Architektur: Banken im Nebel

Nebelbilder wirken am besten, wenn etwas aus der Suppe herausragt. Und wenn man in sie hineinzoomt.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Urs Mücke).

Kommentar des Fotografen:

Nebel, nasskaltes Wetter, Baustellen und pures Stadtleben (Frankfurt) verleiten leicht zu solch düsteren, mysteriösen Aufnahmen. Die Schwarz/Weiß-Aufnahme zeigt mehrere Hochhäuser im Stadtkern von Frankfurt am Main.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Urs Mücke:

Die Bankenkrise ist noch nicht vorbei, die Weltwirtschaft taumelt, und in Frankfurt versinken mächtige Kreditinstitute im Nebel. Auch ohne Krise würde dieses Bild eine enorme Stimmung ausstrahlen. Denn wenn das Wetter nicht gefällig ist, werden Fotos zuerst außergewöhnlich und dann spannend.

Inhaltlich ist der Fotograf hier richtig an die Sache herangegangen. Nebel erkennt man besonders deutlich, wenn etwas aus dem Nebel herausragt, hier die Hochhäuser. Ansonsten würde man ja einfach nur eine weiße Suppe ablichten. Bedrohlich ragen jedoch hier die Strukturen empor und geben dem Bild damit eine Struktur und den inhaltliche Rahmen.

Ein wenig passiert auf dem Bild aber das, was sehr wahrscheinlich jeder aus eigener Erfahrung kennt, wenn er auf Nebel zugeht. Von weitem sieht die Nebelwand eindrucksvoll aus. Nähert man sich ihr jedoch, scheint sie vor einem zurückzuweichen. Nie kommt der Fotograf wirklich nah genug heran, um mit einem Weitwinkel „viel Nebel“ aufzunehmen.

Hier hilft nur ein Trick – das Teleobjektiv. Damit kommt man nah an die Nebelwand heran, ohne dass sie „fliehen“ könnte. Hier auf dem Foto ist ein Normalobjektiv (54 mm) verwendet worden. Damit sind vor allem die hinteren Gebäude von Nebel umhüllt, die allerdings schon wieder so klein sind, dass sie kaum noch wahrgenommen werden.

Besser wäre es gewesen, auf die Gebäude zu zoomen, weiterhin die Flucht der Straße im Bild zu belassen und vielleicht sogar ein Haus als Vordergrund zu wählen.

Damit hätte sich die Stimmung noch verstärkt, die momentan weltweit alles zu bestimmen scheint.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Urs sagte:

    Hallo! Vielen Dank für die Besprechung meiner Aufnahme. Sicherlich herrscht auch bei diesem Foto einiger Optimierungsbedarf, der von Jan richtig herausgearbeitet wird. Mir hat diese Aufnahme vor allem eins bewiesen: Schnappschüsse auf einer hektischen Stadttour sind das eine, mehr durchdachte Aufnahmen das andere. Eine weitere Fototour durch eine unbekannte Stadt in aller Ruhe steht schon auf meiner ToDO-Liste, nur noch nicht terminiert.

    Antworten

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