Urbex: Räume für die Vergangenheit

Urban Exploration, oder Urbex, nennen Insider ihre Leidenschaft für die Fotografie verlassender und zerfallender Gebäude und Einrichtungen. Reginald Van der Velde hat Urbex zu seinem Hobby gemacht.

Sony World Photographic Awards, Bild des Monats von Reginald Van der Velde: Die Kleiderkörbe der Kumpel in der stillgelegten Zeche Hugo 1/3

Gerade wurde Reginald Van der Velde mit dem Amateur-Foto des Monats von den Sony World Photography Awards ausgezeichnet. Sein Bild zeigt die Halle in der stillgelegten Zeche Hugo in Deutschland, wo die Kumpels ihre Kleidung in Kauen, den Kleiderkörben aus Stahl, in die Decke hochzogen. Wie Gerippe hängen die Kauen in Reginalds Bild in dem Gebäude der Zeche. Und es ist nicht das einzige faszinierende Bild des Belgiers, der sich weniger als Fotograf, denn als Betreiber von Urban Exploration.

Das interessante Daran: Reginald sieht sich nicht als Fotograf.

Seine Leidenschaft gilt verlassenen Gebäuden und verfallenden Schlössern; er ist Experte und Hüter vieler Schätze von alten Industrieanlagen bis zu den stillgelegten Bordellen in der Gegend in Belgien, wo er aufgewachsen ist.

Diese Orte habe er als Kind und Jugendlicher kennen und lieben gelernt – als eine Welt in der Welt, ein geheimnisvolles Paralleluniversum voller Fundstücke und spannender Entdeckungen. „Es war das Jahr 1985“, schreibt Reginald auf seiner Website,

„Es war unser Sport geworden, möglichst viele solcher verlassener Orte zu besitzen. Wir machten uns auf die Suche nach Häusern, Schlössern, Brasserien, Galerien, Fabriken und Bordellen. Wir hatten den grössten Respekt für diese Orte. Wir wollten verhindern, dass sie Vandalenakten anderer Jugendlicher zum Opfer fielen. Wir verbarrikadierten sie. Wir hielten sie geheim.“

Seine Leidenschaft für moderne Ruinen habe ihn nie losgelassen, schreibt Reginald, aber er sei ihm nie in den Sinn gekommen, sie zu fotografieren. Vor einiger zeit dann habe er entdeckt, dass sich auch viele andere Menschen für diese orte interessieren. Und dass sie sie fotografieren. Sie nennen es Urban Exploration, und Reginald ist inzwischen, wie man seiner noch nicht ganz fertiggestellten Website, aber vor allem dem Flickr-Stream anmerkt, ein angefressener Urbexer.

Er ist aber auch ein sehr guter Fotograf, der es versteht, die gefundenen (respektive offenbar mit viel Aufwand ge- und besuchten) Orte in grossartigen Schwarz-Weiss-Aufnahmen zu inszenieren.

Ein Ausflug in seinen Flickr-Fotos lohnt sich auf jeden Fall.

(Danke, Corinne!)

2 Kommentare

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  1. […] Motivjagd in städtischen und zivilisatorisch erschlossenen, aber verlassenen Gebieten, die in eine Art Ruinen-Landschaftsfotografie […]

  2. […] Licht und rauher Schönheit. Von ihnen geht eine ähnliche Faszination aus, wie sie für die Urbex-Fotografie typisch ist. Eine Mischung aus Dokumentation und Beschwörung der […]

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