Bühnenfotografie: Chuck Berry

Gute Bühnenfotografie fängt die Emotionen der Musiker auf der Bühne ein. Das mit einer Kompaktkamera zu schaffen, ist eine besondere Herausforderung.

Leserfoto: Klick für Fotodaten und Vollansicht (© Jürgen Schulte).

Kommentar des Fotografen:

Eine Impression vom Konzert des „Großmeisters des Rock´n Roll“ Chuck Berry, in Essen 2008. Mir gefällt dieses Bild so sehr, weil es (für mich) zum einen die Hingabe zweier Musiker zu ihrer Musik zeigt, zum anderen die Anerkennung des Altmeisters widerspiegelt gegenüber der Leistung seines jungen Mitstreiters, der sicher (vom Alter her gesehen) sein Enkel sein könnte.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Jürgen Schulte:

Konzertfotografie ist ein schwieriges Genre. Wenn man ein besonders gelungenes Foto dieses Genres sieht, hört man förmlich die Musik und spürt die Energie des Augenblicks, der da eingefangen wurde.

Bühnenfotos sind aber auch unglaublich schwer zu schießen, weil man ohne Blitz arbeiten muß, und die Handlung so schnell abläuft, daß man als Fotograf kaum hinterherkommt. Außerdem muß man mit den Lichtverhältnissen arbeiten (Bühnenbeleuchtung etc.), die einem gewissermaßen vorgesetzt werden.

Du hast das vorliegende Foto mit einer Fuji Finepix F30 geschossen. Es handelt sich dabei um eine Kompaktkamera, und das war noch obendrein eine extra Herausforderung, denn man hat nicht die gleiche Kontrolle wie bei einer Spiegelreflexkamera über das, was die Kamera tut, wenn man den Auslöser drückt.

Die Fotografie ist ein recht guter Versuch, aus dem man mit ein bisschen Nachbearbeitung durchaus etwas machen kann.

Mit ISO 1600 hat der Fotograf den richtigen Wert getroffen. Allerdings war 1/100s als Verschlußzeit zu kurz, und darum ist das Bild unterbelichtet.

Ich finde Chuck Berry ganz gut getroffen, wenn er auch vielleicht ein wenig ausdrucksstärker dargestellt werden könnte. Aber durch den dunklen Raum drumherum gibt es keinen wirklichen optischen Bezug zu dem jungen Mann am Klavier/Keyboard – man könnte sie ohne weiteres trennen und nicht wissen, daß sie beide zur selben Zeit auf der Bühne waren. Das sah bestimmt live ganz anders aus.

Das Bild steht aber auf eigenen Füßen, es muß aus sich heraus wirken, und leider stellt sich aus oben angeführten Gründen für mich nicht das Gefühl ein, das der Fotograf einfangen wollte.

Ich habe ein bisschen mit dem Bild experimentiert (es u.a. aufgehellt), und schließlich beschlossen, daß ich mich auf Chuck Berry konzentrieren würde. Seine Pose ist besser, er ist voll im Augenblick. Gewiß verändert das die Bildaussage, die Jürgen im Sinn hatte, aber ich denke, zum Besseren:

Chuck Berry, allein.Auf Nachfrage hat Jürgen mir mitgeteilt, daß er keine Möglichkeit der Nachbearbeitung hatte (Photoshop, Lightroom etc.). Ich habe ihm daraufhin empfohlen, sich einmal aviary.com anzuschauen (von den Jungs, die worth1000.com betreiben, einen permanenten Foto- und Bildmanipulationswettbewerb). Dort finden sich Programme zur Bildverarbeitung, Effektbearbeitung und anderem. Sie sind komplett im Netz, d.h. es ist keine Installation nötig. Da der Preis stimmt (= für umsonst), sind sie natürlich „bare bones“, aber für ein paar Grundkorrekturen reichen sie aus. Alternativen sind Irfanview und Googles Picasa.

Für ein Beispiel eines wirklichen Meisters der Bühnenfotografie kann ich die Webseite von Juan Carlos Hernandez empfehlen: Er fotografiert seit Jahren Jazzinterpreten und Musiker anderer Stilrichtungen. Für mich ist die Art, wie er mit Licht und Raum umgeht, einfach faszinierend.

Ich selbst habe ein paar Events dieser Art fotografiert (komme aber an Juan Carlos bei weitem nicht heran), und kann daher aus eigener Erfahrung sagen, daß Bühnenfotografie eine echte Herausforderung ist.

Es empfiehlt sich deshalb generell, bei dieser Art Aufnahme eine Spiegelreflexkamera mit einem schnellen (will heissen lichtstarken) Objektiv zu benutzen. Profis bedienen sich in solchen Situationen gerne eines lichtstarken 85mm Objektivs mit einer maximalen Blende von f/1.8 und/oder eines Teleobjektivs von etwa 70-200mm mit einer maximalen Blende von f/2.8. Beide sind etwa für meine Canon EOS zu haben, und sie gibt es in Varianten für andere Modelle/Marken ebenfalls. Da das Teleobjektiv relativ teuer ist, habe ich mich für den Anfang für das 85mm Objektiv entschieden. Nachteil: feste Brennweite.

Meistens habe ich das 85mm Objektiv dabei, und meine Canon bei ISO1600 auf 1/60s Zeitautomatik gestellt. Autofokus benutze ich nur im Notfall. Wenn man lediglich eine Kompaktkamera zur Verfügung hat, sollte man zumindest Zeitautomatik benutzen, wenn man auch, was Autofokus angeht, meistens keine große Kontrolle hat.

Fazit ist: ausreizen, was man zur Verfügung hat, und weiter üben. Ein guter Anfang ist gemacht.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Kommentare
  1. Peter sagte:

    „meine Canon bei ISO1600 auf 1/60s Zeitautomatik gestellt“

    Wenn Du Deine Kamera auf Zeitautomatik einstellst, wie kannst Du dann gerade die Zeit vorwählen? Das geht eigentlich nur bei Blendenautomatik.

    Antworten

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