Strassenfotografie:
Rom, ganz anders

Das geeignete Motiv zu finden, ist nur der erste Schritt auf dem Weg, gute Fotografien von Straßen zu machen. Als nächstes muss man geduldig sein, planen und warten, bis die Elemente zusammenfallen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Hristo Hristov).

Kommentar des Fotografen:

Rom

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Hristo Hristov:

Straßenfotografie hat sich seit den frühen 1920er Jahren, als Henri Cartier-Bresson und André Kertész durch Europas Straßen wanderten, stark verändert.

In den 1960er und 1970er Jahren durchstreiften Lee Friedlander und Garry Winogrand New York City und brachten die Straßenfotografie auf ein völlig neues Level. Heute versuchen Fotografen neue Techniken auf diesem Gebiet, zum Beispiel mithilfe komplizierter künstlicher Beleuchtungsanordnungen.

Schwarzweiß oder in Farbe, natürlich oder künstliceh Beleuchtung, es ist wichtig, die „Joie De Vivre“, das Flair einer Stadt und ihrer Menschen einzufangen.

Für mich zumindest ist das Foto interessant und überraschend, weil es eben nicht genau das darstellt, was ich mir von Rom erwartet hätte.

Die Posen der Männer und die Interaktion zwischen ihnen wecken meine Aufmerksamkeit und wirken irgendwie seltsam. In dieser Situation könnten viele Dinge passieren – und das macht diese Szene so interessant.

In der Komposition hätte einiges besser sein können. Die Gegenstände in der rechten Bildhälfte hättest du entweder nicht mit ins Bild nehmen sollen oder du hättest sie so aufnehmen sollen, dass sie dein Motiv geschickt umrahmen.

Obwohl du einen interessanten Moment eingefangen hast, scheint es, als ob die Situation nicht ihren Höhepunkt erreicht hat, der „entscheidende Augenblick“ ist noch nicht passiert (um Cartier-Bressons berühmten Ausdruck zu benutzen).

Wenn du gewartet hättest, hätten die Männer natürlich auch weg sein können und du hättest gar kein Foto gehabt. Aber wäre das wirklich ein Verlust? Ich bin mir da nicht sicher. Manchmal ist es besser, auf mehr zu warten und am ende ganz zu scheitern, als ein mittelmäßiges Foto zu machen.

Wenn dir solche Szenen begegnen, solltest du versuchen, wie eine Fliege, die still an der Wand sitzt, den richtigen Moment abzuwarten, bevor du abdrückst. Während des Wartens kannst du dir die Szene bildlich vorstellen und dir überlegen, wie du sie einrahmen willst.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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