Judith Joy Ross: Leben mit dem Krieg

In den letzten Tagen mussten wir grausame Bilder aus Georgien mitansehen. Die amerikanische Fotografin Judith Joy Ross zeigt Menschen, die den Krieg tatsächlich erlebt haben.

Judith Joy Ross: Ellen Buck, Protesting the U.S. War in Iraq, Bethlehem, Pennsylvania, 2006 Alle Bilder: Copyright Judith Joy Ross, courtesy Sabine Schmidt Galerie, Köln
Judith Joy Ross: Ellen Buck, Protesting the U.S. War in Iraq, Bethlehem, Pennsylvania, 2006
Alle Bilder: Copyright Judith Joy Ross, courtesy Sabine Schmidt Galerie, Köln

Veteranen und Dekorierte, Frauen und Mütter, Opfer und Heimgekehrte, Kriegsgegner und Demonstranten – alles müssen sie mit dem Krieg leben. Wie tief greift der Krieg in das Leben ein? Wie verändert er den Einzelnen? Judith Joy Ross porträtiert Amerikaner, die an den Kriegen in Vietnam, am Golf oder im Irak teilgenommen hatten. Wir sehen kein Lächeln, keine Freude, stattdessen Verhärtung und Zerrissenheit. „Living With War“ – die Ausstellung ist bis 5. Oktober im C/O in Berlin zu sehen.

Judith Joy Ross, Jahrgang 1946, zähle zu den wichtigen amerikanischen Fotografen in der Tradition des «dokumentarischen Stils», deren Arbeit in Europa noch zu entdecken sei. Seit über 30 Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Porträt.

Judith Joy Ross: John Brestle, Protesting the U.S. War in Iraq, Independence Mall, Philadelphia, Pennsylvania, 2007
Judith Joy Ross: John Brestle, Protesting the U.S. War in Iraq,
Independence Mall, Philadelphia, Pennsylvania, 2007

Ihre Schwarz-Weiß-Fotografien konzentrieren sich ganz auf die Gesichter der Menschen. Sie verzichten auf alle darüber hinaus gehenden Attribute. Gleichwohl geht es auch um eine historische und existentielle Dimension. Ähnlich wie in August Sanders Werk ist auch bei Ross der Mensch eingebunden in seine Zeit.

Judith Joy Ross: Chris Taylor, Protesting the U.S. War in Iraq, Tempe, Arizona, 2007
Judith Joy Ross: Chris Taylor, Protesting the U.S. War in Iraq,
Tempe, Arizona, 2007

Die Ausstellung im C/O Berlin zeigt drei Gruppen von Porträts: Die erste mit dem Titel „Protest the War» ist zugleich die chronologisch jüngste – sie entstand 2006/07 und zeigt Menschen, die in den USA gegen die Teilnahme ihres Landes am Irak-Krieg demonstrieren. Begleitet werden diese Fotografien von Aufnahmen, die vor mehr als 15 Jahren entstanden. Sie porträtieren Soldaten, die unmittelbar vor ihrem Einsatz im ersten Golfkrieg stehen. Eine weitere Reihe entstand 1983/84 am Vietnam Veterans Memorial in Washington D.C. Sie stellt in Einzelporträts dessen Besucher vor, Veteranen oder Familienangehörige, die sich der Gefallenen des Krieges in Südostasien erinnern. Zur Ausstellung ist im Steidl-Verlag, Göttingen, ein Katalog erschienen.

Judith Joy Ross – Living With War
Bis 5. Oktober
C/O Berlin, C/O Berlin im Postfuhramt, Oranienburger Str. / Tucholskystr. 10117 Berlin
Telefon +49- (0)30-28 09 19 25, E-Mail info@co-berlin.com
Geöffnet Montag bis Sonntag 11 bis 20 Uhr

C/O Berlin
Online-Galerie bei Artphotogallery.org

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