Test Canon EF-S 17-85 mm 1:4,0 – 5,6 IS USM: Schnell, leicht, krumm

Das Canon-Objektiv EF-S 17-85 mm 1:4,0 – 5,6 IS USM könnte eigentlich alle Ansprüche an ein Standard-Zoom abdecken. Doch das schafft es nicht.

Canon EF-S 17-85 mm und 135 mm
Das Canon EF-S 17-85 mm 1:4,0 – 5,6 IS USM, beim Klick aufs Bild neben einem Canon EF 135 mm 1:2,8 Softfocus (Bild: W.D.Roth)

Zum Test der Canon 40D, die wir von Lens Avenue bestellt hatten, war natürlich auch noch ein Objektiv erforderlich. Was wäre ein typisches Standardobjektiv? Als ich mit Spiegelreflex zu fotografieren begann, waren dies die drei Kleinbild-Festbrennweiten 35 mm (Weitwinkel), 50 mm (Normal) und 135 mm (Tele). Zoom-Objektive waren damals noch etwas für Banausen, die weder auf hohe Lichtstärke, geringes Gewicht noch geringe Verzerrungen Wert legten.

Ich legte mir statt des damals üblichen 35 mm-Weitwinkels ein noch rares und selbst gebraucht teureres 28-mm-Weitwinkel (damals: „Super-Weitwinkel“) zu – eine deutlich sinnvollere Abstufung, die mir auch von Anfang an etliche eindrucksvolle Innenaufnahmen einbrachte. Weitwinkel und Tele hatten die maximale Blendenöffnung 1:2,8, das serienmäßige Zeiss Normalobjektiv der SLR 1:1,8.

Daher schien das Canon EF-S 17-85 mm 1:4,0 – 5,6 IS USM eine sinnvolle Wahl – es entspricht mit Verlängerungsfaktor 27 bis 136 mm Kleinbild, also genau meiner ersten Ausrüstung. Nur die Lichtstärke kann nicht mithalten.

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Canon EF-S 17-85 mm in 17-mm-Einstellung (Bild: W.D.Roth)

Das Canon EF-S 17-85 mm 1:4,0 – 5,6 IS USM hat dabei, wie sein Name schon verrät, noch einige Spezialitäten zu bieten: Einen Ultraschallmotor (USM) für schnellen Autofokus und einen integrierten Bildstabilisator (IS – Image Stabilizer). Der macht dann die geringe Lichtstärke des Objektivs wieder wett.

Hinzu kommen eine Berechnung speziell für Canon Digitalkameras mit APS-C-Sensor, die geringere Verzerrungen, gute Digitalsensortauglichkeit und reduzierte Kosten und Gewicht mit sich bringen sollte.

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Canon EF-S 17-85 mm in 85-mm-Einstellung (Bild: W.D.Roth)

Nun, das mit den geringen Kosten kann irgendwie nicht hinkommen, wenn der Listenpreis 729 Euro beträgt – dafür bekommt man anderswo die ganze Kamera. Aber ok, es ist ja auch USM und IS drin.

Das für den semi-professionellen Gebrauch entwickelte Objektiv ist aufwendig mit 17 optischen Elementen in 12 Gruppen aufgebaut, wobei ein doppelseitig asphärisches Element für gestochen scharfe, kontrastreiche Bilder und umfassende Detailwiedergabe sorgt. Ihre Bildqualität ist mit der hochwertigen Canon L-Serie vergleichbar. Optional ist für beide Objektive eine Sonnenblende erhältlich.

so titelte Canon vor vier Jahren, als dieses Objektiv auf den Markt kam.

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In Weitwinkelstellung kann man mit dem Canon EF-S 17-85mm 1:4,0 – 5,6 IS USM auch eine nahe sitzende Tischrunde komplett ablichten (Bild. W.D.Roth)

Irritierend dabei, daß die Sonnen- bzw. Gegenlichtblende EW-73B bei diesem Objektiv offensichtlich separat als Zubehör zu erwerben ist; eigentlich sollte sie zum Objektiv dazugeliefert werden, es handelt sich ja nur um ein einfaches Plastikteil. Bei unserer Leihstellung war die EW-73B dabei.

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Nur in 17-mm-Stellung des Canon EF-S 17-85 mm bekommt man diese beiden auf ein Bild (Bild: W.D.Roth)

Das Gewicht ist mit 476 g auch nicht gerade enorm gering, aber es handelt sich immerhin um ein Fünffach-Zoom, das den gesamten früher gängigen Brennweitenbereich abdeckt. Damit ist man für jede Standard-Fotoaufgabe gerüstet, sollte man meinen, und mit einer Minimalentfernung von 35 cm ist auch Makrofotografie im Bereich des Möglichen.

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Das Canon Canon EF-S 17-85 mm 1:4,0 – 5,6 IS USM mit montierter Gegenlichtblende EW-73B; beim Klick aufs Bild neben einem Canon EF 50 mm 1:1,2 (Bild: W.D.Roth)

Etwas dürftig ist, wie schon bekannt, die Lichtstärke insbesondere in Telestellung, wo man sie bräuchte: 1:5,6 als größte Blende geht sonst eigentlich nur noch bei sehr kompakten Zooms wie bei den kleinen Olympus-DLSRs durch. Doch der Bildstabilisator rettet hier vielleicht noch etwas.

Solange man nur Landschaften und Menschen aufnimmt, ist am Canon EF-S 17-85 mm 1:4,0 – 5,6 IS USM auch nichts auszusetzen. Irritierend allerdings, wenn man in Weitwinkelstellung Geräte aufnimmt: Eine so enorme Tonnenverzerrung habe ich bislang nur beim damals ersten 28-mm-äquivalenten Zoom an einer Bridge-Digitalkamera gesehen, der Minolta 7 bzw. konkret Minolta 7hi.

Canon EF-S 17-85 mm Verzerrung
Computertastatur mit Canon EF-S 17-85 mm in 17-mm-Stellung (Bld: W.D.Roth)

In der Zwischenzeit hatte ich eigentlich vergessen, daß Objektive so stark verzerren können, daß man kritische Aufnahmen mit Gegenständen mit rechten Winkeln im Bild anschließend mit Software wie PTLens oder Radcor nachbearbeiten muß. Eine Korrektur mit der ähnliches leistenden Canon-eigenen Software DPP ist übrigens nicht möglich: gerade dieses Objektiv wird nicht unterstützt. Anscheinend traute Canon sich nicht, so enorme Verzerrungen überhaupt noch bei der Bildbearbeitung anzugehen…

Etwas unverständlich, wo Canon doch an viele andere „Schönheitsfehler“ gängiger Objektive gedacht hat und beispielsweise auch bei diesem Objektiv auf eine möglichst kreisrunde Blendenöffnung achtet, damit Unschärfekreise bei Aufnahmen mit offener Blende auch rund sind. Dabei kann von „offener Blende“ bei einer Öffnung von 1:5,6 ja gar nicht wirklich die Rede sein…

Technische Daten EF-S 17-85mm 1:4,0 – 5,6 IS USM

Bildwinkel (hor., vert., diag.): 68°40′ – 15°25′ ; 48° – 10°25′ ; 78°30′ – 18°25′
Optischer Aufbau (Linsen/Glieder): 17/12
Anzahl Blendenlamellen: 6
Kleinste Blende: 22 – 32
Naheinstellgrenze (m): ca. 0,35
Größter Abbildungsmaßstab: 0,2 (bei 85 mm)
AF Motor: USM
Filter Durchmesser (mm): 67
Max. Durchmesser x Länge (mm): ca. 92 x 78,5
Gewicht (g): ca. 475
Abbildungsmaßstab mit Zwischenring EF12 II: 0,43 – 0,14
Abbildungsmaßstab mit Zwischenring EF25 II: 0,72 – 0,33
Gegenlichtblende: EW-73B
Beutel: LP1116

9 Kommentare
  1. Martin sagte:

    Natürlich kann DPP in der neuesten Version das 17-85 korrigieren, geht recht gut.
    Ja es hat seine Schwächen, aber sein sehr nützlicher Brennweitenweitenbereich, der geile IS und der superschnelle Autofocus bei insgesamt nie wirklich schlechten Bildern (raw fotografieren und nachschärfen bewirkt einiges) macht es zum wirklich guten Herumlauf-Objektiv. Neu gibts das Ding für 400 Ocken wenn’s sein muss. Viele Objektive sind bei vielen Einzel-Aspekten besser (Canons 17-55, Tamrons 17-85), aber bei Preis oder IS oder USM oder Brennweitenbereich muss man dann immer zurückstecken und spätestens seit jetzt DPP endlich die Verzerrungen rausrechnen kann, bin ich wieder sehr versöhnt mit dem 17-85. Am Anfang hab ich es geliebt, dann mochte ichs nicht mehr so und jetzt mag ichs wieder.
    Es sollte bestimmt nicht das einzige Objekt sein, dass man in dem Brennweitenbereich besitzt, aber wenn man nur genau eins auf die Reise mitnehmen will, dann ist es eine ziemlich gute Wahl.

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  2. Franz Patzig sagte:

    Ich habe das Objektiv als Kit mit einer 30D gekauft und war voll enttäuscht. Bei der Weitwinkeleinstellung darf man auch die starke Vignettierung nicht vergessen. Ärgerlich!

    Bei hoher Luftfeuchtigkeit verursacht es mir dazu immer den berüchtigten Error 99.

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  3. kai sagte:

    Zoomobjektive sind nach wie vor etwas für Banausen.
    Nein im ernst, objektive mit Anfangsöffmumgen von 3,5 sind doch irgendwie nichts. Da wird einem ja (fast) die ganze gestalterische Möglichkeit der Freistellung von Objekten genommen, die ja im fotografisch künstlerischen Aspekt eine nicht zu verachtende Rolle spielt. Klar, wenn die Firmen bei ihren Produktneuvorstellugen immer von den unglaublichen schärferen Schärfen sprechen, die sowieso niemand mehr sehen kann, wird Unschärfe halt vernachlässigt. ;) Aber: Viel schärfer geht’s doch irgendwann gar nicht mehr;)
    Und was Zoomobjektive und Festbrennweiten angeht, ist es wohl auch eine Frage des Könnens oder/und der Disziplin. Wenn ich ein 50mm (Kb) O. nutze weiß irgendwann wo bei Blende x und Abstand y die Schärfe anfängt bzw. aufh. Die Zoomobjektive verleiten einfach mehr dazu die Brennweite zu verändern (sind sie ja auch dafür gebaut) und jene bestimmten Faktoren dabei zu vernachlässigen.
    Zudem kommt dass wenn ich mein Zoom-objektiv nutze, ich mich halb soviel bewege…
    Hätte ich 1600 Euro zuviel bzw. nicht zu wenig, könnte ich aber nochmal drüber nachdenken.

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  4. David sagte:

    Da lob ich mir doch mein Nikkor AF-S DX 16-85. Auch nicht verzerrungsfrei, aber auf 16mm immer noch wesentlich besser als das Canon auf 17, siehe Photozone.

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  1. […] werden, ist nun auch eine automatische Korrektur der Vignettierung (allerdings nicht der Bildverzerrungen!) bei vielen Canon-EF-Objektiven […]

  2. […] werden. Inzwischen wohl auch für das EF-S 17-85 mm 1:4,0 – 5,6 IS USM, das in unserem Praxistest nicht überzeugen konnte und derartige Softwarehilfen folglich dringend nötig […]

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