Lens Avenue im Test: Geliehene Ausrüstung

Seit einigen Wochen gibt es den Online-Kamera- und Zubehörverleih Lens Avenue. fokussiert.com hat ihn ausprobiert.

Canon 40D von Lens Avenue
Praktisch verpackt in einer passenden Kameratasche (hier Tamrac System 6) liefert Lens Avenue Bestellungen aus (Bild: W.D.Roth)

Aus Zeitgründen konnte ich den schon vor einigen Wochen kurz angekündigten neuen Online-Verleihdienst Lens Avenue leider erst jetzt testen. Dieser spricht experimenterfreudige, neugierige,fortgeschrittene Amateurfotografen an:

Vorweg: Lens Avenue hat uns eine kostenlose „Testvermietung“ angeboten, von der wir jetzt Gebrauch gemacht haben. Wir gehen davon aus, dass wir keine weitere Sonderbehandlung genossen haben.

Die Idee, Kameras zu verleihen, ist nicht neu. So mancher auch kleine Fotohändler bietet derartige Dienste für „Quartalsfotografen“, die urplötzlich beauftragt werden, bei der Hochzeit eines Familienmitglieds „Hoffotograf“ zu sein, aber selbst nur eine kleine Urlaubsknipse haben. Profifotografen wiederum weden von „ihrem“ Kamerahersteller hofiert, können dort Equipment für Fotoexpeditionen leihen.

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Die Versandverpackung von Lens Avenue (Bild: W.D.Roth)

Gegen Mitgliedsgebühr in entsprechenden Clubs steht diese Möglichkeit auch Semiprofis offen, Journalisten wiederum können bei ausreichendem Bekanntheitsgrad ihrer Werke oder ihres Auftraggebers ebenfalls Testgeräte bei den Kameraherstellern bekommen.

Doch was, wenn ein Fotograf, der bislang Nikon, Pentax oder Olympus nutzt, einfach nur einmal ausprobieren will, wie es sich mit einer Canon fotografiert? Oder ob das Tokina-Superweitwinkelzoom etwas für ihn ist? Ob das etliche 1000 Euro kostende Kamera-Spitzenmodell von Nikon oder Canon etwas für ihn ist? Oder ob man mit einem Fisheye-Objektiv mehr als ein paar lustige Knollengesichter aufnehmen kann?

Test Lensavenue
Aller Platz ist ausgenutzt, alles gut gepolstert (Bild: W.D.Roth)

Auf diese Klientel zielt Lens Avenue. Der Name verrät schon, daß es hier nicht nur um Kameraverleih geht, sondern auch um Objektive. Der Gedanke dahinter:

  • Beim Fotohändler um die Ecke kann üblicherweise nur geliehen werden, was gängig ist. Ein Fisheye wird selten gebraucht, das lohnt sich für den Fotohändler nicht als Leihgerät. Auch das teure Spitzenmodell des Kameraherstellers ist hier fehl am Platz. Eher schonmal eine einfache DSLR zum Austesten für Kunden, die bislang nur eine Kompaktknipse haben
  • Beim Kamerahersteller wiederum gibt es nur Originalware. Ein Sigma- oder Tokina-Objektiv findet man da nicht.

Lens Avenue hat dagegen ausgesprochene Objektiv-Raritäten im Sortiment: Lichtstarke Available-Light-Modelle, Fisheye, Super-Tele, Shift-Tilt– und wenns sein muß, auch mal ein Lens Baby.

Gedacht ist dies einerseits für spezielle Fotoaufträge, bei denen eine Speziallinse nützlich wäre, die der Fotograf sonst nicht braucht – oder eben, um zu prüfen, ob sich die Anschaffung einer solchen, mitunter mehr als die Kamera kostenden Spezialoptik lohnt.

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Auch die Seitentaschen der Kameratasche sind wohlgefüllt. (Bild: W.D.Roth)

Damit das Ganze nicht ausufert, beschränkt sich Lens Avenue im Sortiment auf die beiden markführenden DSLR-Systeme Canon und Nikon. Einsteiger-DSLRs oder Kit-Objektive sind ebenfalls nicht im Sortiment, sondern eben die etwas spezielleren, teureren Geräte. Für eine 500-Euro-Kamera lohnt sich der ganze logistische Verpackungs- und Versandaufwand nicht.

Wir bestellten für einen ersten Test eine Semiprofi-Ausrüstung von Canon: Die zwischen Einsteiger-Modellen wie 450D und 1000D und den Profi-Boliden wie 1D und 5D eher unterschätzte 40D: Vom Hersteller noch als Consumer-Kamera eingestuft, kein Vollformat, doch bereits mit Magnesium-Gehäuse – und noch mit Live View.

Dazu das Standard-Zoom EF-S 17-85 mm 1:4-5,6 IS USM mit Ultraschallmotor und Bildstabilisator, das an dieser Kamera einem 28- bis 135-mm-Kleinbildobjektiv entspricht, also dem klassischen Bereich von Weitwinkel bis Tele, und dabei noch relativ kompakt ist, das EF 50 mm 1:1,2L USM, das als lichtstarke Festbrennweite auch an einer Vollformat-Kamera benutzbar wäre, und schließlich das EF 135mm 1:2,8 (Softfocus), das auch an Vollformat funktioniert und als Besonderheit Softfocus für Portraits bietet.

Die Abwicklung einer Miet-Bestellung läuft bei Lens Avenue komplett online ab. Da neben der Mietgebühr auch eine Kaution für die ggf. ja sehr teure Ausrüstung fällig wird, ist als einzige Einschränkung bislang eine Kreditkarte Pflicht: Bei dieser kann wie bei Mietwagen die Kaution auf die Karte gelegt werden, ohne daß sie tatsächlich ausgelegt werden muß. Die Kreditkarte ist in dieser Zeit (von Auslieferung bis Rücklieferung) nur um die Kaution weniger belastbar, doch fallen keine Kreditzinsen an, da die Summe nicht wirklich auch nur kurzfristig abgezogen wird.

Man kann sich also in Ruhe durch das Sortiment von Lens Avenue klicken, und sich neben einem Gehäuse einige geeignete Objektive zusammenstellen. Mindestmietzeit ist 3 Tage, wobei am Tag vorher geliefert und am Tag nacher abgeholt wird – de facto ist die Mietzeit also noch etwas länger resp. man ist sicher, für die Miettage die Ausrüstung tatsächlich 100% zur Verfügung zu haben.

Bei komplexen Zusammenstellungen muß man natürlich aufpassen, ob alle benötigten Teile für den gewünschten Zeitraum zur Verfügung stehen und man auch wirklich alle für den gleichen Zeitraum gemietet hat, bevor man sich einloggt (zum Zusammenstellen der Bestellung ist dies noch nicht erforderlich) und die Bestellung abschickt.

Ist das Gewünschte verfügbar, so kann es frühestens am übernächsten Tag bei einem sein – per DHL Expreß, mit dem es auch wieder abgeholt wird. Verpackung und Transport sind im Mietpreis inbegriffen.

Lensavenue im Test
Sämtliches Zubehör… (Bild: W.D.Roth)

Lens Avenue verpackt dabei sehr durchdacht, so daß auch nicht mit Hardware-Tests und dem damit verbundenen Versandbetrieb vertraute Fotografen nichts falsch machen sollten – sogar Klebestreifen zum wieder Verschließen des Pakets zur Rücksendung werden mitgeliefert, ebenso eine umfangreiche „Streichliste“, damit man nichts einzupacken vergißt – und hoffentlich auch nichts abzumontieren (bei unserem Test blieb promt die Stativplatte an der Kamera…).

Extrem angenehm ist, daß Lens Avenue nicht etwa nur das Mindestmaß an Ausstattung liefert. Vielmehr übertrifft die Zusammenstellung sogar den Service von Pressestellen von Kameraherstellern: Von einer auch für RAW-Aufnahmen ausreichend großen, schnellen Speicherkarte (im Test: Compact Flash SanDisk Extreme III 4 GB) über einen Kartenleser, Schutzfilter auf allen Objektiven, Netzteil und Anleitungen bis zu einer für die bestellte Ausrüstung geeigneten Kameratasche.

Abgesehen von einem eventuellen Nachladen der Akkus und dem Einlesen in die Kameranleitung wird die bestellte Ausrüstung also einsatzfertig geliefert – man stellt nicht wenige Stunden vor dem Fototermin fest, daß man ausgerechnet für dieses Kameramodell keine Speicherkarte, Batterie oder Kameratasche hat. Nichts ruiniert eine teure Kamera schließlich so schnell wie der Transport in einer ungeeigneten Tragetasche!

Lens Avenue 8
…und sogar ein Kartenleser wird mitgeliefert! (Bild: W.D.Roth)

In unserem Test hatte Lens Avenue außerdem ohne Aufpreis noch ein Polfilter für das 1,2er-Objektiv spendiert, den zusätzlichen Batteriegriff BG-EN2, einen Fernauslöser RS-80N3 und einen zweiten Akku, um den Batteriegriff standesgemäß zu bestücken – der Betrieb mit Mignonzellen ist ebenfalls möglich, aber erfahrungsgemäß wenig zuverlässig.

Mit einem Mietpreis von 322,40 € für fünf Tage, also gerade einmal 65 Euro pro Tag für diese wirklich auftragstaugliche Ausrüstung, kann sich auch ein Amateur eine solche Kameramiete leisten. Die Kaution für diese Zusammenstellung betrug 880 €, aber diese fällt wie gesagt nicht real an, solange man alles ordnungsgemäß zurückschickt.

Alles in allem war die Lieferung desd Verleihdienstes eindrücklich komplett.

Nun haben wir die Ausrüstung natürlich nicht ausgeliehen, um zu schauen, ob Lens Avenue auch wirklich liefert, sondern um zu testen. Davon mehr in den nächsten Tagen.

6 Kommentare
  1. christoph sagte:

    kennt jemand einen verleihservice (für canon objektive) in indien, vorzugsweise in delhi?
    ich mach im sommer eine 6-wöchige indien-tour, die mit einer kurzen safari beginnt, danach durchs restliche land führt. für die safari wär zB das EF 100-400mm L IS interessant, für den rest hab ich meine 40D + kit.

    für die gesamte reise mieten käme 1. zu teuer (über 600,- euro bei lensavenue, die ja noch eher günstig sind im vergleich zu den hiesigen verleihern hier in wien) und wäre 2. etwas viel unnötiges gewicht im rucksack für die restliche tour.

    danke für alle antworten / sachdienliche hinweise :-)

    Antworten
  2. Alex sagte:

    Hallo Wolf-Dieter,

    erstmal vielen Dank für den ausführlichen Bericht!

    Eine kleine Anmerkung hätte ich: Es ist auch möglich, von heute auf morgen zu bestellen. Bei (Semi-)Pros ist diese Option wichtig und beliebt. Man muss einfach eine Buchung bis 12:00 heute abgeben und die Geräte werden morgen, d.h. über Nacht, vor 12:00 zugestellt.

    Diese Möglichkeit ist allerdings nachmittags nicht zu sehen, da ab 12:00 die Software diese Option nicht anbietet. Dann hilft nur der menchlische Weg – anrufen.

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  1. […] der Mietservice Lensavenue, der uns schon beim Test der Canon 40D sehr hilfreich unterstützt hat, gerade einen Satz Nikon D700 frisch angeschafft hatte und eine davon noch nicht ausgeliehen war, […]

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