Wolfgang Zurborn: Weg vom Gewohnten

Der Kölner Fotograf Wolfgang Zurborn lädt uns ein, visuell etwas vom gewohnten Weg abzukommen und so Neues zu entdecken.

Wolfgang Zurborn: o.T., Wolfsburg 2001„Drift“ – so überschreibt Zurborn auch seinen Bilderzyklus, der zur Zeit in der Berliner Galerie Loris zu sehen ist. Damit will er eine gewisse, manchmal kaum merkliche Abweichung vom Kurs andeuten. Dabei sind seine Aufnahmen ebenso rätselhaft anders als magisch anziehend. Sie verlocken mit dem Wunsch nach Interpretation und erklärung.

Zurborns Fotografien zeigen die Welt in ausschnitthafter Form. Häufig ist der Blick verstellt, unterschiedliche Ebenen werden verknüpft. Wolfgang Zurborn bezieht Spiegelungen, Schatten, Plakatwände mit in seine Bilder ein. Die Fotografien widersetzen sich der einfachen Entschlüsselung.

Wolfgang Zurborn: o.T. Oberhausen 2004Wolfgang Zurborn will nicht von der grundlegenden Beschaffenheit der Außenwelt erzählen. Sein Thema ist die visuelle Wahrnehmung selbst. Sie liefert nicht immer zielgerichtete Informationen. Sie lässt sich auch gerne ablenken und gibt sich dem hin, was vordergründig interessant scheint: Farben, Formen, Flächen, Räumen. Der Blick „driftet“ vom Kurs ab in eine eigene Welt.

Zurborn schreibt dazu:

„Die einzigartige Möglichkeit des Mediums Fotografie besteht gerade darin, im Dialog mit der Außenwelt immer wieder neu seine eigenen Kriterien der Wahrnehmung in Frage zu stellen, um sie in einen offenen Prozeß, in ein Experiment des Sehens zu überführen. Losgelöst von jeglichem Anspruch, etwas beweisen zu wollen, begreift sich diese Weltsicht als Teil einer dynamischen Wirklichkeit und reflektiert die eigene Wahrnehmung als Konstruktion einer von vielen möglichen Perspektiven. Mit meiner Fotografie verfolge ich kein fest definiertes Ziel, ich lasse mich ein auf eine „Drift“ im Fluß der uns täglich umgebenden Reize und konstruiere mit dem Zusammenspiel der Bilder ein komplexes Netz von Assoziationen, die den Betrachter sensibilisiert für subtile Veränderungen von Wahrnehmungszuständen.“

Diese Bilder testen unsere Wahrnehmung der Welt sowie unsere Erwartungen, die wir an Fotografien herantragen. Zurborn fordert uns auf, dass wir uns nicht zu schnell mit den sichtbaren (Bild-)Oberflächen zufrieden geben, sondern uns sorgfältig auf verschiedene Ebenen des Sichtbaren einlassen.

Wolfgang Zurborn: o.T., Köln 2004Wolfgang Zurborn, Jahrgang 1956, kommt aus Ludwigshafen am Rhein, lebt und arbeitet in Köln. Mit der Frage von Wahrnehmung und Wirklichkeit beschäftigt er sich schon seit vielen Jahren. Davon zeugen auch seine anderen Bilderzyklen, die wir uns auf seiner Website anschauen können, zum Beispiel „Terra Incognita“.

Wolfgang Zurborn – Drift
Bis 7. März
Loris – Galerie für zeitgenössische Kunst, Gartenstraße 114, D-10115 Berlin
+49 (0)-30 275 955 79, mail@lorisberlin.de
Geöffnet Mittwoch bis Freitag 14 – 19 Uhr, Samstag 12 – 17 Uhr

Wolfgang Zurborn
Galerie Loris Berlin

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