Cokin-Filter und Filterhalter: Graue Verläufe

Cokins Filterhalter hält alles vor dem Objektiv – obwohl die meisten Filter obsolet geworden sind. Grauverlaufs-Filter allerdings helfen noch immer enorm.

Cokin Filterhalter mit Neutralgrau-Verlaufsfilter. (Alle Bilder PS)Anfangs neunziger Jahre versuchte ich mich eine Zeit lang in der Spiegelreflex-Schwarz-Weiss-Fotografie, und bald stiess ich dabei auf die Wirkung von Filtern: Farbfilter, vor die Linse geschraubt, sorgten für höheren Kontrast und anderes Bildverhalten.

Heute sind sie ebenso wie die Stern- und Verzeichnungsfilter, mit denen vor der Digitalisierung viel bestaunte Effekte erzeugt werden konnten, grossteils obsolet geworden: PhotoShop erledigt das alles einfacher, schneller und meist auch beeindruckender. Dennoch haben die Filterhersteller wie beispielsweise Cokin, deren System ich hier vorstelle, noch eine umfangreiche Auswahl an Filtern im Sortiment.

Der Cokin-Filterhalter nimmt bis zu drei rechteckige Filterscheiben auf.Gebraucht werden heute noch vor allem drei Filter: Die vollständig neutralen UV-, die Polarisations- und die Neutralgrau-Verlaufsfilter. Erstere sollen Kontrastschwächen (durch Wasserdunst) bekämpfen und vor allem als Glasbruch-Sicherung auf jedes Objektiv geschraubt werden (ich hab inzwischen überall einen drauf, aber auf ein Posting darüber verzichtet: Eine optische Wirkung der Ultra-Violett-Filter konnte ich auch im Dunst der Nordkalifornischen Nebel-Küste nicht ausmachen).

Ein Pol-Filter gehört zur Standardausrüstung von Landschaftsfotografen. Er macht je nach Drehung Spiegelungen in Wasser und Glasflächen unsichtbar und sorgt für starken Kontrast am Himmel mit Wölkchen.

Neutralgrau-Verlaufsfilter von Cokin.Und dann gibts noch den Grauverlaufsfilter. Das ist eigentlich nichts anderes als eine hälftig eingefärbte Glasscherbe. Allerdings gibt es sie in den verschiedensten Stärken – mit einer Abdunkelung in der graugefärbten Hälfte von einer Drittel- bis zu mehreren Blendenstufen und mit verschieden harten Übergängen.

Benutzt wird der Neutralgrau-Verlaufsfilter, um zu hohe Kontrastumfänge zu überwinden: Wenn der Himmel so hell ist, dass man ihn entweder ausbrennen lassen oder aber den Boden am Vordergrund unterbelichten muss, dann hilft der Neutralgrau-Verlaufsfilter: Mit dem Übergang an der richtigen Stelle vor die Linse gehalten, dunkelt er die hellen Bildteile ab, ohne dass sich irgendwas anderes am Bild ändern würde. Damit werden Fotos auch bei grossen Helligkeitsunterschieden zwischen, zum Beispiel, dem Vordergrund und einem hellen Himmel möglich.

Die Rückseite des Cokin-Filterhalters.Nun muss aber irgendwas den Filter vor der Linse halten. Und weil es bisweilen drei und mehr sein können – UV-, Pol- und Grauverlauf gemeinsam, beispielsweise – sollte der Filterhalter auch mehr als zwei Hände haben.

Wer sich keinen Assistenten leisten kann, der die Glasteile vors Objektiv hält, muss mit einem Filterhalter vorlieb nehmen. Für Standard-Objektive hat namentlich die Marke Cokin einen einfachen, aber praktischen Filterhalter auf Lager: Es ist ein Plastikrahmen, der auf der einen Seite bis zu drei rechteckige Cokin System-Filter aufnimmt, und auf der andern Seite einen Adapterring, den man auf das Filtergewinde des Objektivs schrauben kann.

Der Cokin-Filterhalter auf der Nikon.Das Cokin-System P (Affiliate-Link) ist für alle mittleren Standard-Formate der Kleinbildfotografie geeignet, der Filterhalter passt auf Objektive mit einem Durchmesser von 83 oder weniger Millimeter. Für jede Objektivgrösse wird allerdings noch ein Adapterring nötig, auf den man den Filterhalter erfreulicherweise aufklicken und nicht -schrauben muss.

So kommt das System, das ich mir beispielsweise vor dem Fotoseminar im Death Valley angeschafft habe, mit allen Adaptern dann doch auf hundert Euro und mehr zu stehen, auch wenn man sich mit den billigeren Filtern begnügt: Ich habe mir drei verschieden starke Grauverlaufsfilter angeschafft, den Polfilter hatte ich schon.

Lange, Lichtstarke Objektive mit noch weit grösserem Einlassdurchmesser gibts andere System – sie verfügen meist über einen integrierten Filterhalter, der nach den ersten Glaselementen eingeschoben wird und dadurch nicht den vollen Durchmesser haben muss.

Hier wird das Weitwinkel-Problem des Cokin-Filterhalters deutlich.Das Cokin-System mit den Einschub-Schienen für die Farb- und sonstigen Filter, in denen man beispielsweise den Grauverlauffilter beliebig nach oben oder unten verschieben kann, kämpft mit einem ganz anderen Problem als zu grossem Durchmesser: Auf meinem 10mm Sigma stehen die Seitenteile des Filterhalters links und rechts ins Bild, weil der Blickwinkel des Objektivs so weit ist. Das geschieht natürlich vor allem und auch bei weniger weitwinkligen Objektiven, wenn zusätzlich noch ein UV- und Ein Pol-Filter vors Objektiv geschraubt sind. Man kann ihn dann zwar in die Waagerechte drehen, aber das hilft bei einem Querformat-Landschaftsbild, das einen Verlaufsfilter bräuchte, nicht wirklich.

Ich habe ausserdem „im Felde“ noch eine Erfahrung gemacht, als ich mit meinen verschieden weiten Objektiven und dem Filterhalter hantierte. Die Operationen mit Adaptern, Filtern und Objektiven trugen zum Frust bei, der mich am ersten Abend im Death Valley beinahe meine besten Bilder kostete, weil Jeder Objektivwechsel zusätzliche Zeit kostete.

Inzwischen nutze ich zwar die Cokin-Verlaufsfilter (Affiliate-Link) ziemlich regelmässig und habe gelernt, wie man damit HDR-Aufwand vermeiden und perfekte Bilder in extremem Kontrastumfang machen kann – aber der Filterhalter, der kommt beinahe nie mehr aufs Objektiv: Solange ich mich mit Landschaftsaufnahmen auf dem Stativ und mit der Musse für feine Bildkorrekturen beschäftige, kann ich die kleine Plastikscheibe auch ganz einfach mit spitzen Fingern vor das Objektiv halten.

Ich komme in einem zweiten Teil auf die Anwendung und die Wirkung der Grauverlaufsfilter zurück.

Cokin-Filterhalter System P (Affiliate-Link)
11 Kommentare
  1. Peter Sennhauser sagte:

    Thomas, dnake für den Tipp. Ich fürchte, für ein 10mm-Weitwinkel reichts nicht. jedenfalls nicht mit UV- und Polfilter vorne auf dem Objektiv. Also UV abschrauben und den Cokin-Polfilter kaufen – hm. Ich bin bisher mit „vorhalten“ der Verläufe nicht schlecht gefahren, was aber ein Stativ unabdingbar macht.

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  2. Thomas Zilch sagte:

    Um zu verhindern, dass bei Weitwinkelobjektiven der (P-) Filterhalter in den Bildecken zu sehen ist, kann man an diesem auch die ersten beiden „Filterfächer“ absägen. Dadurch wird der Filterhalter flacher. Es verbleibt die Möglichkeit, einen rechteckigen Filter (z.B. Verlaufsfilter) und einen runden Filter (z.B. Polfilter) einzusetzen. Mehr ist in der Regel sowieso nicht erforderlich.

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  3. Peter Sennhauser sagte:

    @ awokenmind: Vielen Dank für die Ergänzungen. Hätte wohl selber sagen sollen, dass es die Cokins in verschiedenen Grössen gibt. Das hab ich nämlich gewusst, im Gegensatz zur Tatsache, dass ein UV-Filter vor den DSLR-Sensoren sitzt. Inzwischen erinnere ich mich vage daran, dass Wolf-Dieter in seinen Infrarot-Artikeln mal was dazu gesagt haben müsste.

    @Blue: Ich glaub, Du weisst mehr über die Filterei als ich.

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  4. Blue sagte:

    Nachtrag: wenn ich mit Stativ unterwegs bin, packe ich übrigens den Filterhalter auch nicht drauf, sondern halte meist den Filter direkt so vors Objektiv- funktioniert eigentlich ganz gut, man muss aber die Ruhe habe, den dann exakt auszurichten, damit das Teil nicht so irgendwo als Ecke zu sehen ist im Bild…
    Grüße Blue

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  5. Blue sagte:

    Aaahhh…endlich gehts um die Ausrüstung und Filter! Super! Habe mit großem Interesse den Artikel gelesen und kann dir in vielem zustimmen. Ich nutze selbst Cokin und bin mal zufrieden, mal nicht so sehr. Die Verlaufsfilter machen schon viel möglich, die beste Wirkung erzielen sie aber wohl nur bei Bildern mit geradem Horizont, z.B. bei Sonnenuntergängen. Über die Verwendung im Gebirge bin ich mir nicht sicher, da ja der Verlauf gleichmäßig nicht nur über den zu hellen Himmel läuft, sondern auch über die Bergspitzen zur linken und zur rechten. Dennoch werde ich damit weiter experimentieren. Hast Du mal versucht, mehrere Grauverlaufsfilter hintereinander zu stecken? Ich habe bei mir die Erfahrung gemacht, dass sich dann eine deutliche Rot-Färbung einstellt.
    Eine andere Frage wäre: ersetzt die etwas sperrige Filterhalterung zum Teil eigentlich die Gegenlichtblende? Denn jedes Bild mit dem Filter bedeutet ja, auf die Gegenlichtblende zu verzichten…
    Bin gespannt auf den nächsten Teil!
    Grüße Blue

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  6. awokenMIND sagte:

    Dank günstigem Dollarkurs bin ich nun auch im Besitz eines Cokin Filtersystems. Ich fand das System schon immer interessant, da es erlaubt, den Filter beliebig vor dem Objektiv zu positionieren (Rotation und X/Y-Verschiebung). Das Sigma 10-20 habe ich auch und leider habe ich mich – wie Du – dennoch für die P-Serie von Cokin entschieden. Laut Cokin reicht aber erst die Z-Pro Serie – bezgl. Vignettierung – für solch weitwinklige Objektive aus. Leider zurecht… Man kann das ganze doch minimieren, indem man sich den Weitwinkelhalter dazukauft. In diesen passt zwar nur 1 Filter, doch in Situation, in denen man keine freie Hand hat (also ohne Stativ unterwegs ist), bringt das ganze doch etwas mehr Komfort.

    Liebe Grüße
    Andreas

    PS: Du siehst keinen Unterschied ob mit oder ohne UV-Filter, weil jede D(!)SLR vor dem Sensor bereits einen IR/UV Sperrfilter angebracht hat. Insbesondere Astrofotografen haben damit ihre Probleme, weshalb bspw. Canon zusätzlich zur EOS 20D eine 20Da ohne diesen Filter herausgebracht hat.

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    • Steff sagte:

      Hallo awokenMIND,

      ich bin zwar etwas spät dran, aber…
      ich finde nirgends eine Filterhalterung für ein Weitwinkel, dass eben nur einen Filter aufnehmen kann. Kannst du mir da mal kurz verraten, was du da für ein System hast? Vielen Dank!

      Gruß

      Steff

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  1. […] – diese kleine Anschaffung lohnt sich, wenn Du Landschaftsfotografie betreiben willst und dazu Neutralgrau-, Verlaufs- und Polfilter benutzen […]

  2. […] welchen Effekt Du mit welcher Zeit und welcher Blende erreichen kannst. Besorg Dir ausserdem einen Gradations- oder Neutralgrau-Verlaufsfilterset, um beispielsweise die Stadt in der unteren Bildhälfte stark abzudunkeln, worauf Du eine […]

  3. […] dann benutzen wir doch einfach einen Neutralgrau-Verlaufsfilter, dunkeln damit den Himmel über der Stadt ab und belichten entpsrechend länger – Voilà. […]

  4. […] Testbericht über Cokins Filterhalter und die Verwendung von Neutralgrau-Verlaufsfiltern viele Leser gefunden. […]

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