Copyright als Sicherheit: Annie Leibovitz im Pfandhaus

Annie Leibovitz musste sich im Pfandhaus Geld leihen – als Sicherheit hat sie die Rechte an all ihren Bildern hinterlegt. Dieweil erweist sich ihre Ausstellung in Berlin als Publikumsmagnet.

Annie Leibovitz an der Eröffnung der Ausstellung in Berlin (Bild Keystone/ AP / Michael Sohn)

Annie Leibovitz hat sich nach Berichten der New York Times und des UK Guardian von einer New Yorker Gesellschaft namens Art Capital 15 Millionen US-Dollar geliehen. Der Kredit wurde mit Leibovitz‘ privatem Besitz abgesichert und zusätzlich mit den Rechten auf alle ihre Bilder. Auch auf diejenigen, die sie in Zukunft machen wird, bis die Verpflichtungen wieder abgelöst sind.

Annie Leibovitz (hinten) und Julianne Moore (Keystone)Als am 20. Februar im Berliner C/O die große Retrospektive von Annie Leibovitz eröffnet wurde, wollte fokussiert.com gerne auf diese bedeutende Ausstellung hinweisen. Jedoch wurden uns derart strenge Auflagen über die PR-Bilder gemacht, dass wir auf einen Artikel verzichtet haben.

So hätten wir Bilder von Annie Leibovitz nur für drei Wochen auf der Website speichern dürfen und hätten sie danach löschen müssen. Das – finden wir – schränkt uns zu sehr ein, zumal Fotografen und Aussteller von den Hinweisen profitieren. Offizielle Begründung dafür: Kontrolle über das Werk.

Nun dürfen wir vermuten, genau wissen wir es nicht: Sind die finanziellen Schwierigkeiten von Annie Leibovitz Grund für diese strengen Auflagen?

Michael Gorbatschow - Annie Leibovitz (Keystone)An der Bedeutung der Berliner Ausstellung ändert das freilich nichts. „A Photographer’s Life“, so heißt sie, erlebte am ersten Wochenende einen Besucheransturm, der die Erwartungen weit übertroffen hat, wie das C/O Berlin mitteilt. Zur Eröffnung am 20. Februar strömten zwischen 19 Uhr und Mitternacht schon 3.500 Gäste ins Postfuhramt. Am ersten Wochenende zählte die Ausstellung über 4.000 Besucher sowie zusätzlich 450 Gäste bei der Lecture mit Annie Leibovitz. Am Montag haben 1.700 Personen die Ausstellung besucht. Zwischenzeitlich mussten die Besucher eine halbe Stunde auf Einlass warten. Bis jetzt haben schon über 10.000 Besucher die Ausstellung gesehen.

Die Williams-Schwestern, fotografiert von Annie Leibovitz (Keystone)C/O Berlin präsentiert „A Photographer’s Life” erstmals und als einzige Station in Deutschland. Die Ausstellung wird noch bis 24. Mai gezeigt und umfasst insgesamt 200 teils großflächige, monochrome Landschaftsaufnahmen, teils private Familienfotos und kleinformatige Schwarz-Weiß-Porträts. Zur Ausstellung ist 2007 im Verlag Schirmer/Mosel ein Katalog erschienen.

Annie Leibovitz, geboren 1949 in Westport, Connecticut, USA, ist international eine der wichtigsten und einflussreichsten Porträtfotografinnen. Ob angewandte oder künstlerische Fotografie – ihr Wirkungsbereich ist breit gefächert. Neben den Porträts sind vor allem ihre Reportagen und Werbekampagnen für zahlreiche amerikanische Unternehmen viel beachtet. Leibovitz lebt und arbeitet in den USA. Zuletzt hat sich mit ihren Fotos der Präsidenten-Gattin Michelle Obama für Aufsehen gesorgt.

Annie Leibovitz : Hillary Clinton, auf einem Balkon des Weissen Hauses, 1998. (Keystone)Familienalbum, Werkschau und persönliches Tagebuch – die Fotos von Annie Leibovitz aus ihrem Privatleben und professionelle Arbeiten fügen sich in der Berliner Ausstellung zu einer Chronik der Ereignisse, der offiziellen Aufträge und privaten Geschichten der letzten fünfzehn Jahre. Hoffen wir, dass Annie Leibovitz ihre finanziellen Schwierigkeiten meistern kann.

Das Leihhaus Art Capital erwartet aktuell gute Geschäfte, so berichtet der Guardian weiter. Um 30 bis 40 Prozent hätten die Anfragen seit Beginn der Finanzkrise zugenommen, so Art Capital.

Annie Leibovitz

C/O Berlin

3 Kommentare
  1. Brenrhad sagte:

    Als Frischblogger ohne Erfahrung habe ich mir nach meinem begeisternden Austellungsbesuch an besagtem ersten Tag (wir waren vielleicht Nummer 50 und alles ohne Wartezeit!) eine Rezension abverlangt und auch mit großem Erstaunen die absureden – aber immerhin überhaupt gelisteten – Bedingungen für Online-Publikationen zur Kenntnis genommen.

    Strange.

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  2. Peter Sennhauser sagte:

    Andy, interessanter Gedanke, aber eher unwahrscheinlich: Leibovitz hat noch mehr Aufmerksamkeit nicht nötig und schon gar nicht solche, die in den geldversessenen Celebrity-Kreisen ihrer Kundschaft als demütigend empfunden werden dürfte. Ich kann mir deshalb auch nicht vorstellen, dass sie sich auf einen reinen Werbegag für das „Pfandhaus“ einlassen würde.

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