DigitalPhoto im Test: Innere Schönheit

DigitalPhoto wirkt innen deutlich besser aus als aussen, wo es wie eins der Schreihals-Magazine aussieht. Hochwertige Inhalte und eine starke redaktionelle Konzeption vermögen zu gefallen.

Foto-Magazine im TestWir testen und bewerten in lockerer Folge Zeitschriften zum Thema Fotografie aus aller Welt - mit Punkttabelle und Fazit.

Es gibt Kaufberatung, Geheimtipps und grosse Tests: DigitalPhoto hat einen Frontseiten-Auftritt, um den ein Publikums-Magazin zum Thema Fotografie heute nicht mehr herumzukommen scheint: Volle zehn Geschichten sind auf dem Titelblatt angerissen, unten links klebt eine „Heft-DVD“ drauf – das wirkt altmodisch und etwas billig, und wird optisch anspruchsvollen Fotografinnen nicht gerecht.

Schon nach einem ersten Durchblättern allerdings hat mich DigitalPhoto etwas milder gestimmt. Denn innen wird die Aufmachung deutlich ruhiger, wenn auch noch nicht zum Kunstmagazin.
Nicht mein Thema, aber gut aufgemacht. DigitalPhoto

Beim Einstieg in die ersten Artikel verbessert sich der Eindruck weiter: Die Texte sind ansprechend geschrieben, verständlich und sehr sorgfältig redigiert. Das sind die kleinen Details, die einen sogar Artikel lesen lassen, für deren Thema man sich zunächst nicht interessiert – das zu schaffen ist journalistische Handwerk.

Die Ausgabe 6 vom Jahr 2009 (aktuell ist bereits die Nummer 7 im Handel) konnte mich mit einer informativen und verständlich geschriebenen, längerern Strecke über Infrarot-Fotografie, einem ebenfalls nicht auf die üblichen 3000 Zeichen beschränkten Text über Versicherungen für die Fotoausrüstung (inklusive Liste und Vergleich der deutschen Anbieter) und einer lebendigen Reportage mit ansprechenden Bildern des Naturfotografen Winfried Wisniewski aus Afrika fesseln. Ausserdem gab es in der getesteten Ausgabe einen Test von

In DigitalPhoto sollen grosse Bilder nicht bloss Platz füllen.

Das Highlight für mich aber ist die Rubrik Portfolio im Ressort „Fotografie“, die in so vielen der Magazine fehlt: Die weitern sind zum Beispiel „Test“, „Fotopraxis“, „Ausrüstung“, „Bildretusche“ und, auch das keine Selbstverständlichkeit und im Umfang beachtlich: „Aktuelles“, die über mehrere Seiten hinweg Hinweise auf Veranstaltungen, Wettbewerbe, Events, neue Bücher und auch TV-Sendungen für Fotografen liefert. Praktisch, aber vielleicht im Breitband-Internet-Zeitalter nicht wirklich zeitgemäss. Immerhin sind die Hinweise ebenfalls gut geschrieben und mit hochwertigen Bildern bestückt.

Faszinierende Panoramen originell präsentiert.Zurück zum Portfolio, passend zur Fortsetzungsserie über Infrarotfotografie die grossen Infrarot-Panoramen des Landschaftsfotografen Helmut Hirler: Auf acht Seiten dürfen sich vier der kontrastreichen Panoramen ausbreiten, der Text – solide journalistische Handwerksarbeit, angenehm und unterhaltend zu lesen und grade mit den Informationen und ein paar Quotes ausgestattet, die so eine Geschichte noch leicht verdaulich machen, ist nicht nur Verzierung zu den Bildern, wie es ebenfalls häufig anzutreffen ist.

DigitalPhoto: Gnus queren einen Fluss.Auch die Geschichte über eine Fotojagd an einem Fluss in Afrika während einer Gnu-Querung ist guter Lesestoff und gibt einen Einblick in die Arbeit eines Naturfotografen.

Die Ausrüstungs-, Bildbearbeitungs- und Fotopraxis-Texte sind durchwegs von guter Textqualität, inhaltlich aber verständlich und setzen durchschnittliches Sachverständnis voraus.

Für den Leser angenehm, für den Verlag wohl das pure Gegenteil, ist der verhältnismässig geringe Anteil an Anzeigen. Wer sich ein wenig auskennt in der Medienlandschaft erkennt aber die Kehrseite der Medaille: DigitalPhoto hat einerseits streckenweise mitten inden Artikeln platzierte Werbung, die sehr unangenehm auffällt.

In mindestens zwei Fällen sogar ist der Pakt mit den Werbetreibenden auf eine Art offensichtlich, die ganz einfach abstossend ist und vieles kaputtgemacht hat, was das Magazin zuvor bei mir an Punkten gesammelt hat: Die „Marktübersicht“ für Zubehör von Sony-Kameras über mehrere Seiten ist unverkennbar eine bezahlte „Beilage“ zum Magazin und kommt daher wie ein eingeklebter Prospekt (der sie faktisch ja auch ist). Das als redaktionelles Angebot anzupreisen und nirgendwo als bezahlte Kundenwerbung zu kennzeichnen ist gegenüber der Leserschaft ganz einfach unredlich.

DigitalPhoto erklärt einen Blitzkopf...Wenn ausserdem im Magaztinteil „Fotopraxis“ eine Doppelseite einen Blitzkopf fürs Studio im Bild vorstellt und seine Bedienelemente beschriftet sind, frage ich mich, was das in einem Fotomagazin verloren hat und weshalb mich das, wenn ich nicht unmittelbar vor dem Kauf einer Studioanlage stehe, interessieren soll – und wenn ich die Werbung gleich daneben für Blitzakkus und andere Stuidioanlagen sehe, wird erneut deutlich, wie DigitalPhoto um Inserate kämpft.

Das gibt in der Gesamtbewertng bei mir deutliche Abstriche, was schade ist, weil DigitalPhoto insgesamt einen eher positiven Eindruck hinterlässt.

Fazit

Einer von mehreren Beiträgen zur Infrarot-Fotographie.Das Magazin DigitalPhoto heisst nicht nur so, sondern konzentriert sich konsequenterweise auf digitale Photographie, was sich in mehreren Anleitungen für die Bildbearbeitung niederschlägt. Es kämpft in der Themenauswahl mit dem Problem, das jedes Papiermedium hat: Allen etwas zu bieten bedeutet, jeder Leserin auch Themen zu liefern, die sie nun einmal grade überhaupt nicht ansprechen. Dass DigitalPhoto sich dabei nicht auf die sichere Seite verlässt – Kamera- und Objektivtests, Zubehör und ein einziges, möglichst mainstreamiges Fotothema als Feigenblatt für die Technik-Orgie -, sondern etwas daneben liegende Themen liefert und den Autoren Platz einräumt, ist leider heute aussergewöhnlich und bereits Grund für Lob. Die Sorgfalt und die professionelle Redaktion, mit der beispielsweise der Schwerpunkt zur Infrarotfotografie aus einer ganzen Reihe locker verknüpfter Artikel zusammengestellt wurde, zeugt vom STreben nach einem abgerundeten Magazin.

Selbst Hardware-Tests wie die Serie lichtstarker Reportage-Zooms mit 24-70mm sind sehr lesbar und allgemein verständlich und erscheinen damit auf ein klar definiertes und von der Redaktion gut erfasstes Publikum zugeschnitten.

DigitalPhoto zu StockfotografieFür mich persönlich kommt zwar auch in DigitalPhoto die Fotografie als Kunst etwas zu kurz, und die langen und verständlichen Anleitungen zu Bildmanipulation oder einem „Kreativ-Projekt“ als Mischung aus Grafik und Studiofoto interessieren mich persönlich nicht sehr. Aber wer sich mehr vom Digital als vom Photo im Titel angesprochen fühlt, kommt hier jedenfalls auf seine Kosten. Auch wenn das Magazin mit knapp sieben Euro und unverschämten 13 Franken nicht grade zu den preiswerten gehört.

Etwas angestaubt erscheint die beigelegte Heft-CD, auch wenn vielleicht noch nicht jede Leserin 45minuten lange Tutorial-Videos aus dem Internet ziehen mag. Aber angesichts der noch verstaubter wirkenden Website ist die CD vielleicht eine gute Idee…

DigitalPhoto, Falkeverlag, 12 Ausgaben 69 Euro im Abo. (Affiliate-Link)
„DigitalPhoto“ im Test
Verständlichkeit ******
Tiefgang ******
Nutzernähe ******
Aufmachung ******
Aktualität ******
Zusatznutzen (online) ******
Originalität ******
Präsentation ******
Sehschulung ******
Gesamtbewertung 39/54
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  1. […] haben wir die Testreihe der Fotomagazine fortgesetzt; wir haben […]

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