Nikon D90: Video aufnehmen mit der DSLR

Die erste digitale Spiegelreflexkamera, die auch filmen kann, stellt nun Nikon mit der D90 vor. Doch auch sonst hat die Neue einiges zu bieten.

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Die Nikon D90 mit Objektiv AF-S DX 18-105mm/3.5-5.6G ED VR: Schaut so eine Videokamera aus? Ja! (Bild: Nikon)

Zugegeben, bei meiner zur Jahrtausendwende angeschafften Sony DSC-P1 war der bereits vorhandene Videomodus mit 160 auf 120 Pixeln eher ein Witz, begleitet von einem ebenso unbrauchbaren rudimentären Ton. Ein Fotoapparat ist nunmal keine Videokamera.

Bei der Minolta 7Hi sah ich es dann schon anders: Auch dort kamen zwar nur Briefmarken-Videos mit dumpfem Ton zustande, aber immerhin schon mit ein paar Pixeln mehr, und manche Dinge sind einfach nur als Video rüberzubringen, auch wenn man zu 95% nur Standbilder machen wird als jemand, der sich beim entspannten Fotografieren eher zu Hause fühlt als beim Videofilmen, das ja die komplette Aufmerksamkeit beansprucht und einen so im Urlaub eher blockiert.

Als ich dann am anderen Ende der Welt auf diese Art auch noch eine notdürftige Videokamera dabeihatte, war ich daher schon recht froh.

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Und inzwischen kann man sich über Video-Bild- und -Tonqualität von guten Kompaktkameras wie der Panasonic Lumix DMC-LX2 eigentlich nicht mehr beschweren, wie ich nach spontanem Umschalten auf den Videomodus bei einer unerwarteten Showeinlage auf dem Burda Digital-Life-Design 08 feststellen durfte: Den Videoclips merkt man ihre Herkunft von einer Foto- statt einer Videokamera nicht mehr an, und sie sind sogar im Youtube-Zeitalter einfacher zu verarbeiten als DV-Bandaufnahmen eines echten Camcorders, den ich natürlich immer noch habe.

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Einschränkungen gibt es eigentlich nur beim Ton, der mono und im Frequenzbereich begrenzt ist – doch besser, als bei gewöhnlichen Kassettenrekordern ist er allemal noch.

Nur DSLRs konnten bisher kein Video. Der Grund: Der Bildsensor. Vor Einführung der Live View mit der Olympus E-330 waren DSLR-Bildsensoren absolut videountauglich, weil sie nur einige Male pro Sekunde ausgelesen werden konnten. Dafür boten sie bessere Bildeigenschaften und weniger Rauschen als die der Videokameratechnik entstammenden Sensoren der Kompaktkameras.

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Menüanzeige der Nikon D90 auf dem Monitor (Bild: Nikon)

Mit der Olympus E-330 kam dann der Olympus-„Live-MOS“-Sensor und inzwischen sind auch die neuen Canon- und Nikon-DSLRs mit Live View ausgestattet, auch wenn die ja angeblich niemand will (außer mir natürlich). Was liegt da näher, als nun als letzten Tabubruch auch noch einen Videomodus einzuführen?

Vieles an der neuen Nikon D90 erinnert an die Features der nur einen Tag eher vorgestellten Canon 50D – sogar die Typennummern ähneln sich! So hat die D90 ebenfalls einen 3-Zoll-Monitor mit zirka 920.000 Bildpunkten und drei Autofokus-Modi bei der Live View – hier allerdings „Porträt-AF“, „Weitwinkel“ und „Normal“. Und natürlich, genau, eine Gesichtserkennung.

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Blick in den Sucher der Nikon D90 (Bild: Nikon)

Der Bildsensor hat 12,3 Millionen Pixel, die Empfindlichkeit reicht von ISO 100 bis ISO 6400, es sind bis zu 4,5 Bilder pro Sekunde möglich und die Belichtungsautomatik arbeitet nun auch in Farbe.

Die FP-Synchronisation und der Drahtlos-Betrieb bei System-Blitzgeräten erinnern wiederum an die Olympus-E-Kameras. Alles keine sensationellen Daten, doch Stand der Technik.

Die Videoaufnahmen sind in 1.280 x 720, 640 x 424 und 320 x 216 Pixeln mit jeweils 24 Bildern/s und Mono-Ton möglich. Auch ein HDMI-Anschluß fehlt nicht.

Die Nikon D90 wiegt etwa 620 g, allerdings „gemogelt“, also ohne Akku, Speicherkarte, Gehäusedeckel und Monitorabdeckung und natürlich auch ohne Objektiv, und mißt etwa 103 x 132 x 77 mm.

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Info-LCD der Nikon D90 (Bild: Nikon)

Auch sie soll nach der Photokina Ende 2008 lieferbar sein für einen Preis von knapp 980 Euro.

Ein D90-Kit mit dem ebenfalls neuen Objektiv AF-S DX 18-105mm/3.5-5.6G ED VR, über das wir morgen berichten, soll dann knapp 1.200 Euro kosten.

Nikon D90 Produktseite

11 Kommentare
  1. Peter Sennhauser sagte:

    Milos: Kauf nen Camcorder für Video… mit der Spiegelreflex stelle ich mir Live-Zoom wärend der Aufnahme als ziemliches Debakel vor. Ausserdem: Ich habe hier noch eine D200 mit Batteriegriff und drei Akkus, die ich als Backup behalten wollte (weil ich sie liebe), aber wohl kaum mehr je benutzen werde. Interesse?

    Antworten
  2. Milos sagte:

    Hi…

    Ich suche mich momentan dumm und dämlich… kann im Internet aber nichts zu der „Video-Funktion“ finden. Mich interessiert, ob die Aufnahmezeit beschränkt ist oder unbeschränkt (je nach Kartengrösse) nutzbar ist?!

    Ich habe jetzt auch schon bei Nikon selber nachgefragt, wurde aber höflich darauf hingewiesen, dass die technischen Spezifikationen noch nicht da sind und die Kamera voraussichtlich ab dem 19.9. auf den Markt gebracht werden soll.

    Tja.. ich war eigentlich drauf und dran die D80 zu kaufen (ist im Moment supergünstig) dachte mir aber „abwarten“. Video&Foto = Zwei Fliegen auf einen Schlag. Tja.. sollte die D90 aber die Aufnahmefunktionen beschränken… kaufe ich mir lieber die D80.

    Hat jemand ev. weitere Infos dazu?!

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  3. Henning Witzel sagte:

    Mir gefällt diese Kamera bisher ganz gut.

    Mich würde sie echt als größere Kamera neben meiner kleinen D40 reizen.

    Die Videofunktion finde ich persönlich eigentlich ganz praktisch.
    Ich habe zwar eine Videokamera aber ich glaube, diese hat seit einiger Zeit den Schrank schon nicht mehr verlassen.

    Auf chasejarvisandfriens findet man die ersten Fotos die mit der Nikon D90 geschossen wurde und dazu einen kleinen Dokufilm.

    Hier gibt es auch die Videos die mit der Kamera gedreht wurden
    optyczne

    grüße Henning

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