Paolo Pellegrin:
Der Zeuge des Leidens

Als Zeuge des Leidens und manchmal des Todes anderer empfindet sich Paolo Pellegrin. Der Magnum-Fotograf stellt in Mannheim sein Panoptikum des Terrors und der Gewalt aus.

Paolo Pellegrin: Kurz nach einem israelischen Luftangriff im südlichen Beirut. Tyre, Libanon, 2006 - Alle Bilder: © Paolo Pellegrin / Magnum

Die Ausstellung mit dem Titel „As I Was Dying“ zeigt rund 50 Arbeiten aus den verschiedensten Kriegs- und Krisengebieten weltweit, die Paolo Pellegrin in den vergangenen Jahren bereist hat. Der Kontrast zwischen der dargestellten Gewalt und der formalen Schönheit der Bilder macht das Besondere seiner Arbeit aus.

Als Foto-Journalist blickt Paolo Pellegrin, Jahrgang 1964, ganz genau auf das Geschehen. Er fängt Momente und Einzelheiten ein, anhand derer das Monströse der Kriegsgewalt vielleicht überhaupt erst fassbar wird. Seine Bilder erscheinen wie universale Schöpfungen über den Schrecken und die Angst.

Paolo Pellegrin: Ein Hubschrauber, der von der amerikanischen DEA (Drug Enforcement Administration) und afghanischen Truppen im Kampf gegen Drogen eingesetzt wird. Afghanistan, 2006

Die Bilder des italienischen Fotografen erzählen von der grausamen Natur des Krieges und seinen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Pellegrin zeigt dem Betrachter in den Schwarzweißfotografien Orte und Menschen in Ausnahmesituationen: so im Kosovo, in Serbien, Palästina, Afghanistan, im amerikanischen Lager Guantanamo, auf Haiti, Indonesien oder Albanien. Es sind Szenen der offenen und verdeckten Gewalt. Gezeigt werden Täter wie Opfer, manche von ihnen gezeichnet von den Gräueln eines Krieges oder Terroraktes.

Paolo Pellegrin: Ein an Cholera erkranktes Kind und seine Mutter. Luanda, Angola, 2006

Paolo Pellegrin sagt über seine Arbeit:

Wenn ich meine Arbeit mache und das Leiden anderer erlebe – ihren Verlust und manchmal ihren Tod –, dann fungiere ich nach meiner Empfindung als Zeuge. Es ist meine Rolle und meine Verantwortung, Aufzeichnungen für unser kollektives Gedächtnis zu schaffen. Das hat etwas zu tun mit Vorstellungen von Rechenschaft. Diese Menschen werden vielleicht nur im Moment ihres Leidens wahrgenommen, und die Wahrnehmung wiederum macht uns die Ausrede unmöglich, wir hätten nichts gewusst. Gleichzeitig spüre ich, dass es in diesem sehr heiklen und fragilen Raum, der den Tod umgibt – ein Raum, in den ich manchmal sowohl das Privileg wie auch die Bürde habe einzutreten –, dass dort die Möglichkeit einer Begegnung existiert, die über alle Worte und jede Kultur und alle Unterschiede hinausgeht. Man ist einander und dem Mysterium des Sterbens ausgesetzt. Ich spüre, dass ich in diesem Augenblick etwas betrachte, dass ich nicht vollständig sehen kann, das mich aber ansieht. In diesem Austausch lässt sich etwas Universales und zutiefst Intimes finden. Der Tod des Anderen bedeutet einen Verlust, der jeden Menschen angeht.

Paolo Pellegrin ist seit 2005 Vollmitglied bei der Fotoagentur Magnum. Auf der Website von Magnum Photos könnt Ihr mehr über ihn sehen. Er lebt in New York und Rom. Die Ausstellung „As I Was Dying“ wurde mit dem Leica European Publishers Award 2007 und dem Deutschen Fotobuchpreis 2008 ausgezeichnet: Edition Braus im Wachter Verlag, As I Was Dying, 45,00 €.

Paolo Pellegrin – As I Was Dying
Bis 11. Januar 2009
In den Räumen des Museums Weltkulturen D5 der Reiss-Engelhorn-Museen, D 5, 68159 Mannheim
Infobüro +49 (0) 621 – 293 31 50, ruth.wieczorek@mannheim.de
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr auch an den Feiertagen; geschlossen Heiligabend und Silvester

Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim
Magnum Photos
Wiki über Pellegrin

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  1. […] auf die ebenfalls in den Reiss-Engelhorn-Museen am gleichen Ort gezeigte Schau mit den Bildern von Paolo Pellegrin hingewiesen. Wer die “Weltstars” besucht, kann sich zusätzlich ermäßigt auch […]

  2. […] Unbekannten, der Niederländer Jan Banning mit seinen Bürokraten dieser Welt oder Magnum-Fotograf Paolo Pellegrin (As I was […]

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