Schlange im Sand: Schneidende Schärfe

Geringe Schärfentiefe zeichnet gute Objektive aus und eröffnet Möglichkeiten zur Bildgestaltung. Sie kann aber auch eigenartige Effekte verursachen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Florian Beyer).

Kommentar des Fotografen:

Diese Ringelnatter fungierte als Testobjekt für meine erst DSLR. Aufgenommen im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Peter Sennhauser meint zum Bild von Florian Beyer:

Was grenzt Spiegelreflexkameras von kompakten digitalen ab und wird es immer tun? Die Schärfentiefe. Denn wohl kann das Verhältnis von Brennweite zu Blende, nicht aber die physikalischen Eigenschaften der Lichtbrechung so beliebig miniaturisiert werden wie viele andere technische Eigenschaften.

Deswegen eröffnen sich Dir als Fotografen mit einer Spiegelreflex ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten – und je mehr Geld Du ausserdem für teures Glas in Form lichtstarker Objektive ausgeben magst, desto grösser wird der Spielraum.

Die Schärfentiefe, also die „Dicke“ jener „Schicht“ im Raum vor Deinem Objektiv, in deren Bereich liegende Motive scharf abgebildet werden, nimmt bei grosser Blende (kleine Blendenzahl) ab:

Der Effekt verstärkt sich mit grosser Brennweite und je näher Du dem Motiv bist.

Das lässt sich wunderbar einsetzen für radikale sogenannte „Freistellungen“: Porträts werden meist mit einem leichten Tele ab 80mm bei weit offener Blende und einem Abstand zum Motiv von einigen Metern, bei gleichzeitig deutlich zurückgesetzem Hintergrund aufgenommen.

Auch in der Tele-Tierfotografie lassen sich mit diesem Effekt wundervolle Freistellungen vornehmen, die noch besser werden, je grösser der Kontrast zwischen Hintergrund und Motiv ist.

Um das alles jetzt auf Dein Bild anzuwenden: Du hast diese Ringelnatter offensichtlich aus relativ geringer Nähe mit zugleich hoher Brennweite und weit geöffneter Blende fotografiert. Falls das nicht von Hand mit der „A“-Einstellung geschehen ist, die Dir die Wahl der Blende lässt und die Kamera dazu bringt, die Verschlusszeit anzupassen, hat die Kamera in der „P“ (Programm) oder „S“ (Verschlusszeitenwahl) alle Einstellungen vorgenommen – und die sind leider nicht ideal.

Zwar hast Du richtigerweise auf das Auge der Schlange scharf gestellt. Aber durch die geringe Schärfentiefe der Einstellungskombination ergibt sich eine sehr schmale Schärfentiefe. Daran ist vorderhand nichts auszusetzen: Wenn Du die Länge des Schlangenkörpers darstellen wolltest, wäre es ein wirksames Mittel, die Schlange von vorne abzulichten und ihren Körper in der Unschärfe verschwimmen zu lassen.

In dem Winkel allerdings, den Du hier gewählt hast, irritiert die Schärfentiefe: Sie fängt jeweils in einem Bereich kurz vor dem Fokuspunkt an und reicht etwas tiefer in die Bildebene hinter dem Fokuspunkt.

Das führt hier dazu, dass nicht nur der Hinterkörper der Schlange, sondern eben auch der in den Vordergrund hineinragende Teil des Körpers unscharf ist. Dadurch ergibt sich der eigenartige Eindruck einer Schärfenebene, welche die Schlange in drei Teile „zerschneidet“.

Abhilfe hätte entweder eine etwas kleinere Blende geschaffen; oder aber Du hättest mit vorsichtigem Probieren den Fokus vom Auge der Schlange weg etwas mehr in den Vordergrund legen können, bis sowohl die Körperwindung im Vordergrund als auch der Kopf noch in der Schärfentiefenebene gelegen hätten. Grade bei einer Kontrastreichen Umgebung wie dem Sand hier ist es verhältnismässig einfach, die Wirkung einzuschätzen, weil die Schärfentiefe sehr leicht erkennbar ist.

Übrigens muss bei der Gestaltung eines Bildes mit der Blende und der Schärfentiefe bedacht werden, dass im Sucher immer die Einstellung mit der grössten Blende zu sehen ist: Wenn Du also die Blende verkleinerst, wird sich das zunächst nicht auf das Auswirken, was Du im Sucher siehst. Dazu haben die meisten Kameras einen Abblendknopf, der erst die Blende auf den eingestellten Wert schliesst, und mit dem Du die Schärfentiefe kontrollieren kannst.

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2 Kommentare
  1. Florian Beyer sagte:

    Danke erst einmal für die sehr schnelle Bewertung meines Bildes und auch für die sehr ausfürliche Beschreibung, was man hätte besser machen können.

    Ja, sie haben recht,
    dass ich im Modus P fotografiert habe.
    Zugegebenermaßen ist dies wohl von Nachteil,
    wenn man sich intensiv mit Komposition und Bildmotiv auseinandersetzen möchte.

    Leider hatte ich während dieser Aufnahmen nicht die nötige Zeit, um gewisse Aspekte zu überdenken, jedoch
    ist Ihre Kritik sehr hilfreich für kommende Fotographien.

    Zum Kommentar: Nein ,die Unschärfe rührt vom Objektiv her.
    (Standard Objektiv des 450D-Kits, also 18-55mm, aufgenommen mit Blendenwert 5,6 mit 55mm Brennweite)

    MfG

    Antworten

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