten Fotografen, Paris 1931. Courtesy bdk Berlinische GalerieHelmut Newton: French Vogue, Cannes 1981
Daniel Angeli, 1977; Edward Quinn, 1956, Erich Salomon, 1931, Helmut Newton, 1981 -> Galerie

Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre wartete Secchiaroli mit anderen Kollegen mit Kamera und Blitzgerät meist abends oder nachts an Roms Via Veneto auf prominente Opfer. In Südfrankreich, insbesondere an der Cote d’Azur, waren Edward Quinn und Daniel Angeli in den 1960er und 1970er Jahren mit Teleobjektiven sehr aktiv.

Angefangen hat alles vielleicht mit Erich Salomon. Der verschaffte sich als ausgebildeter Jurist und fotografischer Autodidakt Zugang zu politischen Veranstaltungen. Er fotografierte vermutlich als erster unerkannt in Gerichten, was damals (wie heute) verboten war. Salomon verwendete eine Kamera mit lichtstarkem Objektiv, die er teilweise in der Aktentasche oder unter dem Mantel verbarg: erst eine Ermanox und später die damals neue Leica. Damit drang er verbotenerweise in Gebäude ein, in denen sich hohe Politiker Gedanken über die Neuordnung Europas machten. Gelegentlich wurde er „erwischt«, aber kaum behelligt. So entstand eines seiner berühmtesten Bilder in dem Moment, als der damalige französische Außenminister Auguste Briand den „König der Indiskretion« 1931 im Außenministerium am Pariser Quai d’Orsay hinter einem Vorhang entdeckte. Erich Salomon wurde 1944 in Auschwitz umgebracht.

In den USA hatte ein gewisser Arthur Fellig, der sich selbst „Weegee« nannte, etwas später und vergleichbar ungewöhnlich gearbeitet, wenn er sich auch auf andere Motive konzentrierte: Weegee hörte den Polizeifunk ab und fotografierte, noch bevor die Polizeistreifen am Tatort waren, Erschossene, die in New Yorks nächtlichen Straßen lagen, brennende Hauser und andere Katastrophen.

Helmut Newton interessierte sich für die Paparazzi, seitdem er Fellinis «La Dolce Vita« gesehen hatte. 1970 reiste er nach Rom, um dort mit „echten« Paparazzi zusammenzuarbeiten. Für einen Auftrag der Modezeitschrift „Linea Italiana« engagierte er sie, mit seinen Modellen vor seiner Kamera zu posieren. Die Paparazzi sollten bei Newtons ungewöhnlicher Versuchsanordnung das Modell so behandeln, als sei es eine berühmte Person.

Die Ausstellung in der Helmut Newton Stiftung zeigt rund 350 Schwarz-Weiß- und Farbphotographien, teilweise als signierte Vintage Prints – von Erich Salomon, Weegee, Ron Galella, Edward Quinn, Daniel Angeli, Tazio Secchiaroli, Jean Pigozzi und Helmut Newton – Bildergalerie der Newton-Stiftung. Heutzutage arbeiten die meisten Paparazzi übrigens nicht mehr in Rom, sondern in Los Angeles, wo mit Hollywood die weltweit größte Star-Dichte gegeben ist.

Pigozzi and the Paparazzi
Helmut Newton Stiftung, Jebensstrasse 2, 10623 Berlin, bis 16. November
Telefon +49 30 3186 4825, E-Mail info@helmut-newton-stiftung.org
?Geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Do 10 bisD 22 Uhr

Helmut Newton-Stiftung
Erich Salomon bei Wiki
Weegee bei Wiki

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