Christian Gieraths: Stille Stadtbilder

Christian Gieraths Bilder aus den Städten dieser Welt kommen ganz still daher. Im Kopf lassen sie ganze Filme ablaufen.

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Christian Gieraths: Messehalle Cape Town – Laid back, 2004

Christian Gieraths bereist Städte in aller Welt und benennt nach diesen seine fotografischen Serien. Dabei interessieren ihn insbesonders jene Orte, in denen er Spuren des Umbruchs findet – sei dieser historischer, politischer oder ästhetischer Natur. Die „Urban Stills“ – Standbilder aus Städten – sind zur Zeit in der Kölner Baukunst Galerie zu sehen.


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Christian Gieraths: Schultafel, B 66 Low – Bucuresti 2002 (links) – Sporthalle, Havanna 2004

Der russische Kur- und Badeort Sotschi, zu dem er im Jahr 2000 für seine erste Serie reiste, war bereits im 19. Jahrhundert ein Heilbad im Zarenreich, wurde unter der Sowjetherrschaft zu einer Idealwelt ausgebaut und erhielt mit der Globalisierung eine an amerikanischen Standards orientierte Infrastruktur. Ähnliche Veränderungen reizten Gieraths an Bukarest, in dem der Diktator Nicolae Ceausescu ganze Altstadtviertel abreißen ließ, um sich mit dem „Palast der Republik« ein Denkmal zu setzen.

Solche Veränderungen lassen sich auch im prächtig verfallenen Havanna und den Monumenten der kubanischen Revolution festmachen, ebenso wie im südafrikanischen Kapstadt, in dem die wirtschaftlichen Verbesserungen nach dem Ende der Apartheid trotz aller Sanierungsprogramme auf sich warten lassen.

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Christian Gieraths: Colaautomat, Tokyo 2005 (links) – The Venetian, Las Vegas Blvd NV, Pastime Paradise 2006

In Tokio interessierte sich Christian Gieraths für das Aufeinandertreffen von Tradition und Modernität – und im Westen der USA die Schnelllebigkeit der Grundstücksspekulationen und der Unterhaltungsindustrie in Hollywood und Las Vegas. Aus diesen Bildern besteht seine aktuellste Serie «Pastime Paradise«.

Die „Urban Stills“ kommen unspektakulär und still daher. Christian Gieraths will in seinen Bildern Emotion und Expressivität nicht ausschließen, sondern Atmosphäre erzeugen. Ihre expressive Farbigkeit und Lichtgebung verdanken die „analogen“ Fotografien seinem langjährigen Experimentieren mit Filtern, Filmen und Fotopapier. Gieraths arbeitet mit vorhandenem Licht. In Innenräumen dauert es bis zu einer Minute, bis er den Verschluss schließt.

Der 1976 in Köln geborene Christian Gieraths studierte nach Kunstgeschichte, Philosophie und Kulturwissenschaften von 1999 bis 2005 an der Freien Kunstakademie in Münster Bildende Kunst. Parallel dazu studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf in der Fotoklasse von Thomas Ruff. Christian Gieraths Arbeiten sind auf seiner Website zu sehen. Auch die Baukunst Galerie zeigt online eine Auswahl.

Christian Gieraths: Urban Stills
Bis 29. August.
Baukunst Galerie, Theodor-Heuss-Ring 7, 50685 Köln
Telefon 0221-7713335, E-Mail art@baukunst-galerie.de
Geöffnet Dienstag bis Freitag 10 bis 18:30 Uhr, Samstag 11 bis 15 Uhr, u.n.V.

Christian Gieraths
Baukunst Galerie Köln

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