Architekturbild: Ein Element zu viel

Bei Architekturbildern wird eine gute Komposition erleichtert, weil der Architekt die halbe Arbeit schon gemacht hat. Aber eben nur die halbe. Zu viele Einzelheiten in ein Bild zu packen kann dazu führen, dass alle Elemente des Fotos schwach wirken.

Das Kunst- und Kulturzentrum Luzern. Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Jörg Bühlmann).

Kommentar des Fotografen:

Eingangsfront des Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL), Schweiz. Der französische Architekt Jean Nouvel hat das KKL Luzern entworfen und zwischen 1995 und 2000 nach seinen Plänen bauen lassen. In der Spiegelung erkennt man das Luzerner Seebecken und die Stiftskirche.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von J?rg B?hlmann:

Für jeden, der halbwegs über kompositorische Fähigkeiten verfügt, ist es relativ leicht, ansprechende Fotos von Gebäuden oder anderen Strukturen zu machen. Da Architekten die Außenwände von Gebäuden ästhetisch interessant und symmetrisch gestalten, ist für Fotografen die halbe Arbeit schon gemacht.

Mittelmäßige Fotos von solchen Gegenständen zu machen ist leicht, wirklich gute von genau dem gleichen Motiv dagegen, können ziemlich schwierig sein. Dieses Foto ist ein erstklassiges Beispiel dafür.

Das Foto ist in zu einem Grad visuell interessant, da die architektonischen Elemente gut eingefasst sind. Der Fotograf benutzt sie, um unsere Augen von der Vorderseite des Bildrahmens nach hinten zu führen und dann durch die Gesamtheit der Fassade, an der wir die Reflektion der Stadt leicht erkennen können.

Und hier fangen die Probleme an. Anstatt daran zu denken, wie man das Gebäude am besten aufnehmen kann, hat der Fotograf versucht, das Gebäude mit der Reflektion in den Fenstern zu kombinieren. Das Ergebnis ist, dass weder das Gebäude noch die Reflektion der Stadt wirklich gut dargestellt sind.

Um ein eindrucksvolleres Bild des Gebäudes von dieser Stelle aus zu erhalten, wären eine größere Ansicht und ein Polarisationsfilter hilfreich gewesen.

Die Reflektion in den Fenstern ist interessant, aber sie ist für den Betrachter nicht klar und verständlich genug. Sie ist eher etwas störend.

Ein anderer Spot, ohne das Geländer, das die Glasfassade verstellt, hätte die Reflektion besser betont. Um die Motive besser hervorzuheben, wäre auch hier ein Polarisierungsfilter hilfreich gewesen. Er hätte das Glas verdunkelt und andere Reflektionen vermieden.

Passionierte Fotografen können durch einen Blick durch den Sucher durch fotografische Möglichkeiten in Aufregung versetzt werden. Aber zu viele Elemente in einem Foto können dazu führen, das ein Foto nicht so eindrucksvoll wird, wie man erwartet hat.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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