Leonard Freed:Der Weltanschauer

Leonard Freed, Ende 2006 verstorbener Magnum-Fotograf, hat zeitlebens mit der Kamera auf die Welt geschaut. Sein Werk, seine „Weltanschauung“, ist nun in Berlin zu sehen.

Leonard Freed: West Germany, 1965, By a Canal Alle Bilder © Leonard Freed / Magnum Photos
Leonard Freed: West Germany, 1965, By a Canal
Alle Bilder © Leonard Freed / Magnum Photos

Das fotografische Schauen war für Freed das geeignete Mittel, um die Welt besser zu verstehen – einerseits für seine eigene Identität, andererseits um soziale Interaktion und Strukturen zu entwirren und Klarheit zu bekommen. Die Ausstellung im Berliner C/O bis zum 5. Oktober ist die erste und einzige Station mit Freeds Bildern in Deutschland.

So lautet Leonard Freeds Motto:

«Je mehrdeutiger eine Fotografie ist, umso besser ist sie. Andererseits wäre sie Propaganda.»

Die Kamera war Freeds chirurgisches Instrument, mit dem er nicht an der Oberfläche tastete, sondern nach grundlegenden Realitäten suchte.

Leonard Freed: Israel, 1972, Jerusalem, Hassidic Jews celebrating
Leonard Freed: Israel, 1972, Jerusalem, Hassidic Jews celebrating

Wenn viele Fotografen wie Sprinter arbeiten, ihre Motive schnell einfangen, dann ist Leonard Freed der Langstreckenläufer. Er hat seine Projekte über große Zeitspannen hinweg verfolgt. Seine Reportagen haben Jahre in Anspruch genommen. Sein ruhiger und respektvoller Blick auf das Leben und den Menschen zeichnet diese Arbeiten aus.

Leonard Freed hat chassidische Juden fotografiert, nicht weil er selber einer war, sondern weil er einer von ihnen hätte sein können. Nach Deutschland kam er, um die Gewalt gegenüber den Juden zu verstehen. Schwarze fotografierte er, weil sie damals nicht als gleichberechtigte Bürger galten.

Leonard Freed: West Germany, 1965, Cologne
Leonard Freed: USA, 1963, New York, Harlem
Leonard Freed: New York, 1956, Wall Street
Leonard Freed: New York, 1956, Wall Street

Freed wurde 1929 in New York geboren und stammt aus einer Familie von jüdischen Einwanderern aus Osteuropa. Zuerst studierte er Malerei und Grafik, begann jedoch auf einer Reise erste Fotografien zu machen. 1955 übernahm erste Aufträge für Magnum. Seit 1961 arbeitete er als freier Fotograf und veröffentlichte seine engagierten Reportagen über deutsche Juden (1965), Schwarze in Amerika (1964/65) und den Sechs-Tage-Krieg in Israel (1967). 1972 wurde Freed Vollmitglied bei Magnum. Freed bezeichnete sich selbst nicht als Journalist, sondern als Autor.

Das Musée de l’Elysée in Lausanne hat die Ausstellung „Weltanschauung“ noch zu seinen Lebzeiten mit Freed zusammen konzipiert. Die Retrospektive umfasst 230 Schwarz-Weiss-Bilder. Im Steidl Verlag, Göttingen, ist ein Ausstellungskatalog erschienen.

Leonard Freed – Weltanschauung
Bis 5. Oktober
C/O Berlin, C/O Berlin im Postfuhramt, Oranienburger Str. / Tucholskystr. 10117 Berlin
Telefon +49- (0)30-28 09 19 25, E-Mail info@co-berlin.com
Geöffnet Montag bis Sonntag 11 bis 20 Uhr

C/O Berlin

Leonard Freed bei Wikipedia

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