Sonnenaufgang in den Alpen: Fotografische Kontrast-Strafaufgabe

7 Kommentare
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    Peter Sennhauser sagte:

    Hallo alle – ja, ich muss mich bei David entschuldigen, der sich auf meine Bitte hin, seinen Kommentar mit Bildern anzureichern und mich als Artikel publizieren zu lassen, in Arbeit gekniet hat und eine tolle Zusammenfassung geschrieben hat. Sie geht heute noch online, inklusive Bildmaterial.

    Herzlichen Dank, David!

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    David Kaplan sagte:

    Hallo Roland
    Es freut mich, dass ich dich mit meinem Kommentar ermutigen konnte. Peter Sennhauser sollte eigentlich bald mal einen kleinen Artikel über HDR veröffentlichen bei dem er ein paar Beispielbilder von mir zeigen wird.
    Ich werde hier kurz zu deinen beiden Fragen Stellung nehmen.
    1. In einem RAW sind ja üblicherweise 12-14bit (4096 bis 16384) Helligkeitsstufen enthalten. In einem JPEG sind dann aber nur noch deren 8bit (256). Im RAW-Konverter wird in den Schatten und in den Spitzlichtern jeweils etwas abgeschnitten und der Rest wird Linear auf 8bit heruntergerechnet. Wendet man nun die Belichtungskorrektur des RAW-Konverters auf das RAW an und hellt z.B. das Bild auf, wird in den Schatten nichts mehr abgeschnitten, dafür in den Lichtern mehr. Gleichzeitig wird die Kompression auf 8bit mehr in die Schatten verschoben. Dadurch sind viel mehr Schatteninformationen im Bild als ohne Belichtungskorrektur zu sehen waren. Dies reicht in vielen Fällen für Photomatix um ein erstklassiges HDR zu erzeugen. Bei höheren Kontrastumfängen würde ich mit 3 verschiedenen Belichtungen und 2 Blendenstufen unterschied fotografieren. 7 Belichtungen sind nur in absoluten Ausnahmefällen nötig und steigern die Qualität des HDRs keineswegs.
    2. Die Nachkorrekturen: Ich arbeite mit Nikon Capture NX2. Von Photoshop habe ich nur eine Uralt-Version, die ich nur in Ausnahmefällen nutze. Für einfachere Bildkorrekturen reicht das Nikon-Programm längstens. Um die Halos loszuwerden markiere ich mit einer Freihand-Maske den zu hellen Bildteile und reduziere die Helligkeit und Farbsättigung – natürlich mit „weicher Auswahlkante“ um keine abrupten Übergänge zu zeigen. Auch zu dunkle Bereiche helle ich auf diese Weise wieder auf, meist mit Tonwertkorrektur um den Kontrastumfang des markierten Details zu steigern. In Capture NX kann ich glücklicherweise alles mit dem 16bit-TIF machen, so dass ich durch die Nachkorrekturen keinerlei Qualitätseinbussen habe.
    Ich hoffe, damit geholfen zu haben.
    Gruss David

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    Roland Horni sagte:

    Hallo David

    Danke für Deine Erläuterungen zu HDR. Auch ich habe mit Photomatix einige Versuche gestartet. Mir ist genau das aufgefallen, was Du erwähnt hast: die Hallos bei den kontrastreichen Übergängen, z.B. Dach-Himmel, schwarz-weisse Linien, und ich konnte sie nie ganz auf eine saubere Abgrenzung reduzieren. Du schreibst, Zit. „…aber gewisse Korrekturen sind danach sehr oft nötig für ein perfektes Ergebnis.“ Da hast Du recht! Aber wie mache ich solche Korrekturen? Gar nicht so einfach, auch mit Photoshop! Ich habe es schon mit dem Filter „Korneffekt/anisotrop“ versucht, der glättet die Übergänge etwas, ist aber nicht zufriedenstellend. Leider muss man auch, um ihn zu gebrauchen (Photoshop CS3) die Farbtiefe auf 8 Bit reduzieren, was ich nur ungern tue, weil dann ev. noch nötige Farbkorrekturen nicht mehr so genau vorgenommen werden können. Wiederholt man das und wendet zwischendurch noch den Filter „Unscharfmaskieren“ an, erhalten die Bilder auf einmal ein sehr plastisches Aussehen und wirken wie gemalt. Das ist aber nicht meine ursprüngliche Absicht, sondern so entsteht etwas ganz Neues. Schöner Effekt für Gegenstände wie Autos, Maschinen.
    Doch zurück zu Deinen Ausführungen. Du hast recht, die HDR-Technik muss sehr gekonnt und sorgsam angewandt werden, vor allem wenn man drei bis 7 Bilder, verschieden belichtet, auf eines reduziert. Dass das aber auch mit einem Bild möglich ist, erstaunt mich. Woher nimmt Fotomatix die Informationen im Bild, es sind ja nicht mehr da, aber es funktioniert. Ich versuchte solche Kontrastverstärkungen oft auch zu erreichen, indem ich mit den Gradationskurven hantierte, mit mehr oder weniger Erfolg, wenn es denn sein musste, auch im Lab-Modus, wo man die Luminanz sehr schön korrigieren kann, ohne Farben zu beeinträchtigen.
    Alles in Allem: Dein Beitrag hat mir wieder viel Anregung gegeben, herzlichen Dank!

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    David Kaplan sagte:

    Peter Sennhauser hat sehr detailliert und umfassend erklärt, was es für Möglichkeiten zur Bildbearbeitung in Situationen mit grossem Kontrastumfang gibt. Gerade bei der Landschaftsfotografie fast immer ein Thema, auch Tagsüber. Ich war eben für 4 Wochen im Südwesten der USA und habe dort rund 2400 Bilder geschossen. Etwa 70-80% davon als Belichtungsreihe mit 3 Bildern. Daher habe ich ein wenig Erfahrung mit dieser Technik und kann Peter’s Ausführungen vielleicht noch etwas ergänzen.
    1. Die meisten HDR-Programme können Kamerabewegungen erkennen und kompensieren. Das funktioniert auch prima. Ich nutze dieses Feature auch bei meinen Stativaufnahmen, da sich auch hier das Bild um 1-2 Pixel bewegen kann. Auch Freihand-Aufnahmen sind so möglich. Aber je mehr man wackelt, umso mehr Bildrand verliert man halt.
    2. Ebenfalls viele HDR-Programme können Motivbewegungen kompensieren. Ich bin scho oft erstaunt gewesen, was z.B. Photomatix alles korrigieren kann. Um Kurven fahrende Autos, laufende Passanten, wehende Fahnen – all das wird perfekt kompensiert. Beim Wasser ist es ein bisschen schwieriger. Hier gibt es eher mal ein Artefakt, weil sich das bewegende Motiv halt nicht klar definieren lässt. Darum mache ich oft bei Wasser-HDRs Langzeitbelichtungen mit Blendenautomatik oder ISO-Variation.
    3. Sehr oft reicht ein einzelnes RAW schon für ein perfektes HDR. Die Belichtungsunterschied muss man dann einfach im RAW-Converter herbeizaubern. Hier ist das Problem eigentlich nur, dass es in den Schatten auf diese Weise stärker rauscht als es zu erwarten wäre. Sollte das Rauschen doch zu stark sein, kann man aber auch ein Exposure Blending machen. Photomatix bietet das auch an. Dabei wird einfach der jeweils korrekt belichtete Bereich der jeweiligen Belichtung mit einem korrekt belichteten Bereich einer anderen Belichtung zusammengeschnitten. Was man im Photoshop mühsam mit Masken erledigen muss, geht hier in wenigen Sekunden automatisch. Das Ergebnis ist zudem oft natürlicher als ein richtiges HDR.
    4. HDR als Detailkontrast-Steigerer. Man nehme ein typisches Landschaftsbild, z.B. eine Wiese, dazu ein blauer Himmel mit ein paar schönen Wolken. Vor Ort war der Fotograf noch begeistert von den saftigen Farben der Wiese und dem kontrastreichen Himmel. Auf dem Foto sieht dann zwar alles korrekt belichtet aus mit Histogramm wie im Lehrbuch, aber irgendwie kommt die Stimmung der Realität nicht rüber. Warum? Sowohl Himmel als auch Wiese sind schlichtweg zu kontrastarm. Was kann man dagegen machen? Z.B. mit Masken einzelne Bildbereiche markieren und selektiv den Kontrast und die Sättigung erhöhen. Oder eben den fummligen Grauverlaufsfilter. Oder aber via HDR den Detailkontrast steigern, bis es überall angenehm und realitätsnaher aussieht. Bei so kontrastarmen Motiven braucht man nicht einmal ein Stativ. Für mich ist HDR die einfachste und schnellste Variante um zu ansprechenden Bildern zu kommen.
    5. HDR-Nachbearbeitung. Bei fast jedem HDR gibt es irgendwo Bereiche im Endergebnis die irgendwie komisch sind. Seinen es Halos an den Kontrastübergängen oder Bereiche die unnatürlich hell aussehen. Natürlich sollte man ein möglichst natürliches HDR-Ergebnis anstreben, aber gewisse Korrekturen sind danach sehr oft nötig für ein perfektes Ergebnis.

    Ich hoffe, mit meinen Ergänzungen die HDR-Technik ein bisschen schmackhaft gemacht zu haben. Leider hat sie unter den seriösen Fotografen einen nicht allzu guten Ruf, weil man bei vielen HDR-Anfängern völlig übertriebene HDR-Bearbeitungen sieht. Das liegt aber einmal mehr am Menschen und nicht an der Technologie.

    Viel Spass beim weiteren Fotografieren und immer das richtige Licht.
    Gruss David

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    Horni Roland sagte:

    Peter, mir wurden vor einem halben Jahrhundert die „Anstandsregeln“ so heftig eingehämmert, dass es bis zum heutigen Tag nachwirkt;-) das bringt man kaum mehr weg. Aber Spass beiseite und Danke für die Blumen. Es ist doch ein Kompliment, wenn jemandem ein Bild gefällt.
    HDR aus freier Hand, hm, dann pack ich mir doch grad die EOS 1 Mark III ein, diese Schnellfotografiermaschine, vom Gewicht her nicht viel weniger schwer als ein Stativ. Nur, mein schönes 14mm Weitwinkel ist dann keines mehr und für gute Fotos muss man manchmal auch noch leiden, oder man engagiert ein paar Träger;-)

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    Peter Sennhauser sagte:

    Roland (ich erlaube mir weiterhin die hier gepflegte kollegiale Duzerei), herzlichen Dank für Deine Replik. Ich hab’s hier in der Tat übertrieben – mit der Textlänge genau so wie mit dem Aufhellregler. Ich habe ausserdem in dem ganzen langen Riemen nirgends gesagt, dass mir das Bild persönlich sehr gefällt – ich liebe diese Morgenstimmung.
    Zu HDR noch ein Hinweis: Das geht durchaus mit Bracketing aus der Hand, eine Kamera mit schneller Bildfolge und eine tiefe Verschlusszeit vorausgesetzt. Deine EOS 5D müsste das problemlos hinkriegen.

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    Horni Roland sagte:

    Hallo liebe Fotogemeinde.

    Erst einmal dem Autor dieser Bildanalyse, Peter Sennhauser, ein herzliches Dankeschön!
    Herausgekommen ist ja fast so etwas wie ein Workshop in Sachen Landschaftsfotografie bei extremen Lichtverhältnissen.

    Geschmunzelt habe ich beim Lesen der Einleitung: „Strafaufgabe ausgesucht“… ja das war es dann schon nicht, aber eine wirkliche Herausforderung! Ausserdem war ich in Wanderausrüstung unterwegs und hatte kein Stativ dabei. Deshalb die grosse Blendenöffnung, (5,6) mit der ich fotografierte, schliesslich wollte ich ein einigermassen scharfes Bild. Somit schloss sich auch die HDR-Methode aus, für die das Motiv wohl prädestiniert wäre, aber aus freier Hand werde ich nie drei bis fünf deckungsgleiche Aufnahmen realisieren;-)

    Lehrreich für mich, dass bei Landschaftsaufnahmen eigentlich auf den Vordergrund scharf gestellt werden sollte, nicht in die Ferne, ja dass sogar – wie ich andern Orts las – eine geringe Unschärfe im Hintergrund nicht störe.

    Bei diesem Bild habe ich auf die Schärfe und Belichtung des Vordergrunds – und wie ich nun weiss – fälschlicherweise nicht die Beachtung geschenkt, die er offensichtlich doch verdient. Wichtig waren mir die Berge und das Tal. So habe ich denn auch und mit genauer Beobachtung des Kamerahistogramms, genau darauf belichtet. Sicher gut gemeint, aber nicht gut genug, wie ich nun sehe. Fotografiert habe ich natürlich im RAW-Format, wie bei mir üblich, weil ich um die am PC so besseren Korrekturmöglichkeiten weiss.

    Mit „Steine im Vordergrund beschneiden“ meinte ich natürlich diese ganz wegschneiden, sodass die untere Bildkante knapp unter dem dunklen Wald rechts gewesen wäre. Angeschnittene Steine würden wirklich unschön wirken. Aber Abschneiden und Beschneiden haben halt andere Bedeutungen, ich muss hier sprachlich präziser werden;-)

    Nun, Peter, Sie haben ja den Aufhellschieberegler in Lightroom ganz forsch nach rechts geschoben. Das habe ich nun auch nachvollzogen an meinem RAW-Bild und muss sagen, Donnerwetter, das bringt ganz schön was! Und das mit dem Rauschen ist noch gar nicht so schlimm. Nur finde ich jetzt das Bild etwas unwirklich, so schönes Grün sah ich nicht auf der Wiese………, es ist also für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten, ich würde etwa um 20 Punkte vorher abbremsen beim „nach rechts schieben“. Da kommt also wohl die Geschmacksfrage zum Zuge. Die hinter dem Felsblock stehende Tanne nahm ich vor Ort nur als schwarze Silhouette war. Eigentlich wollte ich das im Bild so behalten. Aber es zeigt mir, wie viel man aus dem Dunkel noch raus holen kann, wenn man RAW-Format fotografiert, wirklich beachtlich.

    Alles in allem habe ich hier einiges gefunden, was ich auf meine künftigen fotografischen Wanderungen mitnehmen kann. Aber um wirklich hervorragende Landschaftsbilder zu machen komme ich wohl nicht darum herum, das Stativ mit zu tragen, nebst Grauverlauf- und Polarisationsfilter.

    Freundliche Grüsse
    Roland Horni

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