Ansichtskarten in Essen: Das Medium vor der MMS

Ansichtskarten – gibt’s das noch? Urlaubsgrüße werden inzwischen eher per MMS verschickt. Aber vor 100 Jahren, da war die Postkarte das Medium der Zeit – wie uns das Essener Folkwang-Museum zeigt.

Max Morise, Max Ernst, Simone Breton, Paul Eluard, Joseph Delteil, Gala Eluard, Robert Desnos und André Breton auf einem Jahrmarkt, ca. 1923

     Unbekannter

      Studiofotograf, Frankreich, © Sammlung Marc und Sylvie Sator
Ein Wagen voller Surrealisten: Max Morise, Max Ernst, Simone Breton, Paul Éluard, Joseph Delteil, Gala Éluard, Robert Desnos und André Breton auf einem Jahrmarkt, ca. 1923
Unbekannter Studiofotograf, Frankreich, © Sammlung Marc und Sylvie Sator

Ab etwa 1900 wurde die Ansichtskarte gewaltig populär. Unter dem Sammelbegriff „Fantasie-Postkarten“ wurden neben Stadt- und Landschaftsansichten mehr und mehr unterhaltsame Bilder aufgelegt: Glückwunsch- oder 1. April-Karten, Sprichwörter, imaginäre, komische oder auch erotische Szenen.

Gerlach & Martin Gerlach Jr., Deutschland, 1911 © Sammlung Gérard Lévy
Gerlach & Martin Gerlach Jr., Deutschland, 1911
© Sammlung Gérard Lévy
M. Bonnard, Frankreich, ca. 1909 © Privatsammlung
M. Bonnard, Frankreich, ca. 1909 – © Privatsammlung

Dafür wandten die Gestalter alle damals verfügbaren Manipulationsmöglichkeiten an. Und das waren nicht wenige: Montage, Doppelbelichtung, optische Verzerrung, Grossaufnahme – um nur einige der Möglichkeiten aufzuführen.

Die blühende Fantasie, die die Begeisterung für Postkarten auslöste, blieb nicht ohne Wirkung auf die Fotografie der Zeit. Paul Éluard, André Breton, Salvador Dalí und weitere Künstler der 1920er und 1930er Jahre sammelten Fantasiepostkarten. Hannah Höch, Herbert Bayer oder Man Ray benutzten sie als Material und als Modell für ihre eigenen Werke. Vielleicht waren diese Postkarten – wie Paul Éluard es damals vermerkte – das «Kleingeld der Kunst».

Die Ausstellung im Folkwang-Museum Essen präsentiert über 500 Postkarten – als Projektionen, in Vitrinen und Rahmen – aus den Kollektionen von Gérard Lévy und Peter Weiss sowie ausgewählte Werke vieler Künstler der klassischen Moderne wie Jean Arp, Erwin Blumenfeld, André Breton, Salvador Dalí, Marcel Duchamp, Paul Éluard, Max Ernst, André Kertész, Gustav Kluzis, René Magritte, Joan Miró, Meret Oppenheim, Alexander Rodtschenko oder Yves Tanguy.

Armand Noyer, Frankreich, ca. 1920 © Sammlung Peter Weiss
Armand Noyer, Frankreich, ca. 1920
© Sammlung Peter Weiss

Im Steidl-Verlag Göttingen ist dazu ein Katalog erschienen: „Frankierte Fantastereien – Das Spielerische der Fotografie im Medium der Postkarte“. Herausgeber Clément Chéroux und Ute Eskildsen. Preis im Museum: 35 Euro im Museum.

Frankierte Fantastereien – Das Spielerische der Fotografie im Medium der Postkarte
Bis 21. September
Museum Folkwang – Fotografische Sammlung, Friedrichstraße 12, 45128 Essen
Telefon +49 (0) 201-8845-301, E-Mail info@museum-folkwang.de
Geöffnet Dienstag – Sonntag 10 – 18 Uhr

Museum Folkwang Essen

1 Antwort
  1. Herr K. sagte:

    MMS als Postkartenersatz. Schon recht lieblos. Schade eigentlich, dass Postkarten schon ins Museum gehören sollen, ich verschicke sie immer noch gerne und häufig.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.