Makroaufnahmen bis Maßstab 1:1: Ganz nah dran

Makrofotografie kann bis in den Bereich der Mikroskopie gehen. Doch das Scharfstellen wird bei solch starken Vergrößerungen problematisch.

Miniaturbibliothek Leipzig

Kleine Bücher, dank Marko gross: Es handelt sich um Exemplare der Miniaturbibliothek Leipzig in gerade halber Streichholzschachtelgröße. Klick aufs Bild für mehr Information. (Bild: W.D.Roth)

Von großen, beeindruckenden Landschaften oder herrschaftlichen Schlössern bis hin zu den kleinsten Dingen – so weit reicht die Bandbreite der Fotografie. Während vor einigen Jahrzehnten die Kameras noch einen oder zwei Meter als kürzestmögliche Entfernungseinstellung boten, liegen diese heute im Zentimeterbereich.

Zuiko Makroobjektiv

Das Makroobjektiv ZUIKO DIGITAL ED 50 mm 1:2,0 (Bild: Olympus)

Schon das Kit-Zoomobjektiv ZUIKO DIGITAL ED 14-42 mm 1:3,5-5,6 der Olympus E-520 kann ab 25 cm fokussieren, was bei der längsten Brennweite von 42 mm (=84 mm Kleinbild) bereits Makroaufnahmen ermöglicht.

Normale Objektive sind allerdings nicht auf solch kurze Entfernungen korrigiert, sondern auf die „Unendlich“-Einstellung. Die optische Qualität ist also bei Aufnahmen von Gegenständen, die im Meterbereich oder noch weiter entfernt sind, deutlich besser.

Zwischenring für Makro

Der Zwischenring EX-25 erhöht lediglich den Abstand zwischen Objektiv und Kamera (Bild: W.D.Roth).

Das muss einen allerdings nicht daran hindern, sich an Nah- und Makroaufnahmen zu versuchen. Empfindet man dann später die Qualität als unzureichend und die Makrofotografie als Herausforderung, kann man sich ja immer noch ein spezielles Makroobjektiv anschaffen.

Problematisch ist bei Nah- und Makroaufnahmen, dass die Schärfentiefe mit abnehmender Entfernung deutlich abnimmt. Damit nicht nur ein ganz schmaler Bereich scharf abgebildet wird, muss man üblicherweise die Blende ziemlich weit schließen. Das wiederum führt zu langen Belichtungszeiten – und deshalb wird schnell ein Stativ notwendig.

Makro Sammlertasse

Sammlertasse mit Hundertwassermotiv, aufgenommen mit dem ZUIKO DIGITAL ED 50 mm 1:2,0 bei Blende 14 und 1/3 s (Bild: W.D.Roth)

Ein zweiter Grund für das Stativ ist die Schwierigkeit, überhaupt korrekt scharfzustellen – und dann die gewählte Entfernung auch stabil beizubehalten.

Der Autofokus der Olympus E-520 funktioniert zwar in diesem Nahbereich, doch kann es schon einmal passieren, dass er auf das falsche Detail im Bild fokussiert.

Problematisch: präziser Fokus im Nahbereich

Beim manuellen Fokus muss man normalerweise durch den Sucher gucken und dabei aufpassen, das Stativ nicht versehentlich zu verschieben. Unangenehm, wenn man eine Blume oder eine Schnecke am Boden fotografieren will.

Makro Sammlertasse2

Kürzeste Entfernung mit ZUIKO DIGITAL ED 50 mm 1:2,0 (Bild:W.D.Roth)

Hier kommt die Live View der Olympus E-520 sehr angenehm zum Tragen. Man kann so mit der Kamera ohne Probleme dem Objekt der Begierde zu Leibe rücken, ohne sich dabei verrenken zu müssen. Da sich das Live-View-Bild auch zehnfach vergrößert darstellen lässt, kann man wirklich auch die kleinsten Details gezielt scharfstellen.

Bei schwachem Licht und daraus resultierenden langen Belichtungszeiten wird es selbst mit Blumen (Wind!) und Schnecken schwierig sicherzustellen, dass diese sich nicht während der Aufnahme bewegen und diese dadurch verwischt.

Sammlertasse Makro

Kürzeste Entfernung mit ZUIKO DIGITAL ED 50 mm 1:2,0 und Zwischenring EX-25 (Bild:W.D.Roth)

Noch schwieriger wird es bei Sachaufnahmen im Haus. Immerhin spielt dann die Belichtungszeit keine Rolle. Das eingebaute Blitzgerät ist auf solche kurzen Entfernungen jedoch nutzlos: Das Objektiv ist dem Licht im Weg.

Makrofotos nur mit Stativ

Wer ernsthaft Nah- und Makrofotos schießt, arbeitet mit einem Stativ. Aus zwei Gründen ist die Fixierung der Kamera wichtig. Zunächst sind bei Nahaufnahmen häufig relativ lange Verschlusszeiten nötig, da für große Schärfentiefe mit kleinen Blendenöffnungen gearbeitet wird. Außerdem geht es bei der Bildgestaltung einer Nah- oder Makroaufnahme häufig um Millimeter bei der Positionierung der Kamera bzw. des Schärfepunkts.

Im Fotofachhandel gibt es für die Makrofotografie spezielle Stative bzw. Stativköpfe, sogenannte Einstellschlitten. Mit so einem Schlitten können Sie die Kamera millimetergenau ausrichten. Aufgrund der hohen Preise für dieses Spezialzubehör sind die Einstellschlitten jedoch eher etwas für echte Enthusiasten und Profis.

Wer regelmäßig Münzen oder andere kleine Gegenstände fotografieren muss, braucht zur optimalen Ausleuchtung zusätzlich eine Spezialausrüstung. Die in diesem Buch gezeigten Beispiele sind allerdings mit den hier beschriebenen Leuchtmitteln und Stativen entstanden; es lohnt sich also durchaus, es auch ohne Spezialausrüstung mit der Makrofotografie zu probieren. Manchmal ergeben sich Motive auch spontan, und nicht jeder hat Stativ und Blitz immer dabei.

ZUIKO DIGITAL 14-54 mm 1:2,8-3,5, 54 mm (=108 mm Kleinbild), ISO 100, Blende 3,5, 1/100 s.

ZUIKO DIGITAL 14-54 mm 1:2,8-3,5, 54 mm (=108 mm Kleinbild), ISO 100, Blende 3,5, 1/100 s.

Neben zwei Motivprogrammen – Nahaufnahme sowie Natur-Nahaufnahme (letztere verwendet etwas geringere Belichtungszeiten) – ist für die Makro- und Nahfotografie die Blendenvorwahl A oder die manuelle Belichtungseinstellung M das Richtige. Die Programmautomatik P mag für einen Schnappschuss zwar zunächst ausreichen, doch wird die fehlende Schärfentiefe später enttäuschen.

Insbesondere das ansonsten hervorragende Makroobjektiv ZUIKO DIGITAL ED 50 mm 1:2,0 (feste Brennweite, kein Zoom) ist hier tückisch: Da es so lichtstark ist mit einer offenen Blende von 2,0, wird die Programmautomatik der Olympus E-520 darauf getrimmt, diese offene Blende auszunutzen. Dies ist schön, wenn man dieses Objektiv als Porträtlinse verwendet, doch bei Makroaufnahmen wird man mit der offenen Blende nicht immer glücklich.

Die Empfindlichkeit sollte man bei Makroaufnahmen dagegen tunlichst nicht über ISO 200 hinaus erhöhen, da Bildrauschen bei eigentlich unbewegten Objekten ziemlich störend wirkt. Stellen Sie den Weißabgleich vorher am besten fest auf das Umgebungslicht ein – die Kamera kann sonst insbesondere von farbintensiven Motiven verwirrt werden.

Dies ist eine Leseprobe aus dem demnächst im Franzis-Verlag erschienenen „Profibuch Olympus E-520“ von fokussiert.com-Autor Wolf-Dieter Roth, das neben Tipps speziell zur E-520 von Olympus auch etliche allgemeine Informationen und Anleitungen zur Digitalfotografie enthält.

2 Kommentare
  1. Jörg Schlichtholz sagte:

    Das größte Problem bei der Makrofotografie ist die geringe Tiefenschärfe. Das nur das Stativ vernünftige Aufnahmen ermöglicht ist natürlich auch klar. Wer aber wie ich, bei einem so flüchtigen Statisten wie dem Insekt, sich über Einzelheiten klar werden will, dem ist mit vielen Einzelaufnahmen besser gedient. Die gelungene Einzelaufnahme sagt wenig, die Serie alles. Schrott zu produzieren tut heute kaum weh. Mein Tipp: Mut zum schlechten Foto und du bekommst das gute geschenkt!
    Gruß Jörg

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  2. Smylo sagte:

    Vielen Dank für diese kleine Einführung zum Thema Makrofotografie. Die wesentlichen Punkte wurden bereits angeschnitten, ich persönlich würde mir aber hier und da noch ein wenig mehr Tiefgang wünschen – vielleicht in Folgeartikeln?

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