Manuelle Belichtung: Komponenten zusammenbringen

Mit dem manuellen Modus kann man recht schicke Effekte erzielen. Dabei sollten jedoch alle anderen Aspekte des Fotos gleichermassen stark sein, um ein Bild mit nachhaltiger Wirkung entstehen zu lassen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© S.F.).

Kommentar des Fotografen:

Auf vielfachen Wunsch ein weiteres Portrait meiner Freundin… ;-) Ich bin mit dem Bild nicht 100% zufrieden und mir einiger kleiner Fehler auch bewusst. Trotz alledem würde mich Eure fundierte Kritik sehr interessieren!

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von S.F.:

Seitdem viele Leute hochqualitative Digitalkameras mit manuellen Einstellungen nutzen, werden häufig Effekte angewendet, die einst für den Amateur unerreichbar schienen. Der manuellen Modus hat es hier ermöglicht, dass die Sonne einen Überbelichteten Kaleidoskopeffekt schafft, während der Blitz das Gesicht der Person belichtet und so das starke Gegenlicht kompensiert.

In solchen Lichtverhältnissen werden Kameras, die auf Automatik eingestellt sind, oft das Objekt unterbelichten.

Der manuelle Modus erlaubt einem, den Belichtungsmesser zu überlisten, wenn er angibt, das Foto sei unter- oder überbelichtet. So kannst Du anstatt der Kamera entscheiden, wie Dein Foto aussehen wird.

Während der Effekt der Sonne und des Blitzes hier ein gutes Ergebnis liefern, sind andere Dinge im Bild nicht von gleicher Stärke. Das Haar der Frau, das ihr ins Gesicht weht, fügt einen schönen Aspekt hinzu, die paar Strähnen, die in ihrem Mund enden, sind jedoch ablenkend und schwächen die Stimmung des Bildes.

Zweitens passt ihr Gesichtsausdruck stilistisch nicht zur Beleuchtung oder zum Setting. Diese Art Belichtung repräsentiert für mich hier Frische, Reinheit und vielleicht Unabhängigkeit. Ihr Ausdruck scheint hingegen fragend, misstrauisch und unsicher.

Sicherlich sind dies kleine Details, sie machen aber einen himmelweiten Unterschied. Es sind all diese Dinge, die zusammen ein gutes Foto ausmachen. Jeder Fotograf, ob Amateur oder Professioneller, kämpft darum, dies zu erreichen.

Um ein eindrucksvolles Beispiel zu sehen, sieh Dir dieses grossartige Guardian Video über die Fotografin Jane Brown an

Ihre fünf Fotos von Samuel Beckett sind fast identisch. Aber die winzigen Unterschiede in seinen Gesichtsausdrücken, und die kleinen Veränderungen in der Komposition machen das mittlere Bild zum ausdruckstärksten.

Es scheint, Du hast den manuellen Modus und die Beleuchtung schon gut drauf, jetzt ist es an der Zeit, alles zusammenzufügen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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