Ofer Wolberger: Reisen mit Maggie

Der New Yorker Fotograf Ofer Wolberger und seine Kunstfigur „Maggie“ reisen gemeinsam durch die Lande – vom Sunset Boulevard Los Angeles bis an Frankreichs Küsten.

Ofer Wolberger: Mont Saint-Michel, Normandie, France

Eine Maske und ein Name – daraus entsteht eine ganze Welt. Ofer Wolbergers „Life with Maggie“ ist derzeit im C/O Berlin zu sehen.

In der Reihe „Talents“ präsentiert das C/O Fotografen und Kulturwissenschaftler an der Schwelle zwischen Ausbildung und Beruf. Neben Ofer Wolberger ist es die Kunstgeschichtlerin Jennifer Crowley, die sich im Katalog zur Ausstellung mit „Maggies Welt“ auseinandergesetzt hat.
Maggie posiert in üblicher Touristenmanier bei Sonnenuntergängen am Wasser, in lieblichen Landschaften und vor moderner Architektur. Einzig irritierend an ihren gewöhnlichen Reisebildern ist Maggie selbst, denn ihre wahre Identität versteckt sie stets hinter einer Maske. Zudem korrespondiert ihre Kleidung oft auf subtile Art mit ihrer Umgebung, greift deren Beschaffenheit und Farbigkeit auf. Sind das noch klassische Urlaubsfotos? Was wird hier eigentlich dokumentiert? Wer ist diese Maggie und wohin geht ihre Reise wirklich?

Wolberger fotografiert mit einer Großformatkamera im Format 4×5 Inch. Das ermöglicht einen großen Detailreichtum der Fotos. Seine Bildeer umfassen die amerikanische Tradition der Street Photography und des Roadmovies, mit Motiven am Straßenrand entlang der Reiseroute, Kultur- und Naturdenkmälern oder auch absurd erscheinenden Szenen. Die intensive Farbigkeit erinnert an die New Color Photography der Siebzigerjahre, die wir hier schon oft zitiert haben. Im Bewusstsein dieser Dokumentarfotografie nimmt Wolberger digitale Bildbearbeitung nur minimal vor.

Ofer Wolberger: James Dean's Last Stop, Lost Hills, CA

Einige Auszüge aus Jennifer Crowleys Interview mit Wolberger:

Was hat Dich zu Deinem „Life with Maggie“-Projekt inspiriert?

Die Idee zu dem Projekt kam von der Maske selbst. Sie ist aus Papier und alt, vermutlich aus den 1930er oder 40er Jahren. Meine Frau Billie bekam sie vor ein paar Jahren von ihren Eltern geschenkt. Ich sah die Maske in ihrem Zimmer in Frankreich an der Wand hängen und war fasziniert. Billie probierte sie für mich an, dann machten wir ein Foto. Als Billie hier in NYC war, machten wir mehr Fotos, und dann kam mir die Idee, diese Figur mit auf eine Reise zu nehmen. Langsam vervollständigten sich die Details des Projekts, aber im Wesentlichen ist die ganze Sache von der Maske selbst in Bewegung gesetzt worden.

Wie hast Du die Besonderheiten der Landschaften und Orte in den Ländern erlebt, die Du zusammen mit Billie erkundet hast, als Ihr Maggies Reise gefolgt seid?

Die amerikanische und französische Landschaft könnten unterschiedlicher nicht sein, in dem Sinne, dass die amerikanische Landschaft überladener und fast fremd erscheint. Du kannst nie wissen, auf was Du stößt. In Frankreich ist die Landschaft sauberer und weniger überladen, es gibt mehr pure Landschaft ohne Intervention. In gewisser Weise ist es schwieriger für mich in Frankreich zu fotografieren, weil weniger dieser „menschlichen Hinweise“ herumliegen. Aber wie Du sehen kannst, haben wir in vielen Fällen Hinweise auf Amerika gefunden, während wir durch Frankreich fuhren. Der pinke Cadillac ist ein sehr gutes Beispiel dafür.

Wie ist es mit dem Licht in den Bildern – ist es immer das „natürliche“ Licht des Ortes, auch in den Interieur-Fotografien? Welche Art Kamera hast Du für das „Life with Maggie“-Projekt gewählt?

Ich arbeite nur mit natürlichem Licht, so wie es an dem jeweiligen Ort vorgefunden wird, ob außen oder innen. Das Licht im Bild belebt und erzeugt das Geheimnis oder die Atmosphäre, die wir sehen und fühlen. Im Wesentlichen bin ich ein Großformat-Fotograf mit einer Vorliebe für die 8 x 10 Inch Kamera. Aber für dieses Projekt habe ich meistens eine 4 x 5 Inch Kamera verwendet, da diese mir mehr Mobilität und die Möglichkeit gibt, Polaroids zu machen. Das kostet nur ein Viertel des Preises, somit konnte ich mehr Film verbrauchen.

Wenn man sich Dein OEuvre und Deine Ausbildung anschaut, bist Du offensichtlich an verschiedenen Aspekten der Kunst interessiert, theoretisch und praktisch. Woher kommt Dein Interesse für Fotografie und was gefällt Dir an diesem Medium?

Mein Interesse an der Fotografie entstand aus meiner Leidenschaft für das Kino. Ich studierte Kunstgeschichte, Zeichnung und Druckgrafik am College, als ich anfing, mich mehr für Film zu begeistern. Ich ergänzte mein Studium um dieses Fach und stellte fest, dass ich es großartig fand. Zur selben Zeit nahm ich an meinem ersten Seminar für Fotografie teil und stellte fest, dass Fotografie auch viel mit Filmen zu tun hat. Ich liebte die Fotografie und beschloss, sie weiter zu verfolgen. Mir gefallen die Überraschung und die Freude daran, wie etwas aussieht, wenn ich es fotografiert habe. Auch wenn man erfahrungsgemäß eine Vorstellung davon hat, wie eine Fotografie am Ende aussehen wird, bleiben Staunen und Überraschung starke Elemente beim Betrachten einer Fotografie. Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften der Fotografie ist außerdem, dass man unterschiedliche Bedeutungen und Interpretationen aus einem Bild ziehen oder aus diesem schlussfolgern kann.

Ofer Wolberger: Saint-Michel-en-Greves, France

Auf Ofer Wolbergers Website können wir uns die Reisen mit Maggie anschauen und seine anderen Projekte. Wir sehen dort auch einen Videoclip mit Maggie im Photoautmat.

Wolberger, Jahrgang 1976, studierte Kunstgeschichte, Bildende Kunst und Film an der State University in New York. Danach machte er 2001 seinen Master of Fine Arts in Fotografie an der School of Arts in New York. Jennifer Crowley, geboren 1980, studierte Kunstgeschichte, Ethnologie und Soziologie an der Universität Köln. Sie setzte sich in ihrer Magisterarbeit mit dem Blick auf das Fremde in der ethnologischen und künstlerischen Fotografie auseinander. Auch in ihrem Dissertationsprojekt fragt sie nach dem Verhältnis von Mensch und Landschaft in der Fotografie.

Talents 17 . Life with Maggie
Ofer Wolberger / Jennifer Crowley

Bis 6. Dezember
C/O Berlin, Oranienburger Straße 35/36, D-0117 Berlin
+49 (0)30-28 09 19 25, info@co-berlin.com
Geöffnet täglich 11 – 20 Uhr

Ofer Wolberger
C/O Berlin

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