Sophie Ristelhueber: Zeugnisse von Krieg und Gewalt

Die französische Fotografin Sophie Ristelhueber zeichnet auf, was am Ende eines Krieges übrig bleibt: Trümmer, Ruinen, Wunden und Narben.

Sophie Ristelhueber: West Bank, WB # 2

Sophie Ristelhueber ist für alle diejenigen eine Entdeckung, die sich für dokumentarische Fotografie und die Bilderzählung interessieren. Ristelhueber gibt beredte Zeugnisse von den sichtbaren Spuren, die die Gewalt bei den Menschen und in der Landschaft hinterlassen haben. Im Pariser Jeu de Paume ist ihre Arbeit aus 25 Jahren erstmals umfassend zu sehen.

Sophie Ristelhueber, Jahrgang 1949, lebt und arbeitet in Paris. Sie hat ursprünglich Literatur studiert und als Journalistin gearbeitet, bevor sie sich für die Fotografie entschied. 1984 entstand ihre erste umfassende Arbeit im kriegszerstörten Beirut. Sie erforschte dort, was sie das „Gelände des Wirklichen und der kollektiven Gefühle“ nennt.

Sophie Ristelhueber: Beyrouth, Photographies 1984

Auch wenn die Bilder erschüttern: Ihre Arbeit will nicht in erster Linie Gefühle hervorrufen, sondern aufzeichnen und beredtes Zeugnis von den Ereignissen ablegen – ganz beruhend auf der formalen Konzeption ihrer Bilder.

Sophie Ristelhuebers Bilder von der West Bank (abgekürzt WB) zeigen Wälle, die die israelische Armee auf den Straßen aufgeschüttet hat, um die Verbindungen zwischen den Dörfern zu unterbrechen. Die Bilder bringen auf eine dichte Weise zusammen, sagt die Fotografin selbst, „all die fixen Ideen aus meinen früheren Arbeiten; Spuren, Narben, die Zerstörung menschlicher Gegenwart, oder all die Schikanen, die nur dazu dienen sind, andere rauszuhalten.“ Die West Bank-Fotografien aus den Jahren 2003 und 2004 sind auch die Bilder ihrer „inneren Landschaft“: „Ohne Zweifel“, so stellt sie fest, „bin ich als Künstlerin selbst im Krieg gewesen“.

ristelhueber3.jpg

Auch dieses Zeugnisse des Krieges: Die vernähten Wunden und Narben von Kriegsopfern ohne Namen, die Sophie Ristelhueber 1994 in Pariser Krankenhäusern aufnahm: „Der erste Blick ist der auf die Wunde, danach erst erkennt der Betrachter die menschliche Form.“

Sophie Ristelhueber: Fait # 46, 1992

„Fait“ – Tatsache, Fakt – heißt Ristelhuebers Arbeit vom Ende des ersten Golfkrieges in den Neunzigerjahren. Dort konzentrierte sie sich auf die Kriegstechnik, die zerstört im Wüstensand zurückblieb und/oder die sie aus der Luft fotografierte. Das sieht dann aus wie der Panzer einer Schildkröte, die auf dem Rücken liegt oder wie ein Totenkopf im Fall eines von oben gesehenen Panzers. Sophie Ristelhueber sagt: „Was ich dort sah – den Krieg – war eine Tatsache. Die Formen, die ich einfing, waren vom Krieg ‚gemacht‘, erst dann von mir. Der Krieg – und diese Formen – erzählen uns nichts anderes als: So ist es.“

An gleicher Stelle im Jeu de Paume an der Place de la Concorde läuft gleichzeitig auch eine Ausstellung mit den Paris-Bildern von Robert Frank (die haben wir auf fokussiert.com schon mal vorgestellt).

Sophie Ristelhueber
Bis 22. März
Jeu de Paume Concorde, Place de la Concorde 1, F-75008 Paris
+33 01 47 03 12 50, E-Mail Kontaktformular
Geöffnet Dienstag 12 – 20 Uhr, Mittwoch bis Freitag 12 – 19 Uhr, Samstag und Sonntag 10 – 19 Uhr. Montag geschlossen.

Jeu de Paume

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