Stromschafe:
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Großartige Fotos kommen nicht von ungefähr. Trifft man auf ein Szene mit großem fotografischen Potential, so kann es schwierig sein, die vorhandenen Elemente so einzufangen, dass man „das Foto“ macht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Kai Brinkmann).

Kommentar des Fotografen:

STROM UND SCHAF Das brave Wolltier wird aufs Finsterste von der Großindustrie überschattet. Zu sehen sind der Schattenwurf und Leitungen der riesigen Strommasten an der Elbe bei Hetlingen.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Kai Brinkmann:

Alles war an Ort und Stelle, um von dem Fotografen zu einer visuell interessanten, farbintensiven Komposition geformt zu werden, die mit Formen und Perspektiven gefüllt ist. Ich glaube jedoch, wir haben hier den Fall, dass der Fotograf zu schnell aufgegeben hat, um ein großartiges Bild aus einer Situation mit großem Potential zu machen:

Meist ist es auch dann noch eine Herausforderung, vorhandene Elemente im fotografischen Rahmen so zu arrangieren, dass ein aufsehenerregendes Bild herauskommt, wenn alle Elemente vorhanden sind. Aber wenn so eine tolle Situation genau vor Deiner Nase auf Dich wartet, dann geht es nur noch darum, dran zu bleiben, bis alle Möglichkeiten erschöpft sind und Du „das“ Foto im Kasten hast.

Was dieses Bild von all den typischen Fotos mit grünen Feldern und blauen Himmeln unterscheidet, sind die Schafe und die über die Wiese verteilten Schatten, sowie die Stromleitungen, die unseren Blick in die Ferne führen. In solchen Szenen können diese Elemente ein stereotypisches oder plakatives Bild in etwas neuartiges und visuell Interessantes verwandeln.

Die auffälligsten Fehler, die ich sehe und die am Computer behoben werden können, sind die ausgewaschenen, faden Farben und die große leere Fläche im Vordergrund.

Bearbeitete Version

Als Du das Foto aufgenommen hast, hättest Du Deine Belichtung nach den hellen Stellen richten, weiter an die Schafe herangehen und die Stromkabel in der Mitte der oberen Bildkante anstatt seitlich platzieren sollen.

Es passiert uns allen hin und wieder, dass wir nach Hause kommen und merken, dass die Fotos, die wir gemacht haben, nicht so gut geworden sind, wie wir dachten oder wie sie hätten sein können.

Wenn man aber mit einer Szenen konfrontiert wird, die so viel Potential bietet, dann heißt es, lange und hart genug daran arbeiten, bis Du keinen Zweifel mehr hast, sie angemessen eingefangen zu haben.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Kai Brinkmann (Fotograf) says:

    Hallo Douglas
    Deine Kritik trift den Punkt : ich neige tatsächlich dazu
    ein einmal erkanntes Motiv als bereits „eingefangen“ oder
    gar „gelungen“ zu betrachten.Über die große Leerfläche im
    Vordergrund breite ich besser den Mantel des Schweigens
    („Rotstich“).Hinsichtlich der Farbgebung habe ich mehrere
    Varianten auf der Festplatte,auch gesättigtere und
    kontrastreichere.Einerseits erhält man die gewünschte,
    stärkere Abstraktion,andererseits wirken die Farben dann
    feist und „bonschig“.Hinzu kommt das ich erst nach der
    Zusendung des Bildes das notwendige Werkzeug zur
    Monitorkalibrierung erworben habe.
    Vielen Dank für Deine Mühe !
    Kai

    Antworten

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