William Eggleston: Alles ist bildwürdig

Über William Eggleston ist im Münchner Haus der Kunst derzeit eine große Ausstellung zu sehen – Titel „Democratic Camera“. Das Bayrische Fernsehen zeigt zudem als Premiere ein Filmporträt über Eggleston.

William Eggleston: Untitled, 1965-68 and 1972-74, from Los Alamos, 2003. © Eggleston Artistic Trust. Courtesy Cheim & Read, New York

Der Münchner Dokumentarfilmer Reiner Holzemer hat William Eggleston im Herbst 2007 in Memphis besucht. Zum ersten Mal gelang es, den scheuen Künstler über die Entstehung seines Werks zu befragen und ihn auf einem fotografischen Spaziergang durch Memphis zu begleiten. Bis dahin hatte Eggleston ähnliche Anfragen meist abgelehnt.

Der Film von Rainer Holzemer wurde im Februar im Haus der Kunst uraufgeführt und wird am Sonntag, 1. März, um 12.45 Uhr im Bayrischen Fernsehen gezeigt (Programmhinweis). Die Ausstellung ist im Haus der Kunst bis 17. Mai zu sehen.

William Eggleston: Untitled, 1965-68 and 1972-74, from Los Alamos, 2003. © Eggleston Artistic Trust. Courtesy Cheim & Read, New YorkDie frühen Fotografien von William Eggleston entstanden in Schwarzweiß. Mitte der Sechzigerjahre begann er in Farbe zu fotografieren und läutete die Ära der künstlerischen Farbfotografie ein (fokussiert.com berichtete: Neue Farbe für das Land ). Bekannt wurde er 1976 mit einer Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York.

Damals war Egglestons Schnappschussästhetik und der psychologisierende Einsatz von Farbe noch ungewohnt. In einem Jahresrückblick wurde diese MoMA-Ausstellung sogar als „The most hated show of the year“ bezeichnet. Heute genießt Eggleston bei einer jüngeren Generation von Fotografen und Filmregisseuren international Kultstatus.

Die Münchner Ausstellung folgt Egglestons künstlerischer Produktion von den frühen Schwarzweißfotografien über seinen Übergang zur Farbe bis hin zur Gegenwart. Unter den 160 Exponaten finden sich selten gezeigte Werke und auch Premieren.

William Eggleston: Untitled, 1965-68 and 1972-74, from Los Alamos, 2003. © Eggleston Artistic Trust. Courtesy Cheim & Read, New YorkIn Motiven des ihn umgebenden Alltags findet Eggleston sein zentrales Thema: Supermärkte, die an urbanen Rändern entstehen; Gehsteige, Einfahrten, Terrassen, polierte Autos, zum Dinner gedeckte Tische, Tankstellen; die Häuser der Mittelklasse, Interieurs von Südstaatenresidenzen; Bars und ihre Stammgäste. Alles, was sich vor der Kamera abspielt, ist grundsätzlich bildwürdig, sei es scheinbar noch so nebensächlich oder banal.

Das gefüllte Fach einer Gefriertruhe oder Schuhe unter einem Bett – Eggleston richtet seinen ‚demokratischen‘ Blick auf alles und behandelt es mit der gleichen Aufmerksamkeit. Sein Schwerpunkt liegt auf den Schauplätzen seiner Heimat, Memphis, New Orleans und dem Mississippi-Delta. Doch für Auftragsarbeiten reist er auch rund um die Welt.

William Eggleston lebt noch heute in Memphis, wo er 1939 geboren wurde. Die Familie war wohlhabend durch den Besitz von Baumwollplantagen. William Eggleston ging nie einer Erwerbsarbeit nach, sondern konnte sich seinen Interessen widmen: Musik und Fotografie, Film und Audiotechnik.

William Eggleston: William EgglestonGreenwood, Mississippi (Detail), 1973. © Eggleston Artistic Trust. Courtesy Cheim & Read, New York Er passte sich nicht an gesellschaftliche Regeln an, und während die Mode seiner Zeit immer informeller wurde, trug er meist einen Anzug. Doch seine seriöse Erscheinung stand zu seinem unkonventionellen Handeln im Widerspruch. Sein Werk spiegelt deutlich, dass er ein frei denkender und agierender Mensch ist. Auf Egglestons offizieller Website gibt’s einen Haufen weiterer Infos über ihn.

William Eggleston – Democratic Camera
Bis 17. Mai
Haus der Kunst, Prinzregentenstrasse 1, D-80538 München
+49 (0) 89 21127-113, mail@hausderkunst.de
Geöffnet Montag – Sonntag 10 – 20 Uhr, Donnerstag 10 – 22 Uhr

William Eggleston
Haus der Kunst
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  1. […] Fotografien.Joel Sternfeld zählt neben Stephen Shore und William Eggleston (fokussiert.com: Alles ist bildwürdig zu den wichtigsten Vertretern der “New Color Photography”, die in den Siebzigerjahren […]

  2. […] schafft Werke, die an der Gesellschaft Maß nehmen, und uns zur Auseinandersetzung mit der Frage „Wer sind wir?“ zwingen […]

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