Mondfotografie: Einen Tag vor dem Vollmond

Am Montag herrscht Vollmond, am Sonntag ist der Beste Tag, Um Mondfotos vor markanten Landschaftsteilen oder Gebäuden zu machen. Planung ist alles. Noch eine Anleitung. Update: Google Earth benutzen!

Mond über Alcatraz - schaffe ich heute sowas in der Schweiz? (© PS)

Jeden Monat gibt es einen Tag, der sich besser als alle andern zum Fotografieren des Mondes eignet. Und jedes zweite Mal verpasse ich ihn – weshalb ich jetzt mittels dieser Tabelle der US-Naval Services alle entsprechenden Daten in meinem Kalender markiere.

Das nächste Stichdatum ist – heute, 6. 6. 2009: Das ist ein Tag vor Vollmond in Europa, und der Mond geht rund eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang auf. Warum das Ideal ist?

Weil, wie ich in der Serie über Winkelmesser und andere wichtige Werkzeuge für die Mondfotografie bereits aufgezeigt habe, nur unter diesen Verhältnissen Kontrastumfänge zwischen Landschaft und Himmel und Mond vorherrschen, die eine ideale Ablichtung zulassen.

Hier in der Nordschweiz soll zwar das Wetter alles andere als freundlich sein, aber ich hoffe auf ähnlich durchzogene und immer wieder aufreissende Wolken wie am Nachmittag.

Das Wetter macht zwar den Ausflug zum vorher auf der Karte bestimmten Standort zum Glücksspiel. Aber eine Vollmondaufnahme mit spannendem Vordergrund und bewölktem Himmel wäre ja eigentlich das Non-Plus-Ultra eines solchen Unterfangens. Glück gehört eben auch immer dazu.

Meine Vorbereitungen:

  • Ich bestimme zunächst mit diesem nützlichen Google-Maps-Mashup die Koordinaten meines Standortes (Karte auszoomen, mit der Maus verschieben, gewünschten Ausschnitt suchen, einzoomen, Standortpfeil setzten, oben Längen- und Breitengrad ablesen).
  • Danach hole ich mir die genauen Daten von Sonnenuntergang, Mondaufgang und Dämmerungszeiten für diesen Standort bei den Diensten der US-Services. Es gibt andere Anbieter, aber ich bin die der Amerikaner gewohnt, und sie geben komplette Tabellen aus. ACHTUNG: Länge und Breite müssen im Format Grad/Minuten eingegeben werden, das nicht mit dem Dezimal-System identisch ist (die Kartenpositionsbestimmung der netzwelt-Site liefert auch das DMS-Format). Einfügen im Menu links bei „Data Services“-„Complete Sun and Moon Data for One Day“, im Formular B. Unsere Länge ist Ost, unsere Breite Nord; Die Zeitzone für DACH ist Greenwich +1 Stunde. Achtung: Sommerzeit wird nie berücksichtigt, in den Tabellen mus also eine Stunde hinzugerechnet werden.

Für meinen Standort heute:

  • Sonnenuntergang: 21.20 Uhr
  • Mondaufgang: 20.43 Uhr
  • Ende Dämmerung: 22.02

Das sind ideale Voraussetzungen: Der Mond hat 50 Minuten Zeit bis zum Sonnenuntergang, um über die Hügel aufzusteigen, die ich als Kulisse zu benutzen gedenke; Kurz nach Sonnenuntergang werden rund 20 Minuten lang die idealen Lichtverhältnisse herrschen. Das heisst, ich muss etwa um 21.30 Uhr fertig und auslösebereit sein.

  • Als nächstes hole ich mir bei den Naval Services die Kompass-Ausrichtung des Mondaufgangs und seine Höhe über Horizont für diesen Zeitpunkt. Demnach steht der Mond um 21.30 Uhr 4.9 Grad über dem Horizont und ist auf 138.2 Grad (gemessen von Norden), also im Südosten (Osten: 90 Grad, Süden: 180 Grad) sichtbar.
  • Mit dieser Richtungsangabe suche ich mir auf einer der wunderbaren Schweizerkarten im Massstab 1:25’000 einen Standpunkt, von dem aus ich mit einem geometrischen Winkelmesser eine Gerade in der Mondsicht-Richtung durch das Vordergrund-Motiv hindurch zeichne und mit einem Lineal parallel verschiebe, bis ich einen geeigneten Standpunkt habe.
  • Und da fahre ich hin und hoffe, dass ich keinen Fehler gemacht habe.

Die Sissacher Fluh mit einem in Google Earth eingezeichneten Linieal mit 132 Grad Blickrichtung.

Ergänzung: Ich bin zwar grade in den Supermarkt gefahren, um mir einen Winkelmesser und ein Zeichendreieck zu kaufen. Zu Hause habe ich mir aber Google Earth runtergeladen und damit versucht, einen Vektor durch mein Wunschobjekt zu ziehen (mit irgendwas zwischen 132 und 140 Grad, dem Mondstand zwischen 21.20 und 21.40).

Am Waldrand im Nordwesten muss ich stehen, um den Mond hinter der Fluh zu sehen...

Der Vorteil: In Google Earth können auch gleich die Höhen der Motiv- und der Standpunktlage beobachtet werden. An Hand des Lineals sehe ich also, ob und ungefähr in welchem Winkel mein Objekt – hinter dem der Mond auftauchen soll – sichtbar ist.

Ausserdem kann man sich in Google Earth Merkmale in der Landschaft aussuchen, die, in eine Linie gebracht, die richtige Blickrichtung ausmachen werden – das macht einen Kompass vielleicht nicht überflüssig, aber es erleichtert die Standortwahl vor Ort.

9 Kommentare
  1. Peter Sennhauser sagte:

    @Ljudmila: Hier ist jeder frei zu kommentieren unter Voll- oder Nickname. Wir behalten uns allerdings eine Moderation in jedem Falle vor.

    Ein Unternehmen-Mondfoto-Bericht folgt als separater Artikel.

    Antworten
  2. Dr. Bruchholz, Ljudmila sagte:

    Danke Mick für den Song! – Nun wüßte ich auch gerne, ob´s geklappt hat mit den Vollmondaufnahmen in der Schweiz.
    Wußte garnicht, daß man hier nur den Vornamen angibt.

    Antworten
  3. Dr. Bruchholz, Ljudmila sagte:

    Nur ganz kurz: für mich als „Theoretiker“ ein hochspannender Artikel. Bin erst einmals nur über den Text gehuscht. Werde ihn später genauer studieren. … Habe erst gestern „fokussiert com“ für mich entdeckt und bin ganz begeistert.

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  1. […] das ist eine etwas polemische Bildkritik. Ich bin vielleicht geprägt von meinen eigenen Ansätzen der Mondfotografie. Trotzdem: Irgendwas stimmt hier nicht, sagt der optische Eindruck dieses Bildes. Der Mond ist […]

  2. […] ein richtig tolles Mondfoto planen (de) möchte, findet hier eine umfassende […]

  3. […] Earth nach attraktiven Standpunkten für Mondbilder in der Stadt gesucht. Das Verfahren mit dem Linien-Werkzeug in Google Earth habe ich bereits […]

  4. […] hat gestern das Wetter einen Strich durch die Mond-Rechnung gemacht, aber ich bin trotzdem froh, vor Ort gewesen zu sein. […]

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