Zeche Zollverein:
Eine Szenerie bearbeiten

Mach Deine Fotos, hab Spaß und mach sie so aufsehenerregend und interessant, wie Du magst und kannst. Aber um richtig interessante Bilder zu machen, solltest Du Deine Kamera zur Seite legen und erst einmal nachdenken.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Volker Hackmann).

Kommentar des Fotografen:

Kokerei Zollverein in Essen. Bei einem Ausflug habe ich spontan dort angehalten und bin mit meiner Kamera durch die Anlagen gelaufen. Das rostige Metall und die Linien der Konstruktion haben mich irgendwie eingefangen. Die Vignettierung sowie einige Korrekturen wurden in Camera Raw vorgenommen.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Volker Hackmann:

Gleich Vorneweg: Ich finde, dass Du mit deinem Bild zufrieden sein und es dabei belassen solltest. Warum auch nicht? Du hast Linien, Formen, Kontrastfarben, einen unorthodoxen Kompositionswinkel und noch dazu die Erinnerung an Dein Erlebnis.

Wenn Du diese Frage nicht beantworten kannst, dann hör hier auf zu lesen. Du kannst Deine Kamera nehmen, rausgehen, um mehr Fotos zu schießen und voll zufrieden sein. So einfach ist das.

Liest Du allerdings weiter, dann solltest Du Dich auf Pandoras Büchse gefasst machen, die hier folgt und Dein künftiges fotografisches Dasein verkomplizieren könnte.

So wie ich es sehe, sollte diese Art Foto ausreichen, um Dich selbst und die Schwiegereltern zu beeindrucken, wenn Du ein Hobbyfotograf bist. Vielleicht wären noch stärkere Farben und ein anderer Blickwinkel von Vorteil, aber am Ende wird es keinen großen Unterschied machen.

Wenn Du es aber ernst nimmst und nachhaltige Arbeit mit künstlerischem Anspruch schaffen willst, so solltest Du ein Thema wählen, das Dir etwas bedeutet und dann innehalten, um darüber nachzudenken, was diese Bedeutung genau ist. Dann solltest Du den Gegenstand ausrecherchieren, so viel darüber lesen wie Du kannst.

Danach kannst Du herausfinden, wie Du es fotografieren willst, und zwar nicht nur als hübsche, zweidimensionale Repräsentation eines Objekts, sondern als eine visuelle Behauptung, die Du über seine kulturelle oder gesellschaftliche Auswirkung machst.

Ein gutes Beispiel solcher Arbeit wäre die von Bernd und Hilla Becher. Sie sind bekannt für ihre Bilder von Wassertürmen, Minenschächten, Fabriken und anderen solchen Dingen. Sie verwandten Schwarz-Weiß-Film und fotografierten auf eine sehr einfache, direkte Weise, wobei jedes ablenkende Element ausgeschlossen wurde.

Das Resultat wirkt zunächst nackt und wenig überzeugend. Erst wenn Du länger hinguckst, dann wirst Du sehen, wie die Gebäude so viel mehr repräsentieren als nur die grundlegenden architektonischen Linien und Formen.

So, nun, da Pandoras Büchse geöffnet ist, liegt es an Dir: hübsche Fotos oder künstlerischer Ausdruck.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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2 Antworten
  1. Martin says:

    Tolle Kritik, genau das ist die Frage: Was will man und wie ist das Verhältnis Aufwand-Ergebnis? Amateurmäßig knipsen und Momente festhalten, die einem selbst wichtig sind, kann absolut genug sein, so ist es :).

    Antworten

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