Hofhund Atlas: Typischer Motivkonflikt

5 Kommentare
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    Ronnie Vetsch sagte:

    @ Corinne&Peter

    Ich wollte kein Bilderrätsel erstellen, klar, aber mir hat gefallen, dass man zwei- oder dreimal hinschauen muss. Ich verstehe Peter aber so, dass dies der Holzweg ist: die Bildaussage muss SOFORT und unmittelbar erfasst werden können, oder? Denn wer schenkt heute einer Sache, die des ersten Blickes nicht würdig war, einen zweiten?

    Zum Hund: Das Tier ist – aus meiner Erinnerung – ein für die Umstände dort ganz normal gehaltener Hofhund mit einer wichtigen Funktion: Wächter, Punkt. Wie alle seiner Kollegen in jener ärmlichen bäuerischen Gegend. Für uns – mich – schon ernüchternd, das gibts keine Zuneigung für den armen Kerl. Das hat mich ja auch beeindruckt, siehe seine «Miene» (der verkriecht sich zuerst, bevor er wächtert…). Aber Mitleid ist auch ein schlechter Beweggrund, wie ich Euch verstehe. Besonders wenn man dann noch in Ästhetisierung abgleitet…

    Noch zum Beschneiden, Peter: Verliert das ganze nicht ein bisschen an Dramatik und wird zum gewohnten Bild? Im Sinn von «so sehen Bilder aus, die sich auf den Transport der Botschaft fokussieren». Ich spreche damit, unabhängig von meinem Foto, eine mögliche Uniformierung von Bilder an; könnte es sein, dass wir alle zusammen irgendwann «gleich/ähnlich» sehen? Dass wir Bilder, die wir sehen, gleich/ähnlich korrigieren/kommentieren würden? Das darf doch nicht eintreten, da sind wir uns bestimmt einig..

    Material zum Kommentieren gibt’s ja zurzeit an der PHOTO08 genügend :-)

    Herzliche Sonntagsgrüsse
    Ronnie

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    Peter Sennhauser sagte:

    @Ronnie:

    ich bin niedergeschmettert

    Aber warum denn? Dir ist ein sehr interessantes Bild gelungen, das man, wie ich meine, hätte noch besser machen können.

    @Ronnie & Corinne: Ich bin ebenfalls der Meinung, ein Bilderrätsel ist etwas anderes als eine gute Fotografie. Das geht aber noch weiter: Kunst ist etwas anderes als Journalismus. Ich möchte bei diesem Bild die Interpretation doch dem Betrachter überlassen. Denn keins der Bilder vermittelt „die Wahrheit“, und man könnte sogar sagen, dem Hund ist egal, was sich über ihm türmt – im Gegensatz zu andern Kettenhunden hat er einen Unterschlupf, der ihn vor Sonne, Wind und Regen schützt.

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    Corinne ZS sagte:

    Liebe Ronnie
    Wenn es darum geht, wer wie lange braucht, um den Hund zu entdeckten, dann verliert das Bild mit dem Entdecken des Hundes schlagartig und für immer an Spannung. Ein fesselndes Bild lässt meine Augen hierhin und dorthin schweifen und dann noch ganz woanders hin. Immer weiter und jedesmal, wenn ich es betrachte. Bei Deinem Bild sieht man den Hund immer, wenn man ihn einmal entdeckt hat. Kommt hinzu, dass er für mich von Mal zu Mal trister aussieht. Was muss das für ein Mensch sein, der hier einen Hund ankettet? Was muss das für ein Hund sein, der sich so verkriecht? Deshalb sträubt sich in mir etwas dagegen, das Bild als kleines nettes Rätsel zu sehen. Über die Struktur des aufgetürmten Gerümpels zu sinnieren, dieses gar als Symbol für die Last des Lebens zu nehmen. Wenn hier ein Hund gezeigt wird, der unter erbärmlichen Umständen leben muss, dann muss das auch eine Bildaussage sein, finde ich. (Ich glaube nicht, dass sich hier ein tiptop gehaltener Hund einfach mal kurz in den Schatten legt.) Ich möchte fast unterstellen: Hier wird tierisches Elend ästhetisiert. Sicher ohne Absicht. Aber deshalb haben wir ja die Möglichkeit, einen zweiten Blick auf ein Bild zu werfen und uns zu fragen: Was spielt sich hier genau ab und wie erzählen wir es am besten. Ich würde deshalb entweder das Gerümpel fotografieren und den Hund ganz weglassen, oder das Elend des Hundes deutlich zeigen. Meinetwegen mit Hilfe des Gerümpels.

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    Ronnie Vetsch sagte:

    Nachtrag zum Kommentar: Noch ein Gedanke zu unserem Bild/Kommentar. Ich empfinde eine Irritation, die ich nicht einzuordnen vermag: Ich finde die gesamte Kritik treffend und trotzdem verunsichert mich, dass damit im Bild etwas verloren geht, was mir gefallen hat: das Entdecken oder eben nicht Entdecken meines Motivs, des Hundes; ich habe alle Betrachter des Bildes daran «gemessen» ob sie «mein Motiv» entdeckt haben. Wenige, tatsächlich. Wenn ich das Bild jetzt optimiere, fällt dieser Effekt weg. Bedeutet dies «Profi-Bildqualität»…? Festtagsgrüsse, R.V.

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    Ronnie Vetsch sagte:

    Danke, Peter Sennhauser, ich bin niedergeschmettert. Es trifft alles zu, was Du kommentierst. Bloss eines: mir hat das «Vexierbild» mit dem Hund gefallen, allen, denen ich das Print gezeigt habe, übersahen den armen Kerl.
    Und das SW ist tatsächlich eine Katastrophe.
    Meine Augen sind geöffnet. Ich versuche es besser zu machen.
    Danke und beste Festtagesgrüsse
    Ronnie Vetsch

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