Ameisenbild: Nachlässige Komposition

Interessante Inhalte verbunden mit einer nachlässigen Komposition ergeben keine guten Fotos.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Roman Keller).

Kommentar des Fotografen:

Ich gehe gerne auf Fotosafari in Natur. Speziell haben es mir Insekten, und allgmein alles was klein ist und sonst nicht so auffällt, angetan. Per Zufall sind mir diese Ameisen vor die Linse geraten und nach dem Upload auf den Mac ist mir der Umfang der Farben erst aufgefallen. Da dieses Foto einen schönen Einblick in den Mikrokosmos ermöglicht und schönes gelb und grün mischt darum mag ich es besonders.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Roman Keller:

Was du in deinem Text über das Foto geschrieben hast, ist wahr. Die Ameisen sind ein Blickfang, die Farbvielfalt fällt auf und wir erhalten einen Einblick in einen Mikrokosmos, den wir normalerweise nicht wahrnehmen.

Trotzdem ist das kein Meisterbild. Warum nicht?

Das größte Problem ist die Komposition des Fotos. Sie ist etwas unordentlich, und unsere Aufmerksamkeit wird nicht stark genug auf die Bildelemente gelenkt.

Die Ameisen, um die es geht.

Lass uns hinschauen. Es scheint, als ob du beim Fotografieren am meisten an den Ameisen interessiert warst. Wenn das so ist, warum bist du nicht näher heran gegangen, so dass man sie detaillierter sehen kann? Die Blumen und die Farben im Hintergrund wären trotzdem noch sichtbar gewesen.

Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach, dass du dich zu sehr auf den Bildinhalt konzentriert hast und weniger auf das Fotografieren an sich.

Das ist ein Fehler. Jedermann kann alles was er sieht fotografieren. Die Kunst ist, dabei ein interessantes Foto entstehen zu lassen.

Abgesehen vom Problem mit den Ameisen, gibt es noch zwei weitere augenscheinliche Fehler: Du hast die Blüte im Vordergrund abgeschnitten und du hast den Bildrahmen nicht vertikal ausgerichtet – was sich angesichts der Inhalte auf jeden Fall aufdrängt.

Die Ameisen, diesmal im Hochformat.Normalerweise schneidet man keine Objekte am Bildrahmen ab, besonders dann nicht, wenn sie in dem Foto eine zentrale Rolle einnehmen. Es sei denn, man hat einen guten Grund dafür.

Die drei Blumen sind sehr stark vertikale Elemente in deinem Foto. Die Frage ist, warum du den Bildrahmen dann nicht vertikal ausgerichtet hast?

Ich verstehe sehr gut, dass man von einem Motiv begeistert ist und deshalb schnell ein Foto macht. Das tun wir alle.

Aber unabhängig vom Bildinhalt entstehen richtig gute Fotos normalerweise erst, nachdem man die Szene genau beobachtet hat und sich überlegt hat, wie man den Rahmen am besten setzt und wie man das Motiv darstellen will.

Es gibt ekien Grund, Schnappschüsse aus etwas zu machen, das man durchaus hätte gestalten können.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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