Kitesurfer: Wind, Wellen, Wahnsinn!

Sport- und Actionfotografie ist immer lohnend und lässt sich auch prima üben. Auch ohne SLR kommen gute Ergebnisse zu Stande.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Frank Goebels).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild wurde am Rande des WorldSurfCup 2008 auf Sylt / Westerland aufgenommen. Mich faszinierte die Kraft, die dieser Moment ausstrahlte. Aufgenommen mit einer normalen 7 MP Kompakten. Eines der ersten Fotos von mir überhaupt. Eine Spiegelreflex soll bald mal folgen.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Frank Goebels:

Auf dem Bild von Frank erkennt man ausgezeichnet, welche Witterungsbedingungen für einen guten Kitesurf-Wettbewerb herrschen müssen. Der Wind peitscht die Wellen auf, die Wolken ziehen schnell am Himmel dahin, und ebenso zieht der Drache an der Leine und dem Gurt des Wettbewerbsteilnehmers.

Nun ist ja die Fotografie am und auf dem Wasser so etwas wie mein Steckenpferd und Spezialgebiet, deswegen mag ich auch auf dieses Foto etwas näher eingehen:

Um Dynamik und Spannung auf Bildern zu erzeugen, bedarf es einiger grundlegender Vorüberlegungen, da meist vor Ort nicht viel Zeit bleibt, wenn die Wettkämpfer sich rasend schnell bewegen.

Man muss sich vorab mit dem Sport beschäftigen, sich zumindest eine Weile mal einfach so dazu gesellen und beobachten, bevor der Verschluss der Kamera zu klicken beginnt.

In diesem Fall hat Frank schon einige Regeln beachtet und umgesetzt. Die aufsteigende Diagonale von links unten nach rechts oben (ein von mir geliebtes Gestaltungsmittel), sowie der etwas ins untere Drittel verlegte Horizont bringen Spannung und Führung ins Bild.

Wenn man die Linie Surfer-Drache allerdings weiter verfolgt, stößt man auf ein störendes Element am Bildrand. Das lässt sich jedoch problemlos entfernen. Am PC mit dem Stempelwerkzeug oder „on location“ durch einen leichten Schwenk nach links.

Wenn wir schon beim Stellungswechsel sind: Meist hilft es auch, wenn man etwas in die Knie geht oder sich gar in den Sand legt (Wechselsachen sind dann immer gut dabei zu haben, wenn doch mal eine Welle schneller kommt), um eine andere Perspektive zu gewinnen. Hierbei ist dann aber aufzupassen, das der Horizont den Akteur nicht zerteilt. Das gelingt gut, wenn er auf der Welle surft, einen Sprung macht oder aber auch in einem Wellental „steht“, so dass alles Wasser um ihn herum auf ihn einzustürzen scheint.

Eine weitere Möglichkeit, Bewegung ins Spiel zu bringen, ist ein so genannter Mitzieher. Hierfür brauchst du eine etwas längere Belichtungszeit und bewegst die Kamera in der Geschwindigkeit des Surfers mit ihm im Sucher relativ parallel zu seiner Fahrtrichtung und löst, wenn alles passt, aus.

Derer Möglichkeiten gibt es noch mehr, das vermittle ich den Teilnehmern meines Workshops in Schweden immer gerne während der Bike- und Kanutouren. Es macht einfach Spaß zu üben und am Ende schnell bessere Ergebnisse zu sehen.

Da du ja um die Dramatik und Kraft des Bildes bemüht warst, habe ich noch ein paar kleine Änderungen vorgenommen, die von der Farbgebung noch etwas dramatischer wirken dem Bild mehr Gradlinigkeit geben.

Der Kitesurfer, dramatisiert.

Du erkennst jetzt die Seile des Drachens besser, der Horizont ist weiter unten und so gerade wie möglich gerückt, die Boje am Himmel , der Störer am Bildrand sind weg – und die Aufnahme hat leichtes Panoramaformat erhalten.

Manche Sachen bedürfen der Nacharbeit am Computer, andere können vor Ort geübt und optimiert werden.

Da es eines deiner „ersten Bilder überhaupt“ war, ist es eine sehr gute Basis, ein gelungener Einstieg sozusagen – und ich bin auf weitere gespannt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

8 Kommentare
  1. Frank Goebels (Der Fotograf) sagte:

    Hallo,
    ich habe eben fast eine halbe Stunde gesessen und etwas zu der Kritik und den Anmerkungen geschrieben.
    Dann auf Senden geklickt und es erschien:

    Sorry, but your comment has been flagged by the spam filter running on this blog: this might be an error, in which case all apologies. Your comment will be presented to the blog admin who will be able to restore it immediately.
    You may want to contact the blog admin via e-mail to notify him————

    Jetzt hab ich irgendwie keinen Nerv mehr, alles nochmal neu zu tippen :-(

    Gruß Frank Goebels

    Antworten
  2. Frank Goebels (der Fotograf) sagte:

    Hallo und Guten Tag zusammen,

    erst einmal Herzlichen Dank für die Rezension (Bildkritik) und die nachfolgenden Anmerkungen über die ich mich auch sehr gefreut habe. Danke.

    Ich habe auch lange beide Bilder angeschaut und verglichen.
    (Besser noch kann man das Originalfoto in der VIEW Febr.09 auf der Seite 140 sehen.) ;-) Ich darf ja auch mal angeben…

    Ich habe wirklich lange überlegt, was ich denn schreiben soll, da mein Bild ja auch nur ein Schnappschuss war und so gut wie nicht bearbeitet. Eben nur etwas Kontrast mit einem kostenlosen Bildbearbeitungsprogramm und dann auch noch auf dem Laptop. Erzähle ich dann noch, dass es mit einer Kompakten aus dem Baumarkt aufgenommen wurde – eingestellt auf Automatik – glaubt mir das ja eh keiner mehr ;-)
    Aber unter uns: Hab mir jetzt auch ne Spiegelreflex mit allem PiPaPo gekauft. Ätsch…;-))

    Aber zurück zu dem neuen überarbeiteten Bild von Thomas, der sich ja viel Mühe gegeben hat!
    Irgendwie sehen mir die Wellen sehr künstlich aus, vielleicht, weil jetzt zuviel Weiß (Schaum des Meeres) erkennbar ist?!
    Der neue Schnitt ist gut, man hat das Gefühl, mit einem Rennboot nebenher zu fahren.
    Allerdings stören mich auch – Peter schrieb es schon – die neuen Seile.
    Die erinnern tatsächlich an einen Fallschirm und man muss wirklich zweimal hinsehen.
    Ob nun der Horizont grader ist…kann sein, ja, wenn man sehr genau und öfter hinschaut.
    Die Schwimmboje, oder was es auch immer war, ganz links oben im Bild störte mich nicht, im Gegenteil, vielleicht ein interessanter „Störer“?! Nach mehrmaligem Betrachten stört es mich eigentlich gar nicht mehr.
    Der weggeklonte Viertelschirm ganz recht konnte weg, da hast Du recht!!

    Danke Dir Thomas für Deine ausführliche Kritik und auch danke an die anderen User und Ihre Meinung.
    Gruß Frank Goebels
    weltreport-bilder (at) yahoo.com

    Antworten
  3. Peter Nolte sagte:

    Ich muss auch sagen, dass mir das Original bei weitem besser gefällt.
    die Farben sind kräftiger und natürlicher, der Leuchtturm links ist da, wo er hingehört. Muss man immer alles wegphotoshoppen?? ;-)
    Ok, der halbe Schirm ganz recht kann weg, muß aber nicht.
    Noch was zu den Schirmseilen. Auch hier finde ich das Original besser, denn, in Wirklichkeit sieht man die Seile auch nicht so.
    Nun zum bearbeiteten Bild : Die Wellen wirken unnatürlich weiss, die Wolken unnatürlich und zu stark verrauscht.
    Die Seile lassen schon fast vermuten, es sei ein Fallschirm, deshalb wirkt auch das unnatürlich.
    Und der horizont hat sich auch nicht großartig verändert, meiner Meinung nach – ich hab mal gemessen am Schirm- gar nicht. Das bearbeitete Bild sieht aus, als ob es vom Boot fotografiert wurde, dass Bild von Frank ist vom Strand aus gesehen, und so ist es doch auch richtig gewesen.
    So, noch mal zum Original: Tolles Bild und gut gemacht.

    Antworten
  4. christoph sagte:

    ich muss mich im großen und ganzen anschließen, mir gefällt das original-bild auch besser :-)
    primär wegen der farbgebung, am ersten wirkt es bedrohlicher, gewaltiger (statt dem surfer würde auch die titanic in seenot in die bildstimmung passen).
    damit das bearbeitete bild nicht ganz so schlecht wegkommt: der bildausschnitt ist doch ein wenig besser (subjektiv), der strand im vordergrund lässt das original eher nach standard-schnappschuss wirken – im bearbeiteten bin ich näher am geschehen. und die fehlenden seile am original irritieren ein wenig, sie sichtbar zu machen (ginge das vielleicht auch ohne viel in die sonstige farbgestaltung einzugreifen?) ist ebenso wie das geraderücken des horizonts eine verbesserung

    Antworten
  5. Corinne ZS sagte:

    Mir gefällt das Bild vor der Bearbeitung besser, weil mich gerade die Farbabstufung Himmel-Wasser-Brandung-Sand fasziniert. Der Sandstrand im Vordergrund hilft zudem zur Grössenorientierung und er lädt sozusagen ein, ins Bild zu spazieren. Zudem hält das Wasser auf dem Sand doch sehr viel Dynamik bereit und ich spüre fast, wie ich ein paar Spritzer abbekomme. Das ist beim geschnittenen Bild alles weg. Tja, meine Präferenz mag daher rühren, dass ich diesen Sport nicht wirklich kenne ;-) Oh, fast hätt ich’s vergessen: Herzliche Gratulation zum wunderschönen Bild!

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Frank Goebels: […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.