„Mäandern“ in München: Weite der künstlerischen Freiheit

In München wird in vielfältiger Weise der 200. Geburtstag der Akademie der Künste begangen. Die Galerie f5,6 zeigt dazu aktuelle Foto- und Video-Arbeiten von vier Studenten: „mäandern“.

Kilian Blees: Lalhung, 2006
Kilian Blees: Lalhung, 2006

Der Ausstellungstitel „mäandern“ soll den Weg der Studenten ausdrücken: Sie „mäandern“ während ihrer Ausbildung durch die Weiten der künstlerischen Freiheit – ganz gemäß der Münchner Akademie, wo es keinen bestimmten Lehrplan gibt.

Die Arbeiten von Kilian Blees, Jahrgang 1981, sind auf vielen Reisen in die Himalayaregion entstanden. Was zunächst wie eine dokumentarisch angelegte Reisedokumentation erscheint, entpuppt sich schnell als etwas viel tiefsinnigeres: Es geht um die Suche nach der Dynamik des Lebens, nach Weite und Freiheit. Tibet, China und Indien bieten Blees hier eine unendliche Fundgrube. In den kargen Weiten der Landschaft und den zuweilen unwirtlichen Siedlungen hält er Ausschau nach dem Menschlichen. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Aufnahmen von Kindern.

Sonja Ismayr, o.T. 2, 2007/2008
Sonja Ismayr, o.T. 2, 2007/2008

Die „Wahrnehmung von Zeit in ihrer Uneindeutigkeit“ ist das Thema von Sonja Ismayr, Jahrgang 1981. Sie geht in ihren Fotografien der Frage der Definition von Zeit nach, indem sie über einen längeren Zeitraum hinweg jeden Tag zum gleichen Zeitpunkt denselben Ort aufnimmt. „Wie hängen Zeit und Ort zusammen? Wie werden beide von unserer Wahrnehmung bestimmt?“ – das fragt sich Sonja Ismayr.

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Karen Ernst, Umzug II, 2008 – Video

Auch bei Karen Ernst, Jahrgang 1980, spielen Zeit und Raum eine entscheidende Rolle. Dabei steht in ihren Werken der Raum, genauer die Problematik des Zwei- und Dreidimensionalen, im Mittelpunkt. Mit unterschiedlichen Materialien, die sie dabei immer ihrem Lebensumfeld entnimmt, baut sie kontinuierlich über einen längeren Zeitraum Skulpturen auf, die sich vom anfänglich Zweidimensionalen ins Dreidimensionale erheben. Es entstehen Schichten, die dem Betrachter ein archäologisches Gespür abverlangen. Über zehn Tage hinweg filmte sie das Entstehen eines Negativabdrucks ihres Zimmers durch gleichförmiges Bekritzeln der Zimmerwände, die sie dann vor ihrem Auszug wieder weiß übermalte.

Stephanie Kramer, Cheyda 2, 2007
Stephanie Kramer, Cheyda 2, 2007

Stephanie Kramer, Jahrgang 1980, untersucht schon viele Jahre in ihren Arbeiten die Funktion des Sich-Schminkens. In einer Serie von Fotografien zeigt sie dazu die unterschiedlichste Manieren des Schminkens. So entstanden intensive Porträts der Protagonisten. Der ursprüngliche Vorgang des Maskierens wird umgedreht: Im Umgang mit ihrem Körper und der gleichzeitigen Konfrontation mit ihrem Spiegelbild geben die Dargestellten einen Einblick in ihre Seele und in ihr Verhältnis zu sich selbst. Stephanie Kramer zeigt auch einen Film, der sich einem der wichtigsten Teile der menschlichen Kommunikation widmet – dem Mund.

mäandern. Arbeiten von Studenten der Akademie München
Kilian Blees, Karen Ernst, Sonja Ismayr, Stephanie Kramer
Bis 13. September
Galerie f5,6, Ludwigstr. 7 (Odeonsplatz), 80539 München
Telefon +49 (0)89 28 67 51 67, E-Mail info@f56.net
Geöffnet Dienstag bis Freitag 11 bis 19 Uhr, Samstag 12 bis 17 Uhr

Galerie f5,6
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