Künstler zum Klimawandel: „Gradwanderung“

Wissenschaftler stellen massive Eisschmelze in der Arktis fest, die Gletscher schrumpfen und die Hurrikane nehmen zu. Im Kunsthaus Kaufbeuren gibt es hierzu eine Ausstellung.

Mike Hollingshead, Tornado VI

Wer wissenschaftlich oder auch nur journalistisch über den Klimawandel, das schmelzende Arktiseis, die Jahrhundertstürme, die nun jährlich auftauchen, berichtet, sieht sich massiven Repressionen ausgesetzt: Kaum etwas bringt die Gemüter so auf wie der Klimawandel und die mögliche Mitschuld der Menschheit, der Gedanke, am Lebensstil etwas ändern zu müssen.

Künstler aus dem In- und Ausland haben darauf mit Fotografien, Videos und Installationen reagiert, die im Kunsthaus Kaufbeuren demnächst augestellt werden:

Die Werke zeigen Landschaften, die noch intakt sind, doch den schleichenden Prozess der Veränderung in der Natur zeigen. Andere nähern sich dem Thema wissenschaftlich-

Olaf Otto Becker, Inlandeis 2, GrönlandPeter Bialobrzeski, Rungholt 7, Sylt, 2007Die Schönheit der fotografierten Landschaften kontrastiert mit dem Pessimismus der wissenschaftlichen Vorhersagen. Großformatige Abzüge von weißen Gletschern und dazu kontrastierenden smaragdgrünen Gletscherschmelzwasserflüssen von Olaf Otto Becker lassen die Gletscherschmelze fast romantisch werden..

Prognosen von Wissenschaftlern müssen in die Fotografien von Peter Bialobrzeski hineingedacht werden, um die Dringlichkeit der Aussage zu verstehen. Durch den Anstieg des Meeresspiegels werden die gezeigten Strände der Insel Sylt verschwinden und das gleiche Schicksal erleiden, wie es vielen Städten, Inseln und Landschaftsstrichen in der Südsee vorhergesagt wird.

Mike Hollingshead, Tornado IVDer professionelle Sturmjäger Mike Hollingshead fasziniert mit seinen Tornadofotos für die Gewalt der Natur.

Der Magnum-Fotograf Stuart Franklin zeigt die Kulturlandschaft eines spanischen Golfplatzes, dessen hoher Wasserverbrauch im Widerspruch zu ausgetrockneten Landschaftsregionen des Landes steht.

Die filmischen Dokumente des Künstlerduos Haubitz+Zoche zeigen bereits Auswirkungen des Klimawandels: Haubitz + Zoche, Above SealevelIn ihrem Video thematisieren sie die katastrophalen Überschwemmungen, die ein Umsiedeln ganzer Nationen zur Folge haben können.

Kalle Laar hat für sein Werk „Calling the glacier“ ein Aufnahmegerät am Gletscher installiert, dessen Abschmelzen über das Telefon zu hören ist.

Einen von den immer rarer werdenden Schneemännern konserviert Christoph Wank in einer Eisvitrine. Wetterphänomene bestimmen auch das Werk von Stephan Huber.

Olaf Otto Becker, Oquaatsut 2, GrönlandDas Künstlertrio Ann Rosenthal/Steffi Domike/Suzy Meyer thematisiert den Verbrauch der Energie für die Transportwege von Nahrungsmitteln, die in Länder ex- und importiert werden.

Der Frage „Was kommt nach dem Öl?“ gehen die Künstlerinnen Karin Bergdolt, Elizabeth Monoian und Ann Rosenthal in ihrer Arbeit nach. Peter Fend entwickelt ein visionäres Energiekonzept für das Lechtal, in dem beispielsweise früher gebräuchliche Energiequellen wie Wasserräder die heutigen Stauseen und Staudämme ablösen sollen.

kunsthaus kaufbeuren, Spitaltor 2, 87600 Kaufbeuren

Tel. 08341/8644 Fax. 08341/8655, 20. Februar bis 14. Juni 2009

Öffnungszeiten Di – Fr 10 – 17 Uhr, Do 10 – 20 Uhr, Sa / So / Feiertage 11 – 17 Uhr, Mo geschlossen, Eintritt Erwachsene 5,00 €, Senioren 4,00 €, ermäßigt 3,00 €, Schüler 1,50 €

7 Kommentare
  1. Wolfgang sagte:

    Hallo Peter, es war mir nicht deutlich, dass dies der Titel der Ausstellung ist, ich dachte, es sei einfach eine Überschrift zu diesem Beitrag.
    Insofern ist jetzt alles deutlicher :-)

    Gruß
    Wolfgang

    Antworten
    • Peter Sennhauser sagte:

      Wolfgang, um ganz ehrlich zu sein: Ich bin mir auch nicht sicher. Aber die Anführungszeichen bei uns zeigen, dass die Schreibweise Absicht ist. Ob unsere oder deren, kann ich nicht mehr sagen…

  2. Wolfgang sagte:

    Von den grandiosen Fotos einmal abgesehen: So schnell man beim Klimawandel die Assoziation zu „Grad“ (Celsius) haben mag, die „Gratwanderung“ wir aber nun mal mit „t“ geschrieben.

    Antworten
    • Peter Sennhauser sagte:

      Das ist richtig, Wolfgang, aber der Sarkasmus des Ausstellungstitels, der mit der Ein- und Ausführung angezeigt wird, ginge etwas verloren, wenn wir „Gratwanderung“ schrieben.

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