Überempfindliche Romantik: Sumpfdelta in Schwarz

Ein riesiger Vorteil der Digital-Kameratechnik ist ihre variable Empfindlichkeit. Aber neben der ISO-Zahl lässt sich bei dunklen Verhältnissen auch mit der Blende und der Belichtungskorrektur operieren. Hohe Empfindlichkeit bringt nämlich leider auch hohes Rauschen und lässt wenig Spielraum für die digitale Dunkelkammer.

Thyl Sieber: Am Donaudelta
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thyl Sieber). – Brennweite 47mm, 1/500s bei f/18 und ISO 1600

Kommentar des Fotografen:

Sonnenuntergang im Donau-Delta, im grössten Sumpf der Welt. Man sieht das wunderbare Romantische an dieser Landschaft, das Wasser, in welchem sich die Sonne spiegelt und im Gegensatz dazu auch die sumpfig-ekligen Wasserpflanzen, die da vom Ast ins Uferwasser voller Seegras und Getier übergehen. .

Profi Robert B. Fishman meint zum Bild von Thyl Sieber :

Die Sonnenuntergangsstimmung ist hier mit der Spiegelung der Sonne im Wasser sehr schön eingefangen. Leider ist der rechte, dunkle Bildrand sehr «abgesoffen«. So ist dort überhaupt keine Struktur mehr im Wald zu sehen. Gut 1/3 des Fotos sind damit für den Betrachter verloren, die große dunkle Fläche erdrückt den den Rest des Bildes und zerstört seine Wirkung. Das hätte sich vermeiden lassen:

Thyl Sieber, bearbeitetIch habe das Bild rechts beschnitten und versucht, es über die Tonwertkurve oder Helligkeits- und/oder Belichtungsregler aufzuhellen. Dabei verrauscht das Foto leider sehr, obwohl in den dunklen Bereichen sogar des JPG wie in der aufgehellten Version sichtbar noch viel Information vorhanden war.

Der Grund: Das Bild wurde mit 1600 ISO aufgenommen. Diese extrem hohe Empfindlichkeit wäre hier gar nicht nötig gewesen: Belichtet wurde die Aufnahme mit der sehr kurzen Belichtungszeit von 1/500stel Sekunde und der mit 18 radikal geschlossenen Blende.

Da sich das Motiv nicht oder (höchstens geringfügig im Wind) bewegt haben dürfte, hätte hier 1/100stel Sekunde und, da die Bildtiefe nicht extrem ist, Blende 8 oder 5,6 vollkommen ausgereicht – damit hättest Du die ISO-Zahl auf ca. 400 reduzieren und ein nahezu rauschfreies Bild aufnehmen können.

Hinzu kommt, dass das Foto unterbelichtet ist (was das Bildrauschen zusätzlich erhöht und das nachträgliche Aufhellen erschwert). Bei Motiven mit einem so ausgeprägten Hell-Dunkel-Kontrast (von hellem Gegenlicht der untergehenden Sonne, das das Wasser noch reflektiert und verstärkt, bis zum dunklen, im Schatten gelegenen Wald rechts) empfiehlt es sich, die Belichtung auf einem mittleren Helligkeitswert (hier z.B. das Wasser am unteren Bildrand) zu messen.

Sinnvoll wäre hier auch eine bewusste, leichte Überbelichtung über die Belichtungskorrektur an der Kamera (+1 oder +2) und/oder eine Belichtungsreihe, aus der man dann das am besten belichtete Motiv auswählen oder sogar ein HDR-Bild machen kann.

Am Motiv selbst stört unten der trockene Ast, der wie ein Fremdkörper ins Bild hineinragt und nichts zur Sumpflandschaft beiträgt.

In der Rubrik «Bildkritik» analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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